. Er hat die mit Omer Pascha angeknüpften Verhandlungen über dessen Einrücken in Croatien verraten, soweit er davon Kenntniss hatte, und dieser Entdeckung ist die augenblickliche Stellung des Wiener Kabinets gegen die Pforte zuzuschreiben. Man will den Divan um jeden Preis zur Vertreibung der Flüchtigen drängen. Die Finanzverlegenheit jedoch wächst immer ärger und man sucht nach neuen Hilfsmitteln. – In Berlin tritt die Spaltung der Conservativen immer mehr hervor und man arbeitet unsern Absichten in der kommenden Verwicklung damit in die Hand. Die Polizei hat eine Verbindung aufgehoben, deren unreife Organisation ein Kind der eingeborenen Demokratie war. Die Beteiligten wurden von den Wissenden des Bundes zum teil bei der Flucht Kinkels benutzt, können aber die höheren Interessen in keiner Weise compromittiren. Es ist hier vorläufig Nichts zu machen, als die Zerwürfnisse mit Oesterreich möglichst zu erneuern und die Sympatieen des Heeres für den bevorstehenden Krieg von Russland abzulenken. Dem russischen Gesandten liegt ein Memoir vor über die Influirung der Tagespresse – unsere Gegenanstalten sind getroffen. Die Sammlungen haben äusserst geringe Resultate gebracht, – man gibt dort nur öffentlich. – Die Regierung von Tessin ist im Begriff den österreichischen Anmassungen zu weichen; ich habe die Tribune Suisse angewiesen, bei weiterer Nachgiebigkeit mit einer Revolution zu drohen. – Die Sammlung der Schweiz ergiebt Zwölfhundertzwanzig Franken; das Gesamtresultat der Sammlung aus Deutschland ist noch nicht eingegangen."
Er übergab die Papiere. Der Zuletztgekommene erhob sich nach ihm, ohne die Aufforderung abzuwarten. Wer der geheimnissdollen Zusammenkunft im Dom der Invaliden beigewohnt hätte, würde leicht in dem Sprecher den alten polnischen Offizier wieder erkannt haben. Ausführlich berichtete er über den gang derselben, das Misstrauen, das man ihm Anfangs gezeigt und den Eindruck, welchen die übergebenen Abschriften der wichtigen politischen Dokumente gemacht hatten. "Der Kaiser," schloss der Greis seinen Bericht, "ist offenbar ein scharfsichtiger gewandter Politiker, aber wir haben ihn besiegt, indem wir uns an das verborgenste geheimnis dieses verschlossenen Herzens gewandt haben. Ich müsste mich sehr täuschen, wenn nicht vorher schon die Pläne dieses Kopfes von der Vernichtung Englands und der Welterrschaft der Napoleoniden geträumt hätten, – unser Beistand hat sie ihm klar gemacht und die Möglichkeit der Verwirklichung ihm gezeigt. Er würde den Krieg hervorrufen, selbst wenn er keinen andern Gewinn davon hätte, als die britische Armee und die britische Flotte von seinen Schöpfungen verdunkelt zu sehen. Aber ich warne vor diesem Kopf! Er ist schlau und tatkräftig genug zu einem Versuch, die Bande, die ihn geheimnissvoll umschlingen, mit eigener Hand zu zerreissen. Möge der Augenblick nicht versäumt werden, wo sein Fall uns nötig ist, ehe er uns zuvorkommt."
Der einmalige scharfe Anschlag einer Silberglocke liess sich hören und augenblicklich schwieg die Unterhaltung. Der Vorhang im Hintergründe öffnete sich ein Wenig und ein Mann, ganz gleich wie die an der Tafel verhüllt, nur dass die rote Maske selbst den untern teil des Gesichts verbarg, trat hervor. Die Sieben erhoben sich sämtlich.
"Die h ö c h s t e G e w a l t ist zufrieden, meine Herren, mit dem Resultat der Berichte," sprach der Unbekannte mit einer milden, etwas zischenden stimme, "namentlich erkennen wir die grosse Geschicklichkeit an, mit welcher der Vertreter der Sektion VII. heute seinen Auftrag für die französische Regierung gelöst hat. Das Geschick Frankreichs ist damit in unsern Händen und wir können seine Kräfte ohne Gefahr benutzen. – Zur rechten Zeit wird jene einschreitende Hand bereit sein, die stürzt, wie sie allein erhoben hat."
Der zuletzt Gekommene der Sieben verbeugte sich; der Andere fuhr fort: "Die Botschaften für London, Wien, Berlin, Petersburg und Constantinopel liegen bereit. Haben Sie die geeigneten Persönlichkeiten dazu ausersehen, je nach dem Grade der Wichtigkeit, welche die Mission hat?"
Der Secretair des Rats bejahte und überreichte ein Blatt mit den Namen und den persönlichen Notizen, das Jener genau überlas. "W a r s c h a u und P e t e r s b u r g !" sagte er überrascht, – "der Vorstand der Section selbst will diese Mission übernehmen?"
Der Verhüllte, welchen der Leser als den Offizier aus dem Invalidendom erkannt hat, erhob sich. "Ich habe diesen Auftrag als Lohn für die wenigen Dienste erbeten," sagte er, "die ich dem Bunde der Unsichtbaren geleistet. Ich glaubte, dass mir die Mitglieder der höchsten Gewalt das Vertrauen schenken würden, ich werde meine schwierige Aufgabe mit allen Kräften lösen. Ohnedies ist hierzu ein Mitglied des siebenten Grades notwendig, um im Augenblick der Entscheidung den Befehl in die Hand nehmen zu können."
"Sehr wahr, mein Herr, aber wir werden Sie kaum hier entbehren können. Auch sind Sie eine in Warschau sehr bekannte Persönlichkeit und stehen auf der Liste der Geächteten."
Der alte Soldat nahm ein Papier aus dem Portefeuille und überreichte es: "Die Begnadigung des Kaisers und die erlaubnis zur Rückkehr! Ich empfing sie heute von Herrn von Kisseleff."
"Das ist allerdings Viel, doch" – eine behandschuhte Hand, die sich aus den Falten des Vorhangs hervorstreckte, reichte dem Sprechenden einen Streifen Papier, den dieser las und sofort am Licht einer Kerze verbrannte. "Die Majorität der höchsten Gewalt ist mit Ihrer Sendung einverstanden. Sie haben also die Vollmacht zur Reise und werden als Mitglied des Rats bis zur Summe von fünfzigtausend Rubeln disponiren können. Doch ist es Ihnen bekannt, dass von diesem Augenblick an, bis zur