und am 19. waren auch die französischen Batterieen so weit wieder hergestellt, um das ihre beginnen zu können. Die Beschiessung wurde fortgesetzt, ohne dass der eine oder der andere teil wesentliche Nachteile davon hatte. Die Russen, die durch das Bombardement täglich etwa 300 Mann verloren, besserten über Nacht regelmässig ihre Schäden wieder aus, ersetzten die zerstörten Mauern durch zweckmässige Erdwerke und errichteten neue unter der rastlostätigen Leitung der Ingenieur-arbeiten durch Totleben, der nach dem ersten Bombardement zum Obersten ernannt worden. Die Linie der Befestigungswerke war zur besseren Oberleitung der Verteidigung in vier Abteilungen geteilt, welche zu dieser Zeit der General-Major Asnalowitsch, Vice-Admiral Novossilski, Contre-Admiral Panfilof und Contre-Admiral Istomin befehligten. General-Lieutenant Kirjakof kommandirte die Reserven, Kommandant der gesamten Truppen, die aus 57 Bataillonen bestanden, war der General-Lieutenant Moller, Hafen-Gouverneur der Vice-Admiral Staujukowitsch, Kommandant der 13 See-Equipagen der Vice-Admiral Nachimof.
Die englischen Batterieen warfen zahlreiche Raketen in die Stadt, doch ohne viel Erfolg; dagegen litten die Verteidiger durch das Büchsenfeuer der Zuaven und Jäger von Vincennes bedeutend. Die Franzosen waren bis zum 25. mit ihren Trancheen bis auf 750 Schritt an die Festung herangekommen und die Besatzung unternahm seit dem 20. allnächtlich kleine Ausfälle gegen sie oft mit bestem Erfolg.
Die Operationsarmee der Russen war nach der Almaschlacht, wie bereits erwähnt, zu schwach, um etwas Entscheidendes gegen die Belagerungsarbeiten der Verbündeten unternehmen zu können. Der Fürst, der seitdem nur durch 12 Schwadronen Reiter unter General-Lieutenant Rischof und einige Bataillone aus Kertsch und Feodosia verstärkt worden, musste die Ankunft des 4. Infanterie-Corps abwarten, das in Eilmärschen aus Bessarabien nach der Krim beordert war. Leider für den Erfolg der Russen vermochte er seine Ungeduld nicht zu zügeln und beschloss, als am 22. in der Nähe von Ssewastopol die 12. InfanterieDivision des General-Lieutenants Liprandi eingetroffen war, ohne die übrigen Abteilungen des Corps abzuwarten, die Operationsbasis der Verbündeten anzugreifen und sie von Balaclawa abzuschneiden.
Das Centrum der Russen befand sich in dem dorf Tschorgun auf dem rechten Ufer der Tschernaja. Zwei Wege führten von hier nach Balaclawa, der eine rechts durch das stark verschanzte Dorf Kadikoi, im Tal zwischen dem Sapunberg und den Bergen südöstlich von Balaclawa gelegen, und der linke näher den letzten Bergen. Beide liefen quer über die grosse Woronzoff-Strasse, welche sich von Sebastopol nach der Yalta zieht. In dem Tal um Balaclawa und Kadikoi standen die englischen Truppen, durch eine doppelte Reihe von Redouten und Verschanzungen gedeckt, deren vorderste an der Woronzoff-Strasse von den Türken besetzt war. Hinter Kadikoi lag die englische Kavallerie. Jenseits des Sapunberges standen auf den Höhen desselben in gesicherter Stellung als Observations-Corps gegen die an der Rhede sich hinwindende, von Sebastopol zunächst nach Inkermann führende Strasse die beiden französischen Divisionen des Generals Bosquet.
Die Leitung des Angriffs am 25. October war dem General Liprandi übertragen. 17 Bataillone, 22 Schwadronen mit 10 Sotnien Kosacken und 52 Geschütze sollten denselben von drei Richtungen unternehmen. Der Fürst liess ausserdem, um die rechte Flanke des Angriffs zu decken, eine Brigade mit 10 Geschützen unter General-Major Schabokritski in der Nacht die Tschernaja überschreiten und sich gegen den Sapunberg aufstellen. Die Dispositionen waren, nach dem Urteil aller Militairs, vortrefflich, aber das zur Ausführung kommandirte Corps zu schwach, um einen dauernden Erfolg zu sichern. General-Lieutenant Rischof führte von der Traktirbrücke1 her die rechte Colonne, General-Major Semiakin die mittlere direkt auf Kadikoi los, General-Major Gribbe die linke gegen Kamari zur Umgehung der feindlichen Stellung. Schon bei Tagesanbruch waren die russischen Colonnen auf dem Marsch, um 6 Uhr gelangte das mittlere Corps an die ersten Redouten, eröffnete das Feuer und nahm sie im Sturm. Die Türken verliessen sie zum teil in wilder Flucht und um 71/2 Uhr wehte die russische Fahne auf allen vier Schanzen. Die Geschütze wurden vernagelt oder unbrauchbar gemacht, die Vorräte zerstört und die russische Artillerie begann von dieser Position aus die bei Kadikoi und Balaclawa aufgestellten englischen Truppen und das Lager zu beschiessen. Die linke russische Colonne hatte sich gleichfalls glücklich des Dorfes Kamari bemächtigt.
General-Major Colin-Campbell eilte mit dem 93.
schottischen Regiment zur Unterstützung der Türken herbei, die Kavallerie der Engländer unter Lucan schloss sich ihm an und die flüchtigen Türken sammelten sich unter ihrem Schutz. Um 8 Uhr erschienen Lord Raglan und Canrobert auf dem Schlachtfelde und beorderten eilig von Balaclawa her starke Reserven, um die verlorene Stellung wieder zu gewinnen.
Die vierte englische Division Catcart und die erste
Garde-Brigade des Herzogs von Cambridge rückte gegen die Woronzoff-Strasse vor. Zugleich liess Bosquet einen teil der 1. Division und einige Schwadronen reitender afrikanischer Jäger in das Tal vorgehen.
General Liprandi erteilte jetzt dem General-Lieu
tenant Rischof den Befehl zum Kavallerie-Angriff und die Husaren-Brigade mit den uralskischen Kosacken und zwei reitenden Batterieen stürzten sich im Galopp auf die Hochländer Campbell's und die Dragoner des General Scarlett, die Wagenburg, welche die Schotten vor ihrer Stellung aufgefahren, attakirend. Aber festen Fusses – Schulter gegen Schulter, wie das berühmte Kommando der Hochländer sagt, – empfing sie die Infanterie und eine Batterie der Brigade Scarlett begrüsste die kecken Steppenreiter mit ihren Kartätschenladungen. Die russische Kavallerie wurde geworfen und hinter ihr drein donnerten die schweren Dragoner der Briten, bis an die eroberten Redouten. Hier jedoch wandte sich das