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offenherzig, dass ich bereits sehr bereute, mich auf das Abenteuer eingelassen zu haben."

"Ich kann mir die Lage lebhaft denken, Kamerad," sagte Lieutenant Stuart, während der Erzähler eine Pause machte und dem Grogk zusprach, "und hätte kaum geglaubt, dass Sie sich schon in so ernsten Gefahren befunden haben. Im Kaffernkrieg unter Sir George Catcart ist es mehrfach passirt, dass wir die höllischen Dschungeln der Erogi-Gebirge bei Nacht durchziehen mussten, von wilden Feinden auf beiden Seiten bedroht, und bei der Distel von Schottland! die Hassagayen der Kaffern waren nicht minder zu fürchten als die Klauen Ihrer Tiger!"

"Es scheint, jede unserer Kolonieen hat ihre Annehmlichkeiten," sagte der Offizier. "Wir waren kaum zehn Minuten, die Büchse im linken Arm, durch dies furchtbare Dickicht vorgedrungen, als der Mond aufging und seine Strahlen die Gegend ringsum erhellten. Vor uns aus dem Grau der Nebel stiegen riesige seltsam geformte massen empor, bald schlanken Säulen, bald riesigen Kuppeln und Felswänden gleich. Wir riefen unserm Führer zu halten und uns zu sagen, wo wir uns befänden, doch er sprang, ohne Antwort zu geben, von Stelle zu Stelle immer weiter und es blieb uns Nichts übrig, als ihm zu folgen, bis wir endlich atemlos auf festem Grund und in der Gegend jener phantastischen riesigen Gebilde anlangten, die wir jetzt als die Ruinen Jahrtausende alter indischer Tempel und Bauwerke erkannten. Wir befanden uns in den sagenhaften unzugänglichen Ruinen von Bidjeagur, die, wie ich wusste, etwa acht Meilen entfernt von dem dorf Anagundy liegen mussten."

"Der Hindu, unser Führer, schien in dieser Trümmerwelt, aus der unser Nahen mehr als ein Mal den Schakal und die Hyäne aufstörte und riesige Vampyre durch die Nachtluft scheuchte, wohlbekannt, denn er führte uns, noch immer wortkarg auf unsere fragen, ohne zu zaudern, durch diese modernden Tempel und Paläste bis zu dem Eingang einer halb verfallenen, von riesigen Marmorwänden umgebenen Pagode, an deren Säulen und Mauern wir im Mondlicht hundertfach wiederholt die Verwandlung des Götzen Vischnu erkennen konnten. – 'Der Tiger hat da darinnen sein Lager,' sagte er leise, als fürchtete er selbst die Schauer der Umgebung, 'eine Stunde vor Sonnenaufgang kehrt er von seinem Raub zurück. Ihr werdet am besten tun, Saib's, zwischen diesen Steintrümmern Euch zu verbergen und ihn zu belauern.' – Eine kurze Beratung zwischen uns Beiden liess uns denselben Entschluss fassen. – 'Und Du, Sudners,' denn zu dieser Klasse glaubten wir, dass der Führer gehöre, 'was willst Du tun?' fragte Staunton. – 'Ich bin ein Ausgestossener, Saib, ein Paria,' sagte der Mann. 'Bei den vier Köpfen dessen, den ich nicht nennen darf, mein Leben gehört Euch!' – Wir beschlossen, den Ort näher zu untersuchen und legten unsere Büchsen und Schiesstaschen, die uns am Klettern hinderten, auf die nächsten Quadern, sie unter der Obhut des Hindu's lassend, worauf wir aus unserm Jagdvorrat ein Windlicht anzündeten, über die Trümmer stiegen und in das Innere des Tempels eindrangen. Der Schein der Fackel scheuchte auf's Neue einige Fledermäuse auf, sonst jedoch schien das Gewölbe frei von allem Getier, was dafür sprach, dass hier das Lager des Königstigers sein musste. Wir erhielten im nächsten Augenblick auch die Gewissheit durch eine Menge von Knochen, die teils glatt und gebleicht, teils noch mit Fleischresten rings umher zerstreut lagen. In diesem Augenblick hörten wir aus einem Winkel ein Mianen und Winseln, und als wir den Schein unsers Lichtes dahin wandten, sahen wir etwas sich regen und bewegen, wie zwei kleine unbehilfliche Tiere. drei Schritte brachten uns nahe heranes war das Lager des Tigers und darin lagen zwei kaum vier Wochen alte junge Tigerkatzen!"

"Da waren Sie ja doppelt glücklich bei Ihrer Jagd," sagte der Fähnrich.

"Den Teufel auch! Wie ein Blitz fuhr der Gedanke durch unsere Seelen, dass wir nicht in dem Lager eines Tigers, sondern einer Tigerin uns befanden und daher wahrscheinlich z w e i furchtbare Feinde zu erwarten hatten. Staunton gab zuerst diesem Gefühl Worte." – "Das geht selbst über britische Nerven, Cavendish," sagte er. "Ich denke, wir nehmen die jungen Katzen hier als Beweis unsers Abenteuers, erreichen unsere Pferde und attakiren morgen bei Tage mit der ganzen Jagdgesellschaft dies Nest. Ein Tigerpaar für zwei Mann liegt ausser unserer Wette."

"Damit hatte er eine der Katzen am Hals gepackt und schnitt ihr die Kehle durch. Ich machte es mit der zweiten eben so und wir kletterten dann hastig über die Steintrümmer des Ausgangs zurück.

Der Hindu war verschwunden!

Im ersten Augenblick, da unsere Gewehre und Taschen auf den Steinen lagen, glaubten wir, er habe seinen Posten bloss zufällig verlassen und befinde sich in der Nähe, und wir riefen nach ihm, um ihm die drohende Gefahr und unsern Beschluss mitzuteilen. Unser Ruf weckte das Echo der Ruinen, ohne den Führer herbeizubringen. – 'Wo zum Teufel,' sagte Staunton, 'muss der Schurke stecken. Er kann unmöglich aus Furcht davongelaufen sein, denn seine Angabe, dass die Tiger erst mit dem Morgengrauen zurückehren, ist, wie ich aus Erfahrung weiss, richtig. Ich schlage dem Schuft das gelbe Fell zu Mus, dass er uns hier unnütz aufhält.' – Ein wildes Hohnlachen antwortete diesem Ausbruch