Es fehlte am Nötigsten für die Ueberwinterung der englischen Armee und man war notorisch in Besitz von höchstens einem für 10 und 15 Mann berechneten Zelte auf 100 Köpfe.
In der Baracke lagen drei Offiziere in ihre Mäntel oder englische Reisedecken gehüllt, der Eine sogar in einen prächtigen persischen Teppich, der die Zierde eines fashionablen Salons gewesen wäre, und jetzt hier in Schmuz und Regen umher gewälzt wurde. Die Offiziere sahen sehr missmütig aus und das einzige, woran sie sich trösten konnten, waren die türkischen Papiercigarren, denn durch die Vorsorge der englischen Proviant-Commissaire fehlte es an nichts weniger, als an Allem!
"He, Mickei!" rief der kapitän A r m s t r o n g , indem er sich halb auf den Armen emporrichtete und nach dem Feuer hin schnüffelte, "es riecht verteufelt gut, ich glaube, Du brennst Kaffee, Schurke, und lässt Deinen Herrn hier ohne Gewissensbisse verschmachten!"
Der Angeredete, ein rotaariger Irländer, dem selbst die Beschwerden des Wetters und Mangels die angeborene Laune nicht zu verderben vermocht hatten, warf beide arme in die Luft. "O, Du grundgütige Mutter aller Schmerzen, was sind Seine Gnaden ungerecht gegen den armen Mick! Hab' ich darum diese gesegnete sechspfündige russische Kanonenkugel ganze zwei Meilen weit unter diesem meinem arme mitgeschleppt, um nun beschuldigt zu werden, ich tränke den schlechten Kaffee, den der Commissair geliefert, und liesse meinen Herrn verdurften? Nein, mein süsses Augenlicht, Mick macht Kaffee für seinen Herrn und dessen Freunde und begnügt sich mit einem Tropfen Whiskei."
Die Offiziere sprangen wie von einer Feder geschnellt in die Höhe und kapitän Armstrong vor die Baracke, wo er eben noch zeitig genug ankam, um seinen würdigen Diener eine ziemlich umfangreiche Lederflasche nach einem tüchtigen Zug absetzen zu sehen. Der kapitän war mit einem Schritt seiner langen Beine bei ihm und hatte die Flasche dem Verduzten aus der Hand gerissen, dem die Unvorsichtigkeit, die er begangen, klar wurde. – "Höllenhund! Du hast ein Getränk, das besser ist als wasser, und sagst mir Nichts davon?"
"Ach, Euer Gnaden," winselte Mickei "ein so vornehmen Gentleman wird einen armen Kerl, wie ich bin, nicht der kleinen Erfrischung berauben wollen. Bei meines Vaters Seele, die Pater O'Donnoghue, der Schurke, noch immer im Fegefeuer brennen lässt, weil ich ihm keine Messen mehr bezahlen wollte, – ich habe mich nur versprochen, es ist schlechter türkischer Branntwein, den die vermaledeiten Schurken von Kameelmist brennen sollen! – Mögen sie dafür ewig schmoren, wo das höllische Feuer am schärfsten brennt!"
Der kapitän hatte jedoch, ungeschreckt von diesem wenig empfehlenden Patenbriefe, die Flasche an den Mund gesetzt und, einen tüchtigen Schluck getan. – "Den Teufel auf Deine lügnerische Zunge, Schuft," sagte er, indem er die Flasche an Lieutenant C a v e n d i s h , einen etwas gelb aussehenden, schmächtigen Offizier, weitergab – "es ist guter Rum!"
"Gott verdamm' meine Augen," rief der Fähnrich O ' M a l l e y , ein Landsmann des armen Mick, der mit trübseligen Blicken den Inhalt seiner Flasche sich vermindern sah, "der Kerl muss den Lord Ober-Commissair zum Freunde haben, oder eine ganz besondere Quelle. Woher hast Du den Rum, Mick, mein Jüngelchen?"
"Ich hab' ihn gekauft, Euer Gnaden," jammerte der Bursche, "ehrlich bezahlt, oder ich will in meinem Leben nicht wieder Betty Flanagans runde Waden ansehen, wenn sie den Rasen von Mulingapatna im Zweitritt stampft. Ein Tatar, wie sie die Juden hier zu land nennen, hat mir die Flasche für baare zehn Schilling und sechs Pence verkauft."
"Das ist billig genug in Betracht der Umstände," sagte der kapitän, "und Du sollst um Dein Geld nicht kommen. Hier hast Du Deine zehn Schillinge und dafür überlässt Du uns die Flasche, von der Du bereits Deinen redlichen Anteil geschluckt haben wirst. Sollte der Jude oder Tatar sich wieder blicken lassen, so will ich Dir wohlmeinend raten, ihn festzuhalten und zu mir zu bringen, damit sein Vorrat nicht in andere hände fällt. Solche Lieferanten muss man sich zu Freunden halten."
"Wenn Euer Gnaden Nichts dawider haben," schmunzelte der Ire, "ich habe ihm wohl so einen kleinen Wink gegeben, dass wir seiner bedürfen, aber dem vermaledeiten Juden ist das Wetter zu schlecht gewesen."
"Er würde auch nicht durch die Posten kommen und mein Befehl galt bloss für das Lager. Jetzt mach' uns den Kaffee, mit dem Zusatz von Rum wird das schlechte Zeug gut tun und Lieutenant Stuart muss gleich von der Ronde zurückkehren."
"Schickt das Commissariat denn noch immer den fatalen grünen Kaffee?" lispelte Lieutenant Cavendish.
"Möchten die Halunken daran ersticken," schimpfte der kapitän. "Was denken sie in Alt-England, dass wir nichts Anderes zu tun hätten, als Kaffee zu brennen!"
In der Tat war der Unwille in der ganzen britischen Armee neben den hundert andern Ursachen auch darüber allgemein, dass als Proviant der schlechteste grüne Kaffee geliefert wurde. Die Soldaten hatten endlich die Erfindung gemacht, ihn in ihren Feldkesseln zu rösten und in Ermangelung von Kaffeemühlen mit Kanonenkugeln auf Steinen zu zermalmen, so dass die russischen Kugeln zu diesem Zweck sogar ein gesuchter Artikel waren.
"O