Opfer eine Schlange oder irgend ein ekelerregendes Insekt in den empfindlichsten teil des Körpers steckt und den Mann so lange martern lässt, bis er zahlt. Eine andere häufig angewendete Martermetode besteht darin, dass man den armen Hindu's Pfeffer in die Augen, in die Nase oder – in die Schaamteile bringt und ihnen die entsetzlichsten Schmerzen verursacht. Die Folterart, die wir neben dem Anundal hier angewendet sahen, war das abscheuliche Kitten."
"Bei sankt Patrik," sagte Fähnrich O'Mallei, "die Leute haben ja ein ganzes Wörterbuch von Kunstausdrücken. Bitte, worin besteht das Kitten?"
"Es ähnelt der früheren Tortur in Europa und besteht aus einer hölzernen Zange, in welcher die hände, Füsse und bei den Frauen auch die Brüste, Ohren und andere empfindliche Körperteile so lange gekneipt werden, bis der Gefolterte das Bewusstsein oder auch den Gebrauch des gemarterten Organs verloren hat. Oder die Henker knackten die Finger des Opfers, bis der Schmerz unerträglich wurde –"
"hören Sie auf, Kamerad," sagte der alte Artillerist mit Ekel, "und erzählen Sie lieber von Ihren eigenen Abenteuern."
Die Fortsetzung wurde jedoch durch den Anruf der Schildwache am Eingang der Redoute unterbrochen und dann hörte man die stimme des von der Ronde zurückkehrenden Lieutenant S t u a r t , die mit fröhlichem Ton nach dem kapitän rief.
Der Herankommende, ein Schotte von Geburt, war eine hohe schlanke Gestalt, etwa 30 Jahre alt, mit sonnverbranntem hübschem Gesicht. – "Der Teufel soll mich holen," sagte er lachend, indem er sich wie ein nasser Pudel schüttelte, dass von der Feuchtigkeit des Mantels die Flamme hoch aufspritzte, "wenn ich in diesem Augenblick nicht der willkommenste Lieutenant im ganzen Lager bin. Aufgeschaut, meine Herren – Lord Raglan sollte mich zum General-Proviantmeister machen, denn kein anderer als Ronald Stuart von Kinrose würde es in dieser verwünschten Nacht fertig gebracht haben, zwischen Schlamm und Regen Proviant für eine Generalstafel aufzufischen!"
"Was, zum Henker, meinst Du, Ronald, mein Junge?" fragte der kapitän, "und was sind das für ein Paar Schurken da hinter Dir? Hast Du Gefangene gemacht?"
"So wahr Pater O'Donnoghue den hübschen Dirnen lieber beichte hört als alten Weibern," mischte sich Mickei ungerufen in's Gespräch, "ich glaube, 'r Gnaden, das da ist der kosackische Jude, unser Rumlieferant, von dem ich 'r Gnaden gesagt habe."
Der Fremde wurde herbeigewinkt. Es war seiner Kleidung und seinem Aussehen nach ein tatarischer Bewohner der Gegend, wie er in einigen radebrechten englischen Worten erzählte, aus dem dorf Kadikoi. Er hatte einen Knaben, seinen Bruder, bei sich und beide trugen in Körben allerlei Mundvorrat, mit dem sie nach ihrer Angabe Handel trieben. Das Wetter hatte den Leuten offenbar hart zugesetzt, und Lieutenant Stuart erzählte, dass er beim Rückweg im Nebel auf sie in der Nähe der Redoute gestossen und aus ihrem Kauderwälsch vernommen hätte, dass sie dahin wollten.
Es war zwar sehr gewöhnlich, dass sich die tatarischen Einwohner im Lager umhertrieben, dennoch war kapitän Armstrong unzufrieden, dass sein Offizier die beiden Fremden in die Verschanzung geführt. Indess die gelegenheit, in diesem Wetter ungehoffte Erfrischungen erhalten zu können, überwog alle Bedenklichkeiten, und der kapitän gestattete, dass die Tataren einige Flaschen ziemlich guten einheimischen Branntweins unter Mickei's Vermittelung an die Soldaten verkauften, während die Offiziere noch eine Flasche Rum und ein Hammelviertel von ihnen erhandelten.
Der Irländer erhielt den Auftrag, alsbald so gut es die Umstände erlaubten, Fleischschnitten zu braten, und Fähnrich O'Maillei bereitete einen warmen Grogk.
"Und nun, Kamerad," sagte Lieutenant Lundgreen, "erzählen Sie uns Ihre geschichte zu Ende, ehe die Reihe der Nachtrunde Sie trifft."
"Ich habe bereits erwähnt," fuhr der Erzähler fort, "dass wir auf dem Wege zu den Elephanten- und Tigerjagden waren, die im inneren Bengalens um diese Zeit stattfanden. Eine eigene Scheu hatte mich abgehalten, Staunton von dem Wiedererscheinen des Braminen zu sagen, teils weil ich die unangenehme Erinnerung nicht wieder zur Sprache bringen wollte und uns Mannes genug wusste gegen alle Angriffe des alten Schwärmers, teils auch weil ich glaubte, ich könne mich in der person geirrt haben. Ueberdies fesselte die Aufregung der wechselnden Scenen und Umgebungen, in die wir jetzt gekommen, alles Interesse."
"Wir waren in der Nähe von Hyderabad und mit einer Gesellschaft Offiziere und Gentlemen von Madras zusammengetroffen, mit der wir vereint in die grosse Dschungelwüste eindrangen. Acht Tage hatten wir an ihren grenzen schon mit der Elephantenjagd zugebracht, ohne doch das gefürchtete wild Bengalens, den Königstiger, zu Gesicht zu bekommen. Mehrere Treiben, zu denen die Bauern der nächsten Dorfschaften aufgeboten worden, hatten in dem District, den wir betreten und der von einem Tiger verheert werden sollte, zu keinem Resultat geführt. Das Lager wurde nicht aufgespürt und wir bekamen selbst den schlauen Feind nicht einmal zu Gesicht, obschon fast an jedem Morgen neue Räubereien erzählt wurden, die er im Schatten der Nacht verübt. Wir hatten uns deshalb auf eine ziemliche Strecke hin verteilt und lagen Nacht um Nacht auf dem Anstand in Hütten von Bambusstäben, die man uns zwischen den Aesten der Bäume erbaut hatte. Es war eine ziemlich hohe Wette zwischen den Mitgliedern der Jagdgesellschaft geschlossen worden, wer den Tiger erlegen würde, und Staunton setzte eine besondere Ehre