Hügelseiten emporkletterte. "Jetzt wissen wir, was wir wollen, Mauro," sagte er, "Du kennst die Parole und das Feldgeschrei für den Notfall, wenn Du auf Soldaten stossen solltest. Also rasch nach der Stadt und General Ssoimonoff entgegen. Ich schlage den Weg durch die Steinbrüche ein und bin in einer Stunde an der brücke. Die Narren haben uns alle ihre Verteidigungs-Anstalten sehen lassen und ich denke, Mungo's Probestück auf diesem ihm fremden Boden wird der Empfehlung Deines Herrn keine Schande machen." –
Der Spion verlor sich in den dunklen Schatten der Berge, während der Knabe nach der Richtung der Stadt schlich.
Als General Codrington von seiner Inspection der britischen Linie, die er bis gegen den Sapunberg hin ausgedehnt hatte, zurückkehrte, – der Tag brach bereits an – fielen plötzlich auf dem linken Flügel der Vorpostenlinie vor der Division Brown einige Schüsse und bald darauf hörte man von der Seite von Inkermann ein heftiges Gewehrfeuer.
Codrington liess seine Brigade unter Waffen treten.
Das Glockengeläut in der Nacht von den Türmen Sebastopol's hatte nicht der Sonntags-Frühmesse gegolten, sondern die Einwohner zusammengerufen zum Gebet für den glücklichen Ausgang der Schlacht. Die Truppen standen bereits auf den Sammelpunkten.
Als die Morgenröte sich am Himmel zeigte, während auf den Bergen und in den Tälern dichter Nebel lag und im englischen Lager noch Alles ruhig schlief, ohne an die nahe Gefahr zu denken, begannen die russischen Truppen auch von den Höhen des rechten Tschernajaufers herabzusteigen, und von der Stadt her näherte sich die Spitze der Colonne Ssoimonoss's.
In diesem Augenblick schon war es, wo das Geschick der Schlacht durch den Fehler eines ihrer Führer entschieden wurde, der die Folgen selbst nicht durch die heldenmütige Opferung seines Lebens abwenden konnte. Die Disposition für die Colonne des General-Lieutenants Ssoimonoff, die von der Bastion Nr. 2 aus gegen die Engländer vorbrechen sollte, lautete: auf der linken Höhenseite des Kilengrundes vorzugehen und die Engländer anzugreifen. Der Fürst hatte damit die westliche Seite des Kilengrundes gemeint, bei der Bestimmung von rechts und links den Lauf des Talgrundes nach seinem Ausgang zum Meere annehmend.
General Ssoimonoff tat das Gegenteil – er rechnete in der Richtung, nach welcher er marschirte.
So überschritt seine Colonne denn gleich beim Austritt aus der Stadt die Mündung des Kilengrundes und rückte auf dem Plateau des östlichen Randes vor, statt sich auf dem breiten Terrain des westlichen zu entfalten und hier den linken Flügel der englischen Stellung anzugreifen, nach dem Centrum hin aufzurollen und so zwischen die englischen Trancheen und das Lager einzudringen, das am Anfang des Kilengrundes lag. Dies war jedoch nicht der einzige überwiegende Nachteil. Durch die Irrung des Ssoimonoff'schen Corps schob es sich vor den von der Inkermann-brücke her vordringenden rechten Flügel der Angriffs-Colonne des General-Lieutenants Pawloff, der von dieser Seite gegen das englische Lager vordringen sollte, während sein linker Flügel auf der alten Poststrasse und durch die Schluchten die englischen Redouten und den rechten Flügel der Feinde angriff. Die Russen verloren damit ihr numerisches Uebergewicht, da sie nicht aufzumarschiren vermochten. Die russischen Regimenter mussten in Compagnie-Colonnen zum Angriff gehen, auf welche die englischen Bataillone in Front zu zwei Gliedern aufgestellt, mit ihren vorzüglichen Gewehren schon in weiter Entfernung ein sicheres, vernichtendes Feuer eröffneten. –
Der dichte Nebel und die graue Farbe der Platschtsch's4 der Russen machte es neben der Ermattung der englischen Schildwachen den feindlichen Tirailleurs möglich, unbemerkt dicht heran zu kommen. Das Tarutinskische Jäger-Regiment unter seinem Commandeur General-Major Wolkow rückte auf der alten Poststrasse vor, während das Borodinskische Regiment parallel die Schluchten hinan stieg.
Lieutenant Cavendish, der kaum eine halbe Stunde vorher von einer Recognoscirung bis an die Tschernaja zurückgekehrt, sah sich plötzlich im rücken und in den Flanken von russischen Jägern umgeben und ein Offizier rief ihm auf Englisch zu, er solle sich ergeben. Der junge Mann jedoch, dem es durchaus nicht an Mut fehlte, erwiderte mit einem Schuss seines Revolvers, um die nächsten Schildwachen zu allarmiren, und versuchte dann an der Spitze seiner kleinen truppe sich durchzuschlagen. Ein Bajonnetstich in die Brust warf ihn verwundet zu Boden, indess gelang es ihm, aus dem wütenden Kampfe, der jetzt folgte, zu entkommen, und auf dem Boden sich hinschleppend, den Schutz des nächsten Gebüsches zu erreichen.
Binnen wenig Minuten war jetzt Allarm auf der ganzen Linie. Der Angriff zeigte sich aber so ausgedehnt, das Kanonen und Kleingewehrfeuer krachte von so verschiedenen Seiten, dass die englischen Generale anfangs vollständig in Zweifel waren, woher der Angriff sie bedrohe. Von der linken Seite her donnerten die Batterieen der Stadt und unterstützten die Artillerie Ssoimonoff's, die mit 38 Geschützen sich auf den rechten Kilenhöhen aufgestellt hatte. Die Spitzen des Pawloff'schen Corps erstiegen bereits die Höhen der Poststrasse, von Südosten verkündeten Kanonenschüsse die Diversion des Fürsten Gortschakoff gegen den Sapunberg.
Zuerst glaubten die Engländer, es gälte auf's Neue einen Angriff gegen Balaclawa, und hielten das Vordringen von Inkermann für eine Scheinattake. Die blutige Wirklichkeit belehrte sie bald eines Andern. General P e n n e f a t h e r , der wegen Krankheit Lach-Evans die Division führte, erschien zuerst auf dem Kampfplatz und sandte die drei Regimenter der Brigade Adams zum Schutz der Redoute Nr. 1, mit der eigenen Brigade links gegen Ssoimonoff Stellung nehmend. Buller und Codrington setzten mit ihren Brigaden die Schlachtlinie fort, und hinter diesem ersten