'Mallei," sagte der kapitän, ehe sie wieder unter ihrem Zelt sich einrichteten, "gehen Sie gefälligst und wecken Sie Lieutenant L u n d g r e e n und fragen Sie ihn, ob er an unserer Schlemmerei teil nehmen will. Der arme Bursche hält hier seit fünf Tagen aus und wird selten genug was Warmes gehabt haben."
Gleich darauf gesellte sich der Artillerie-Offizier, der die zwei Geschütze, mit denen die Redoute armirt war, kommandirte, zu ihnen und Alle harrten des Kaffee's, den Mickei jetzt in dem Kessel über dem Feuer hatte. Der Regen begann aufzuhören, aber der dichte dampfende Nebel aus dem feuchten Boden verstärkte die Finsterniss.
"Es wundert mich, Kamerad," meinte der kapitän, "dass die vorgeschobene Schanze nur mit Ihren zwei Sechspfündern versehen ist, da sie doch eigentlich die Hauptposition an der Strasse bildet. Ohnehin scheint sie mir nicht besonders zweckmässig eingerichtet."
"Ein Kind kann das sehen," brummte der alte Ar
tillerie-Lieutenant, "und sie ist auch von Kindern und Narren angelegt. Erst auf dringendes Verlangen LachEvan's bequemte man sich dazu und was denken Sie, als ich hierher kam, wie die Coldstreams, welche die Wache hatten, die Schanze erbaut? Ich will verdammt sein, wenn so ein Muttersöhnchen aus einer Lordsfamilie, dem das Patent gekauft worden, ohne dass er einen rechten Winkel zu nehmen versteht, die Schiessscharten nicht mit der breiten Seite nach Innen eingeschnitten hatte!"3
Die Offiziere lachten. – "Wissen Sie nicht, wie die
ser moderne Vauban hiess?"
"Lieutenant Elliot, ich glaube ein Vetter oder Neffe
des Herzogs von Norfolk!"
"Das kommt von dem System unserer Militairver
waltung. Wär' die Nation und jeder Einzelne nicht an und für sich so brav, die schmachvolle Einrichtung müsste uns längst zur schlechtesten Armee Europa's degradirt haben! – Ich meine das im Allgemeinen," fuhr der kapitän zu seinem ersten Lieutenant gewendet fort, der die Wendung des Gesprächs mit offenbarer Verlegenheit angehört hatte. "Was können Sie für die Einrichtungen Ihres Vaterlandes, und überdies haben wir bis auf den braven Stuart, der es am Cap unter mir erwarb, Alle unsere ersten Patente bezahlen müssen!"
"Wenn ich nicht irre, Kamerad," sagte der Artillerist zu Lieutenant Cavendish, "sind Sie erst vor Kurzem zu unserer Armee gestossen?"
"Ich diente in Indien."
"Ost oder West?"
"In Bombay, Herr Kamerad! Doch befand ich mich nur zwei Jahr im Regiment."
"So konnten Sie das Klima nicht ertragen?"
"O," sagte der Lieutenant, "daran hatte ich mich bereits so ziemlich gewöhnt. Es ist gerade nicht ganz schlecht leben in Indien für uns Engländer."
"hören Sie, Cavendish," sagte der kapitän, "Sie sind kein übler Bursche, wenn Ihnen auch mitunter noch die Manieren des Hofdienstes etwas ankleben. Wir haben Sie nie gefragt darum, wie es kam, dass Sie Indien verliessen und das Patent in unserm Regiment eintauschten, wodurch Stuart um die erste Aussicht auf die Compagnie gekommen ist. Ich sollte meinen, Sie hätten warten können, bis sich eine gelegenheit bei der Garde bot. Kommen Sie, wir sind unter uns, erzählen Sie uns die Gründe, wenn es angeht, und ich glaube, Ihr Vertrauen wird gerade Ihre Stellung bei uns nicht verschlechtern."
Der junge Offizier zögerte einige Augenblicke, dann sagte er: "Wenn Sie es wünschen, bin ich bereit, obschon das geständnis Ihnen keine besondere Meinung von mir beibringen wird. – Ich – ich fürchtete mich in Indien!"
"Was zum Henker! – ich hoffe, doch nur vor der Cholera oder den Klapperschlangen? Das ist erlaubt."
"Nein, Sir – ich fürchtete mich – vor einem Braminen."
"Das ist seltsam. Ich habe Sie bei dem Angriff auf Kamiesch tapfer im Feuer stehen sehen und kann daher nicht glauben, dass es Ihnen an Mut fehlt. Es müssen also ungewöhnliche Ursachen im Spiel sein. Sie machen mich neugierig, bitte, wickeln Sie uns Ihr Gespinnst ab, wie unsere Freunde auf den Schiffen zu sagen pflegen; bei dem Becher Kaffee, den Mickei eben bringt, wird es uns die Wache verkürzen helfen."
Der Irländer reichte die blechernen Trinkschaalen mit dem Kaffee umher, in den die Offiziere zu seinem Aerger den Rum schütteten.
"Sie wissen," erzählte Cavendish, "dass der Herzog von Norfolk mein Oheim ist und ich Page am hof war. Teils um mich für einige sogenannte schlechte Streiche zu bestrafen, teils damit ich dem Lord, meinem Bruder, und meinen werten Verwandten nicht zu sehr auf der tasche liegen, sondern eine möglichst rasche Carriere im Diesseits oder Jenseits machen möge, gab man mir vor zwei Jahren ein Lieutenantspatent bei unserer Armee am Ganges – der Teufel hole sein Gedächtniss!"
"Sie dienten Alle, so viel ich weiss, nie in Ostindien," fuhr er fort, die Asche von seiner Cigarre klopfend, "es ist ein seltsames Land und namentlich die malabarische Küste, die noch lange nicht so europäisirt ist, wie Calcutta. Ich stand mit meiner Compagnie in der Nähe von Bombay in einem der kleinen Hafenorte, und da ich ein Neuling war, interessirten mich tausend Dinge, an denen meine Kameraden, die länger im land waren, gleichgültig vorüber