wird."
"So benachrichtigen Sie mich davon und belegen Sie ein Couvert neben ihrem Platz. Man braucht mir nicht in meinen Zimmern zu serviren." –
An der Tür ihres Salons empfing die Tänzerin bereits den aufmerksamen Wirt.
"War das der Russe, Monsieur?"
"Gewiss, Sennora, und Sie haben bereits eine Eroberung an ihm gemacht. Der Fürst fragte, ob Sie die Table-d'hôte beehren würden?"
"Ah – bah! wir wollen sehen! Was war das für eine Scene, als ich kam? bitte erzählen Sie!"
Der Hotelier lachte.
"Das Abenteuer ist wirklich pikant und wird aufsehen machen. Der junge Fürst besuchte gestern den letzten Sommernachtsball bei Kroll und scheint da mit einer kleinen Grisette soupirt zu haben, denn er kam spät nach haus. Vor einer halben Stunde, während er noch schläft, erscheint ein Polizei-Agent, erkundigt sich nach dem Russen und verlangt, gemeldet zu werden. Ich muss nachgeben und der Fürst erscheint sehr verdriesslich im Schlafrock. Die Scene war Goldes wert! ich will versuchen, sie Ihnen dramatisch wieder zu geben!"
"Allons, Monsieur, ich warte!"
"Der Agent bittet sehr höflich um Entschuldigung für die Störung und frägt, ob Seine Durchlaucht gestern den Ball bei Kroll besucht?" – "Ja, mein Herr. Darf man das etwa in Berlin nicht?" – "O, doch – nur erlauben Sie mir die Frage, ob Sie nicht dort bestohlen worden sind?" – Der Fürst sieht ihn gross an, dann seine Pretiosen nach, die auf dem Tische liegen, und sagt: "Ich denke nein. Jedenfalls vermisse ich Nichts!" – "Ich fürchte, doch!" – Der Agent legt eine russische Banknote von hundert Rubeln auf den Tisch. – "Was soll das?" – "Entschuldigen, Durchlaucht, die Indiscretion – soupirten Sie mit einer kleinen Grisette?" – "Ja wohl, mein Herr, aber ich begreife wahrhaftig nicht –" – Der Agent öffnet die Tür und führt die junge Schöne herein, der Sie im Hausflur begegnet sein müssen. – "Ist es diese?" fragt er triumphirend. – "K tschortu! – allerdings – warum weinen Sie, Kind?" – "Die Dirne hat Sie bestohlen, Durchlaucht. Man verhaftete sie heute Morgen, als sie bei einem Banquier diese Banknote von hundert Rubeln wechseln wollte. Das Frauenzimmer log, sie hätte dieselbe von einem unbekannten Cavalier geschenkt bekommen und beschrieb die person, aber wir kennen das! Unserer Aufmerksamkeit gelang es, zu ermitteln, dass der Fremde Euer Durchlaucht waren, und ich habe die Ehre, das gestohlene Gut zurückzustellen und nur ein kleines Protokoll zur Anerkennung der person aufzunehmen." – Das Mädchen weint und schluchzt und beteuert, dass sie keine Diebin sei; der Fürst aber wird ganz rot im Gesicht vor Aerger und schaut die Polizei an, als wolle er sie mit einem Bissen verschlingen. – "Zum Teufel mit Ihrer Dienstfertigkeit! Geht Sie das was an, wenn ich diesem Mädchen Etwas schenke?" – "Nein – aber – wenigstens liegt ein Irrtum vor – man gibt einer Grisette doch nicht hundert Rubel –" – "So? – nun –" der Fürst öffnet ein Portefeuille, holt noch fünf gleiche Scheine heraus und gibt sie dem Mädchen: "Da haben Sie Etwas für den Schreck, Kleine, und Sie, Herr, stören Sie die Leute wegen solcher Lumpereien nicht in ihrem Morgenschlaf." – "Sie hätten das Gesicht sehen müssen, Sennora, es war zum Malen!"
Beide lachten.
"Der Russe ist also sehr reich?"
"Sein italienischer Kammerdiener erzählt, dass er eine Million jährliche Einkünfte hat."
"Demonio! – Nun, Sennor, ich habe mich besonnen – ich werde heute in Ihrer Gesellschaft diniren." ––––––––––––––––––––––––––––
In dem Salon des zweiten Stockwerks fand zur selben Zeit eine andere interessante Unterredung statt zwischen zwei uns bekannten Personen, der achtlos im Nebenzimmer die Gräfin P i s a n i beiwohnte.
Noch kannte Helene Laszlo den Betrug nicht, dessen Opfer sie geworden. Aus den Zeitungsblättern hatte sie und zu seinem Erstaunen auch der Oberst erfahren, dass kapitän Meiendorf im Stabe des Fürsten Gortschakoff der Belagerung von Silistria beigewohnt hatte. Sie erfüllte die Pflichten der Gattin stumm und still, in ihr Schicksal und ihr erhabenes Opfer ergeben, aber ihr Leben war freudlos und bleicher wurde täglich die Wange, trüber das sonst so trotzige, feurige Auge und an dem Herzen nagte der giftige Wurm. Denn wenigstens wusste sie jetzt, wie tief und bitter sie sich in dem mann getäuscht, dem sie in jener unglücklichen Stunde angetraut worden; sie hatte seinen charakter voll Habgier und Ehrgeiz sich vor ihr entlarven und sich jener geschickten Maske liberaler Principien und der Begeisterung und Tätigkeit für die Revolution entkleiden sehen. Nur der Egoismus waltete in ihm und leitete seine Schritte und seine trügerischen Handlungen. Schon der erste, den er nach der Heirat getan, war eine Verständigung und Aussöhnung mit der österreichischen Regierung, die ihn, somit den Besitz des bedeutenden Grundvermögens seiner jungen Gattin sicherte. Es ging das Gerücht, dass er seitdem zu mehreren diplomatischen Missionen verwandt worden sei, deren charakter stark das Gegenteil seiner früheren Tendenzen zeigte. –
Die Gräfin sass in dem durch die Tür geschlossenen Nebenzimmer, mit einer weiblichen Handarbeit beschäftigt, am Fenster, während der Graf, in