1855_Goedsche_156_60.txt

schwer auf der Seele," sagte er mit Anstrengung, "und lässt mich bangen vor dem grossen Admiral dort obendas griechische Weib, das ich Euch verbergen half am Golf zu Smyrna. Ich kannte Euch als Knaben, Sir Edwarderleichtert meine Sterbestunde durch das Versprechen, gut zu machen an ihr, was Ihr verbrochen habt. Sucht die Lady auf, Ihr wisst, dass sie Euer rechtmässig Weib istich war Zeuge davon, und der wackere Bursche, ihr Bruder, den der zweite Lieutenant in der Fanariotenstadt erschlug, als Ihr mit einer türkischen Metze davon lieft, hatte ein Recht, Euch zur Rechenschaft zu ziehen."

Das bleiche, kranke Gesicht des Baronets verzog sich zu wildem Hass. "Diona ist längst tot und ruht auf dem Kirchhofe von Sebastopol. Der Grieche aber, den Du erschlagen wähnst, lebt und seinem Dolche verdank' ich's, dass diese Brust den Keim des Todes in sich trägt!"

Es war das erste Mal, dass der Baronet gegen seine englischen Freunde Diona's Tod und seines Mörders erwähnte, über dessen person er bis jetzt hartnäckig geschwiegen.

Der Alte seufzte schwer auf. "Ich sagte es Euch wohl, es kommt nichts Gutes von den Unterröcken. Vergebt dem mann, wie der Herr dort oben Euch vergeben möge, und hütet Master Frank vor dem Weibervolk. Es ist der Letzte Eures Stammes und ein wackerer Junge bis auf die schlimme Klippe."

"Licht vor uns!" unterbrach der schallende Ruf vom Vorderkastell die verschiedenen Scenen und fesselte alle Augen auf den Horizont. Hoch über demselben, gleich wie mitten aus den schwarzen Wolken heraus flammte ein Licht, erst klein und schwach, aber rasch sich zur grossen, lodernden Flamme ausbreitend, die vom Sturm emporgewirbelt wurde.

"Es muss ein Leuchtturm in der Nähe sein, Sir!" meinte der Schiffer.

"Es ist viel eher ein Leuchtfeuer oder Signal auf der Küste," entgegnete der kapitän, "das uns zeigt, wie nahe wir derselben sind. Das grosse Seegel, Hunter, es ist die einzige Aussicht, uns abzuarbeiten. An die Geitauen und Bauchgardingen, Jungensteigt auf die grossen Schooten! – lasst die Stockgardingen los, Bursche! – Eingeholt! es gilt Euer Leben!"

Das grosse Seegel bauschte im Sturm.

"Brandung am Wetterbug!" Der Ruf erschütterte wie ein electrischer Strom die Menge.

"Halfen Sie das Schiff, Master Price," sagte der kapitän zu dem Schiffer, "ich hoffe, wir haben noch Raum dazu." – Seine Kaltblütigkeit verliess ihn in dieser furchtbaren Gefahr keinen Augenblick.

Der Schiffer befahl den Leuten am Steuer den Versuch, während der erste Lieutenant die Richtung des grossen Seegels dirigirte. Trotz der Havarie am Steuer gelang es, die Fregatte abfallen zu lassen, und sie ging weiter vor, als sie plötzlich einen erschütternden Ruck erhieltsie war auf einen Felsen unter dem wasser gestossen.

Ein durchdringendes gellendes Geschrei erscholl durch das ganze Schiff und dann drängten Mannschaft und Passageire nach hinten, gleich als wollten sie bei dem kapitän und den Offizieren Schutz suchen. Eine anstürmende riesige Welle fasste die Fregatte am Spiegel und man fühlte, wie sie wieder in's wasser gehoben wurde.

"Sie ist flott, Sir!"

Durch das Gewühl stürzte der Zimmermann nach hinten. Sein Gesicht war bleich, Todesschreck in dem Auge des bewährten Seemannes. "Das Schiff ist leck, Sir, es füllt sich rasch mit wasserwir können kaum noch zehn Minuten es flott erhalten!"

Die furchtbaren Worte waren trotz des Sturmes fast von Allen gehört worden und ihre wirkung zeigte sich augenblicklich in dem Aufhören jeder Ordnung und Disciplin.

Das Geschrei: "Das Schiff geht unter!" übertönte das Brüllen des Orkans. Während Jeder seinen bisherigen Haltpunkt verliess und verzweifelnd umher rannte, rissen die überschlagenden Wellen Leben auf Leben hinunter in den dunklen Abgrund.

Eine feste Männerhand fasste den Arm des Capitains in diesem furchtbaren Augenblick. Umblickend sah er in das bleiche, aber entschlossene Gesicht des französischen Colonels. "Dort ist ein zweites Feuer, Herr," sagte der Offizier. "Vielleicht kann es uns nützen!"

"Sie haben Recht, Sires ist noch eine Hoffnung, wenigstens für Sie! Eilen Sie Alle in's Vorderschiff und suchen Sie sich dort so gut als möglich festzuhaltenverlassen Sie es um keinen Preis, denn Boote sind in diesem Wogendrang unnütz. – Fort, fort, Alle, die nicht hier ihren Posten haben!" – Er ergriff das Sprachrohr. "Ruhe auf dem Deck! Jeder Mann auf seinen Posten! Fort da aus den Booten!"

Eine Anzahl Matrosen hatte sich der Boote zu bemächtigen gesucht und war beschäftigt, sie zu lösen. Der kalte Mut des Capitains brachte sie zum Gehorsam und sie verliessen die Boote bis auf einen langen Schottländer, der ruhig fortfuhr, die Krabber los zu machen.

"heraus aus dem Boot!"

"Gott verdamm' mich, wenn ich's tu'! Jetzt ist Jeder hier Herr!"

Die Worte wurden von dem kapitän nicht gehört, aber die Geberden bezeichneten zur Genüge ihren trotzigen Sinn. Sie waren kaum ausgesprochen, als Warburne stumm und energisch dem ersten Lieutenant, der in der Nähe des Bootes stand, mit dem Finger nach dem Ungehorsamen deutete. Eine Handspeiche wirbelte durch die Luft und fiel mit schwerem Schlag auf den Schädel des Mannes. Der Unglückliche