ohne Einfluss, durch seine Tätigkeit in allen Kreisen bekannt, durch das schlaue Geschäft seiner Adoption von einem alten Bummler adligen Namens für die gute Gesellschaft möglich gemacht – ist er zwar augenblicklich von Schulden und Wechseln gedrückt, aber für unsere Absicht vortrefflich geeignet, und ich zweifle keinen Augenblick daran, dass er sich bald glänzend in die Höhe bringen wird, um so mehr, als er eben mit einem der ersten deutschen Speculanten zur Benutzung der Presse in Verbindung getreten ist. kennen Sie das Börsentreiben?"
"Ich habe noch nie einen Fuss dahin gesetzt."
"So ist er gerade der Mann, um Sie in die Geheimnisse dieser Coulissen einzuweihen. Ich bitte, lassen Sie ihn kommen."
Er nahm einige Papiere aus der tasche, während der Kammerdiener des Grafen durch die Haupttür einen Fremden in den Salon entführte. Es war ein junger hübscher Mann mit blondem Haar und Bart, bemüht, aristokratische Manieren zu zeigen, dem jedoch seine grosse Beweglichkeit entgegen war. Die Augen waren klein, blinzelnd und gutmütig.
Der Abbé – oder vielmehr Banquier Tomas – stellte den Fremden vor und nötigte ihn zum Sitzen.
"Graf Pisani," sagte er, "ist vollkommen eingeweiht in das Geschäft und wird uns bei unserer heutigen Operation unterstützen. Die Zeit drängt und so bitte ich sogleich um Ihren Bericht. Welchen Eindruck haben die gestrigen Abend-Nachrichten von Wien gemacht?"
"Das telegraphische Correspondenz-Bureau hat sie noch am Abend verbreitet. Die heutigen Morgenblätter und die Abendzeitungen durch Extrablätter melden zwar nur unbestimmt: 'Westmächte im Besitz eines Forts von Sebastopol; Russen 15,000 Mann verloren; Fürst Menschikoff sechs Stunden Bedenkzeit erhalten.' Heute Morgen ist aber bereits von Paris eine telegraphische Bestätigung eingetroffen und man erwartet heute bei Beginn der Börse die ausführliche Nachricht."
"Und die Course?"
"Sie gingen in der gestrigen Abendversammlung der kaufmännischen Ressource rapid in die Höhe, und werden offenbar heute um drei bis vier Procent steigen."
"Sie haben russische und Schatzobligationen in verschiedenen kleinen Posten angeboten?"
"Ich habe nach Ihrer Bestimmung verfahren, aber Niemand will sie, selbst zu 72 nicht."
Der Abbé rieb sich vergnügt die hände. – "Es war vorauszusehen. Lassen Sie uns überblicken, wie unsere Geschäfte stehen."
Der Berliner Courtier öffnete das Portefeuille, das er in der Hand hielt, und nahm eine Note heraus.
"Recapituliren wir. Auf Grund der Creditive von Eskeles und Sina kaufte ich an der Sonntags-Börse bei unsern drei ersten Bankhäusern 115,000 Gulden Metalliques zu 723/4."
"Richtig, sie standen gestern bereits 751/4 und werden heute noch mehr in die Höhe gehen."
"Ich hoffe es, indess ist das schon ein Gewinn von 2775 Gulden. Ferner 300,000 Gulden Nordbahn zu 173."
"In diesem Augenblick 1791/2."
"Oberschlesische 180,000 Tlr. zu 921/2, 120,000 Gulden Neueste Anleihe zu 961/4 und 200,000 Tlr. Cosel-Oderberger zu 1631/4. Sie stehen bereits 205."
"Der Schlag ist bedeutend. Die Käufe betrage nach meiner Berechnung also 1,060,000 Tlr."
"Und der Gewinn in diesem Augenblick über 90,000."
"Nun merken Sie wohl auf, lieber Freund, was ich Ihnen sage. Die Course werden heute und morgen noch rapid steigen und die Nachfrage wild sehr bedeutend sein. Glauben Sie, dass Sie heute sämtliche Papiere, über die wir disponiren, zum heutigen Cours für den 15. verkaufen können."
"Unbezweifelt – wenn wir so töricht sein wollten."
"Ueberlassen Sie das mir; ich habe meine Gründe dazu, und Sie sollen an Ihrer Courtage nicht zu kurz kommen. Doch wird es gut sein, wenn Sie mit dem Verkauf mehrere Agenten beauftragen, denn so bedeutende Summen aus einer Hand würden die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und leicht die Hausse stören. Ich werde auf der Börse zugegen sein, um nötigen Falls Ihnen meine Bestimmungen geben zu können. Im Uebrigen aber wird es zweckmässig sein, wenn Sie viel mit dem Herrn Grafen hier und seinem Begleiter verkehren, so bald diese an der Börse erscheinen, und geschickt das Gerücht verbreiten, dass von diesen bedeutende Aufkäufe gemacht würden."
Der Agent verbeugte sich schlau lächelnd.
"Ich verstehe und werde nicht verfehlen, dies zu tun. Doch erlauben Sie mir, auf einen Umstand Sie aufmerksam zu machen, da es mir scheint, dass Sie neue telegraphische Nachrichten erhalten haben. Man argwöhnt an der Börse seit einiger Zeit, dass viele der eingehenden Depeschen auf irgend eine noch unerklärte Weise verraten werden. Einer unserer Börsenmatadore scheint die Course und Aufträge von ausserhalb förmlich zu riechen und überflügelt alle mit seinen Combinationen – oder seinen Nachrichten. Es wäre fatal, wenn er uns in die Quere käme."
Herr Tomas lächelte. – "Beruhigen Sie sich auch hierüber, auch der Herr wird kaufen."
Der Courtier empfahl sich. – – – – – – – – –
Der Neubau einer Berliner Börse gehört zu den Seeschlangen ohne Ende, die fortwährend auftauchen und niemals erlegt werden. Zwischen der Dampfmaschine der grossen Fontaine und den Ruinen des neuen Doms, für dessen Camposanto-Entwürfe Cornelius die bescheidene Forderung von hunderttausend Talern macht, liegt oder lag die Villeggiatura des Berliner Handelsstandes und seit drei oder vier Jahren des Berliner Geld- und Creditschwindels. Ein wenn auch nicht unstattliches, doch sehr beengtes Gebäude mit einem von