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Zögling. Gott verdamm' seine Augen! er macht Ihnen wenig Ehre."

"Es ist junges Blut, Sir; aber vor einer Viertelstunde noch traf ich ihn an der grossen Luke, wie er die Schildwacht den kleinen Gosset wecken hiess, der nach ihm die Wache hat."

"Meister Gosset wird sich hoffentlich bedanken, eher seine Hängematte zu verlassen, als das Glockenzeichen gegeben ist, denn wenn die jungen Halunken zusammen sind, treiben sie Nichts wie Unheil. Goddam! ich glaube, da gibt es schon welches?"

Ein Lärmen auf dem Vordercastell hatte sich erhoben und man hörte eine laute stimme eine Reihe von gälischen Flüchen, untermischt mit den wildesten Drohungen, hervorsprudeln.

"So wahr meiner Mutter Sohn Angus-Mac-Mahor ist, ich schneide dem jungen Hunde die Kehle ab. Halte ihn fest, Evan Dhu, den jungen Schänder, bis dieser Brut mein hochländisches Messer die Ohren vom Schädel geschnitten hat."

Ein fürchterliches Gebrüll des kleinen Gosset und der Hilferuf des Master Frank Maubridge liess den alten Deckmeister rasch die Treppe hinunter springen und über die Beine und Tornister der Soldaten stolpernd nach dem Vorderschiff eilen. Der Lieutenant folgte ihm, und die Scene, die sie hier erblickten, war, so lächerlich auch der Anblick blieb, nicht ohne Gefahr.

Ein riesiger Hochländer hatte den kleinen Gosset an der Kehle und hob und schüttelte ihn wie ein Rohr, im vollen Ernst bemüht, dem jungen Taugenichts mit seinem langen Messer die Ohren abzuschneiden, wogegen dieser natürlich mit Händen und Füssen sich wehrte, von Zeit zu Zeit, wenn die Eisenfaust des Soldaten ihm dazu Luft liess, ein Zetergeschrei ausstossend. Frank wehrte sich verzweifelt in den Händen eines zweiten Soldaten; ein blick genügte dem Lieutenant, die Ursache des Streites zu entdecken, denn beide junge Burschen hatten noch grosse Schiffspinsel in der Hand und Master Frank sogar noch den Blechtopf mit Farbe, dessen sie sich bedient; die Physiognomieen der beiden erbitterten Hochländer und mehrerer Andern, die sich, von dem Lärmen aufgeweckt, rings erhoben, aber sahen wahrhaft scheusslich aus, indem die Midshipmen ihren festen Schlaf benutzt hatten, die Gesichter ihnen mit den Querstreifen der Farben ihrer Plaids Rot und Schwarz zu bemalen.

Ein Faustschlag des alten Deckmeisters warf den Hochländer zurück, der Frank in seinen Händen hatte, und befreite den jungen Mann, der wie ein gejagter Hund durch die sich bildende und Gefahr drohende Gruppe schoss, auf den nächsten Hühnerkasten und von dort in das Takelwerk sprang und mit der Behendigkeit eines Affen an der Tauwand zum Mastkorb des Vordermastes emporrannte, denn mehrere der erbitterten Soldaten hatten ihre langen Dirks gezogen, als sie Einer den Andern so schändlich verunstaltet sahen, und Evan Dhu, ein Mann von den Inseln, den Adam zu Boden geschlagen, machte sich bereit, dem Deckmeister ernstlich zu leib zu gehen.

Eine grössere Mühe hatte der Lieutenant gehabt, den Knaben Gosset aus der Faust seines erbitterten Gegners zu befreien, was ihm nur mit Hilfe einiger herbeikommenden Matrosen der Wache gelang, die den halb erwürgten Midshipman nach der Konstablerkammer brachten, wo einige Rippenstösse des eben sich zur Uebernahme der Wache rüstenden dritten Lieutenants und ein ihm in's Gesicht gegossenes Waschbecken voll wasser ihn wieder auf die Beine brachten.

Die hochländischen Soldaten, die sich anfangs der Rettung der beiden Verbrecher mit Gewalt hatten widersetzen wollen, wurden durch den Sergeant-Major ihrer Compagnie und das Versprechen, dass die Midshipmen streng bestraft werden sollten, zur Ruhe gebracht. Sie legten sich jedoch nicht wieder zum Schlaf, sondern setzten sich, da sie noch kein wasser zur Reinigung ihrer liebenswürdigen Physiognomieen erhalten konnten und die schadenfrohen Matrosen ihnen die Eimer verweigerten, in ihre Plaids gehüllt, im Kreis zusammen und die verdächtigen Blicke, die sie nach dem Mastkorb warfen, weissagten Master Frank, der nach überstandener Gefahr sie, die hände in den Taschen, über die Brüstung seiner sichern Stellung von oben herunter angrinste, nichts Gutes.

Lieutenant Malcolm, der selbst ein Schotte war, ärgerte sich natürlich gewaltig über den nichtsnutzigen Streich der beiden Burschen, hatte aber den jungen Maubridge doch zu gern, um ihn einer Gefahr auszusetzen, und als die zwei Schläge auf die Schiffsglocke die Ablösung der ersten Morgenwache verkündet hatten und die Förmlichkeiten der Uebergabe des Schiffes an den dritten Lieutenant erfüllt waren, der mit Gosset heraufkam, riet er, den Letzteren auf dem Hinterdeck zu behalten und befahl Frank über die Verbindungstaue nach dem Mastkorb des Hauptmasts sich zu begeben.

"Sobald Master Hunter auf Deck kommt, Erskine," sagte er zu seinem Nachfolger, "zeigen Sie ihm die Sache an. Ich lasse ihn bitten, den jungen Halunken da oben den ganzen Tag im Mastkorbe zu lassen, damit ihm die Sonne die Haut so rot brät, wie er sie den ehrlichen Kerlen dort gemacht hat, und diesen kleinen Tagedieb dazu. Schade, dass die beiden Burschen wie Gentlemens behandelt werden sollen, während ein Tauende ihnen das Dienlichste sein würde. Gute Wache, Erskine."

"Ich danke Ihnen, Master Macdonald, für die wohlwollende Absicht," sagte Frank, der von dem untern Korb des Hauptmastes die Worte gehört, mit echter Midshipmen-Frechheit, "jedenfalls habe ich schon deshalb auf die Behandlung eines Gentleman's Anspruch, weil ich als solcher meine Wirtshausrechnungen selbst bezahle."

Der zweite Lieutenant rannte wütend die Luke hinunter, während Erskine lachte, denn es war bekannt, dass Malcolm, der der Sohn eines Werftaufseherin Glasgow war, bei solchen Gelegenheiten sehr gern