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die besser gefüllten Börsen seiner Kameraden benutzte.

"Sie werden sich noch in ernste Ungelegenheiten bringen, Master Frank," sagte Erskine, indem er die Treppe zum Hinterkastell emporstieg, "und alle Vorliebe des Capitains wird Sie diesmal vor strenger Strafe nicht schützen können. Benutzen Sie die Zeit da oben, einen Ausguck zu halten."

"Halt, Sir," rief der junge Mann, "das hab' ich schon getan, seit ich hier oben bin. Ich bitte Sie, Erskine, lassen Sie mir durch Gosset das Nachtglas reichen. Ich sehe dort in der Entfernung einer halben Meile einen dunklen Gegenstand auf der Seezwischen uns und dem Uferaber das Licht ist noch nicht scharf genug, es zu erkennen, und James hier sagt mir, dass er schon seit einer halben Stunde das Ding beobachtet hat."

Auf einen Wink des Lieutenants brachte Gosset seinem Freunde das Nachtglas nach oben.

"Was ist es, Maubridge? – wahrscheinlich ein Recognoscirboot von der Foury, die einen Kanonenschuss von uns liegt."

"Es ist ein Boot, Siraber keines der unsern. – Warten Siejetzt hab' ich den Burschen und der Tag kommt. – So wahr der Baronet, mein Bruder, mir die schönste Odaliske in ganz Constantinopel gestohlen hatdas Ding ist seltsamzwei Personen sitzen in dem Boot, das ohne Ruder und Segel auf den Wellen treibtin der Mitte ein grosser Hunddie Eine scheint russische Kleidung zu tragendie Andere ein Weib, ihre langen Zöpfe fliegen im Winde – –"

"Zum Henkerwas bedeutet das Alles?"

"Ich weiss es nicht, – aber das Boot kentert und scheint leckjetzt erhebt sich das Weib und breitet die arme ausGoddam, da kommt der erste Sonnenstrahl über die Gebirge und blendet mich – –"

"Es werden Unglückliche sein, die von einem Schiffe abgetrieben und in Not sind," sagte der wakkere Erskine. "herunter, Frank, und in die Yölle, ihnen zu Hilfe. Master Adamsvier Matrosen von der Wacherasch!"

über die Felsen und die Bai von Sebastopol schossen glänzend die ersten Strahlen der Königin des Lichtes empor, weitin Land und Meer vergoldendin ihrem Glanze liess Frank Maubridge, der leichterzige, lecke Midshipman des Niger, seine Blicke über den Spiegel des Meeres irren, das Boot suchend – –

Er suchte vergebens! – Einen Augenblick schien es ihm, als sähe er eine dunkle Gestalt, gleich einer grossen Dogge, kräftig gegen die Wellen kämpfen, in ihren Zähnen ein Gewanddoch die Entfernung war zu grossund die nächste Woge verschlang die Erscheinung. Weitin unterbrach NichtsNichts den wogenden Spiegel der goldglitzernden Wellen.

"Zu spätdas Boot ist versunkenkeine Spur mehr zu sehen!" ––––––––––––––––––––––––––––

Da ruhen sie, der Sohn des geknechteten Hellas von den Armen des Türkenmädchens umschlungen, und in ihre Gewänder verbissen der treue Molosserhund; – da ruhen sie auf dem Felsengrund des Pontus: – N i c o l a s G r i v a s , der Bruder der Caraiskakis, und F a t i n i t z a , die Wölfin von Skadar, und der erste Sonnenstrahl über die Felsen von Taurien war ihr Grabbegleiter.

Da ruhen siedie Donner von tausend Geschützen sangen elf Monden über ihrem grab das Todtenlied wie nie in der Weltgeschichte ein zweites erklungen ist; und die Trümmer von Sebastopol sind ein riesiges Monument, das dieselben Vandalenhände zusammengehäuft, welche unfern ihres Grabes die Reste von Iphigeniens Tempel zerstörten!

Da ruhen sieder Delphin zieht seine Kreise über der ewig bewegten Gruft, das Handelsschiff durchfurcht die Wellen, der Sturm türmt sie zu empörten Gebirgen, und Morgen um Morgen küsst der erste Sonnenstrahl über die Höhen des Tschadirdagh her ihren riesigen Sarg!

Da ruhen siewiedervereint in des Meeres Tiefen, und die brennende Schmach der Palanka von Protopapas ist erloschen in den Wellen des Pontus. ––––––––––––––––––––––––––––

Also geschah's, dass die Armee der Alliirten durch die Schluchten der Tschernaja am 25. September ungehindert die Südseite von Sebastopol erreichte und Balaclawa nahm.

Des Kampfes Beginn.

I. Der Catar.

Die spanische Tänzerin war wieder in Berlin und hatte zur Captatio benevolentiae ihrer Hüftenexperimente eine Gastvorstellung zum Besten der schlesischen Ueberschwemmten ankündigen lassen. Das schöne und interessante Weib hing an Berlin wegen der ersten Triumphe, die sie hier gefeiert, und kehrte daher von allen Kunstreisen immer wieder zum comfortablen Hotel Unter den Linden zurück, wenn sie sich auch manchmal mit dem galanten und aufmerksamen Wirt überwarf; denn sie verstand es zu schätzen, dass er an seiner Table-d'hôte mit ihrem Atlasschuh für den wunderkleinen dazu gehörigen Fuss Propaganda machte. Diesmal hatte sie ein Brief mit dem bekannten geheimnissvollen Zeichen nach Berlin beschieden, und einstweilen, da die Vorbereitungen zu der neuen Posse des beliebten berliner Humoristen Kalisch: "Die Bummler von Berlin" ihr Auftreten verzögerten, langweilte sich, weiterer Nachrichten harrend, die Donna und spielte darum die Amazone, indem sie im Hermelin die Peitsche schwang und mit dem eleganten Brougham durch die Strassen der Residenz kutschirte.

Die Sennora hatte, bis auf jenen plötzlichen Ruf, Nichts wieder gehört von ihren geheimen Beschützern und gedachte kaum noch des kleinen Dienstes, den sie ihnen durch die Empfehlung zweier unbedeutender Diener vor längerer Zeit erwiesen, als sie zufällig in einem Journal den Namen des Fremden zu Gesicht bekam, der