ihrer Kameraden vorüber war, suchte Master Hunter ihre Lage zu überschauen. Die Stellung des Vordercastells gewährte einigen Schutz gegen den Andrang der Wogen und jenseits der Felsen in der Bucht zeigte sich verhältnissmässig ruhiges wasser. Sie waren ungefähr 80 bis 100 Faden vom land entfernt und konnten deutlich um das dort brennende Feuer Gestalten von Menschen sich bewegen sehen. –
Jetzt zeigte sich, wie glücklich und zweckmässig der Befehl kapitän Warburne's gewesen war, die Böte durch lange Taue an dem Stumpf des Fockmastes zu befestigen. Die Lantsche war zwar bei dem Anprall und dem Bruch des Schiffes fortgerissen und auf einem Felsen zerschmettert worden, zu seiner Freude aber erblickte der Lieutenant den zweiten Kutter an seinem Tau glücklich innerhalb der Bucht schwimmen. Dieselbe Woge, die das andere Boot vernichtet, hatte das leichtere glücklich über die Felsen hinweggeschleudert.
Frank sass bei seinem Bruder und unterstützte diesen; die anderen Passagiere, dicht zusammengedrängt, hielten sich an die Taue, die mehrere der Matrosen an den Kovein-Nägeln und anderen Teilen des Vordercastells festgebunden, nur dem Arzt war es nicht gelungen, eine genügend ihn sichernde Stelle zu erreichen, er sass auf dem äussern Ende eines der abgebrochenen Balken und hielt sich dort mit Mühe fest. Ihm zunächst kauerte Gosset, der Midshipman, unter dem Bollwerk gesichert und überdies an einer langen Bugleine sich festaltend. Der selbstsüchtige charakter des Menschen zeigt sich nie schroffer, als gerade in Augenblicken gemeinsamer Gefahr, wenn die Bande der Ordnung gelöst sind und Jeder nur an sich selbst denkt. Der Schiffbrüchige, der mit einer Spanne Platz, mit einem Ausstrecken seines Armes seinen Kameraden retten könnte, weigert sich, das geringste Opfer zu bringen, weil es ihn selbst vielleicht gefährden könnte!
Jede neue anstürmende Welle drohte den Arzt von seinem Balken hinwegzuschwemmen und nur mit der Kraft der Verzweiflung, die für das Leben ringt, klammerte er sich noch an. Seine Geberden, sein Ruf baten den Midshipman, ihm zu helfen, was dieser leicht von seinem sichern Standpunkt durch Zuwerfung des Taues hätte tun können. Aber der junge Taugenichts dachte an Alles eher, als das Geringste von seinen Vorteilen aufzuopfern, zumal er den Arzt für einen Franzosen hielt.
Lieutenant Hunter hatte eben den auf dem Wrack befindlichen Matrosen durch Zeichen und Worte den Befehl erteilt, vorsichtig das Tau einzuholen, an welchem das Boot trieb, als eine Welle, stärker als die andern, den Bord überspülte und im Zurückprallen den Arzt mit in die Tiefe riss. Ein durchdringender gellender Schrei erschütterte die Herzen, dann sahen die Erstaunten eine helle in weisse Gewänder gehüllte Gestalt auf den Planken entlang fliegen, dem Midshipman die Leine entreissen und sich in die Brandung stürzen. Zugleich sprangen der Mohr und Frank Maubridge nach der Stelle, wo der Deutsche verschwunden war, und Gosset, von Beiden zur Seite gestossen, erhielt für sein Schelten einen derben Fusstritt. über das Bollwerk gebeugt, schauten der Mohr und der Knabe mit Angst in die schäumende Flut. Ein Freudenruf erhob sich aus Beider Brust, als ein weisses Gewand emportauchte, eine Gestalt, die in ihren Armen festumschlossen eine zweite hielt, und der junge Seeoffizier Griff um Griff die Leine einholte, die sie aus der Nacht des Todes zum Leben zurückführte, während Jussuf, der Mohr, sich weit über das Bollwerk lehnte, die Schwester und ihren frühern Gebieter vor dem zerschmetternden Anprall zu bewahren. ––––––––––––––––––––––––––––
Es mochten zwei Stunden seit der Abreise des Fürsten verflossen sein, als Sergei Popotoff, der Kastellan im neuen Schloss, erschien, um Namens seiner Gebieterin die französische Dame einzuladen, den Abend bei ihr zuzubringen, wenn sie das Unwetter nicht scheue, um den Weg zu wagen. Es lag dem Obersten zu viel daran, jede Chance der Annäherung an die Fürstin festzuhalten, als dass er Celesten nicht sofort hätte senden sollen. Die Frauen sassen in dem Erkergemach am Kamin, während der tobende Sturm die kolossalen Grundmauern des Schlosses zu erschüttern schien, und die Französin fühlte sich bald beruhigt und erging sich in dem lebhaften Geplauder ihrer Nation, da auch nicht die leiseste Anspielung der jungen Fürstin darauf deutete, dass ihr ihre früheren Verhältnisse bekannt seien.
"Mein Bruder," sagte Iwanowna auf eine Bemerkung der Französin, "ist der Strapazen der Witterung gewöhnt und die hohen Felsenwände des Ufers brechen die Wut des Orkans, so dass der an ihrem Fuss hin führende Landweg nach Alushta verhältnissmässig sicher ist. Nur wen der Sturm auf dem Meere getroffen, schwebt in grosser Gefahr, denn diese See, so lieblich und ruhig im Sonnenschein, ist furchtbar und tückisch in ihrer Empörung, und wir werden sicher nach dem Sturme von vielen Unglücksfällen hören."
"Es war am Nachmittag ein Schiff zu sehen am rand des Horizonts."
"Ich sah es gleichfalls, als ich meinen Bruder geleitete, doch scheint es glücklich davon geseegelt und das freie Meer gewonnen zu haben. Diese Küste wäre sein Verderben."
"Graf Wassilkowitsch zweifelt daran, er meinte, dass es dem Ufer näher gekommen und glaubte, noch vor einer halben Stunde seine Signallaterne auf der See erkannt zu haben."
"Mein Gott, dann müssten die Unglücklichen in der höchsten Gefahr schweben und bedürften eines Zeichens, sie vor der Annäherung an diese Felsen zu warnen." – Sie schlug an eine Glocke und sandte die eintretende Dienerin, den Kastellan zu holen.
"Ich möchte wissen, welcher Nation das Schiff gehört – man hat die Flagge in der weiten Entfernung nicht erkannt," meinte die Französin ängstlich.
"