bedeckte, aus dem hier und da sich ein wilder Feigenbaum oder die Korkeiche mit ihren breiten Aesten erhob, flog mit dem frischen Seewind über die Ebene; in weiter Entfernung von einander leuchteten, gleich riesenhaften Glühkäfern, die Feuer der Posten und Wachen bis zur Alma hin.
An einem solchen Feuer am Eingang einer Schlucht, die von Olivenbäumen bewachsen war, lagerte der äusserste Posten der Moslems, und an den wilden phantastischen Gestalten, ihrer Kleidung und Bewaffnung erkannte der Grieche, dass die Krieger zu jenen türkischen Freischaaren gehörten, deren Wiedersehen in seiner Erinnerung mit einem dämonischen und dennoch so schönen Bilde sich verknüpfte.
Wilde Blicke starrten ihn an und manche nervige Faust fasste beim Anblick der verhassten russischen Tracht nach dem Pistolenkolben oder dem Handjar im Leibbund; doch des On-Baschi's Benachrichtigung, dass der grosse Pascha der Franken den Fremden unter seinen Schutz genommen und dieser in seinem Auftrag reise, zähmte die rachsüchtigen Begierden und die Bozuks warfen sich wieder am Feuer nieder.
Der junge Mann hatte eben dem On-Baschi, welcher ihn hierher geleitet, den verlangten Baktschis gegeben und wandte sein Pferd, um durch die Schlucht davon zu galoppiren, denn er fürchtete mit Recht, dass ihm einer oder der andere der um ihn lagernden Halunken, die bei der Erteilung des Trinkgeldes mit lüsternen Augen seinen Geldbeutel angesehen, im Dunkel eine Kugel nachsenden möchte, als von dorter selbst Hufschlag erscholl und er eine herauskommende Reitergruppe bemerkte, die sich rasch näherte.
Ein grosser Molosserhund, den vergoldeten Sammetreif um den Hals, sprang der Gruppe voraus, die aus einer türkischen Frau und etwa zwanzig arabischen und albanesischen Kriegern bestand. Neben der Türkin ritt, in lange weisse Gewänder gehüllt, auf prächtigem weissem Pferd ein arabischer Scheik, wie der hohe Reiherbusch auf seinem Turban zeigte.
Plötzlich hielt der Molosserhund in seinen Sprüngen an, hob die Nase in die Luft und stiess ein lautes Gebell aus, indem er mit weiten Sätzen auf den Griechen zustürzte, an dem Pferde emporsprang, dem Reiter die Füsse leckte und sich wie toll geberdete.
Der Ruf "Scheitan! hierher!" scholl aus der Gruppe, ohne dass der Hund darauf hörte.
Bleich wie der Tod sass der Grieche im Sattel, er hatte den Hund erkannt, er hatte die trotzige stimme vernommen, die se oft schmeichelnd und demütig in unsäglicher Liebe seinen Namen genannt.
Fatinitza war dort – Fatinitza, die Rächerin – la Vengeresse!
Er sah, wie sie mit dem Emir Abdallah näher und näher kam, erstaunt über das Gebahren des Hundes, – er hörte, wie sie die Männer der Wache nach ihm fragte, – er fühlte, wie sich die Augen des Mädchens auf ihn richteten, – seine Sinne wirbelten, seine Besonnenheit, fast sein Bewusstsein verliess ihn, er beugte den Kopf bis auf die Mähne seines Pferdes und presste ihm die Sporen tief in die Seiten, dass es in weitem Satz davon sprang und wie rasend durch die Reitergruppe hindurch die Schlucht hinunter schoss.
Einen wilden Schrei hörte er hinter sich und den Ruf des Weibes: "Ihm nach, Abdallah, bei Deinem Ring! Lebendig! lebendig bringe ihn!" Dann donnerten die Hufe der wilden Schaar hinter ihm drein, dann hörte er das gellende Kampfgeschrei der Söhne der Wüste, die Befehle, welche die Reiter rechts und links von der Schlucht zur Seite jagten, um ihm den Weg abzuschneiden. Als er wieder das Freie gewonnen, schien das ganze weite Plateau hinter ihm und um ihn lebendig geworden zu sein. Hundert dunkle Schatten stürmten gleich Gespenstern über die Fläche daher – das wilde Geschrei der Verfolger heulte wie der Jubelruf von tausend Dämonen um ihn.
Er gedachte der Wichtigkeit, die sein Leben, seine Freiheit in diesem Augenblick für eine grosse Nation, für die Hoffnung und Errettung seines eignen Volkes hatte; – er schauderte bei dem Gedanken, in die hände der Eumenide zu fallen, die sich an seine Fersen geheftet; – er betete zu Gott und den Heiligen, dass sie seinem Pferde die Flügel des Windes verleihen, die Augen seiner Verfolger mit Nacht bedecken möchten, und in dem Allen, in dem tobenden Aufruhr seiner Seele, von Furcht, Hoffen und Verzweiflung, fielen ihm die Worte des greisen Tabuntschiks ein, und er beugte sich zu dem Ohr des Pferdes und flüsterte: "Pascholl, Liebling!"
Und das Ross der Steppe griff in weiten Sprüngen aus, und über Fels und Stein flog mit ihm wie der Sturmwind der wilde Hengst, seine Verfolger weit hinter sich lassend.
Aber Einer war da, – den das Ross der Steppe nicht zu besiegen vermochte: Abdallah mit der weissen Stute Eidunih aus dem Geschlecht der Nedjhi – mit Eidunih, die an Schnelle mit dem Flügelross des Propheten zu wetteifern vermochte, und als der Grieche das Haupt wandte und das weisse arabische Pferd hinter sich d'rein kommen sah, da wusste er, dass er verloren war; hatte er es doch selbst erprobt bei der Flucht zu der Kula von Protopapas!
Er fasste das Pistol, das er in der Brusttasche unter dem Kaftan trug und spannte den Hahn, um seine Freiheit so teuer als möglich zu verkaufen. Aber der Emir, sein Verfolger, schien nicht gewillt, den Vorteil zu benutzen, vielmehr bog er zur Seite ab, und dann erst liess er seinem Renner die Zügel schiessen, der ihn in wenig Augenblicken weit über den Verfolgten hinausbrachte. Dadurch zwang er ihn, von der graden Richtung abzuweichen und sich zur Seite zu