ein dunkler Rauch, welcher sich über die Nebel bewegt. Sollten wir so nah' einer der Inseln sein und dort Beistand finden?"
"Mein Bruder täuscht sich. Siehst Du nicht, dass der Rauch sich bewegt?"
"Was habt Ihr? Nach was späht Ihr aus?" unterbrach sie der Beg.
"Birschik jok3! wir werden nur verfolgt," entgegnete gleichmütig der Arnaut. "Der Bei hat jenes höllische Schiff uns nachgesandt, das der Scheitan erfunden und das allein läuft, ohne Segel und Ruder."
"Du meinst ein Dampfschiff?"
"Ne apalum, was kann ich tun? Der Bei hat von den Franken seit dem Kriege das Schiff machen lassen, und er hat Leute, die es führen."
In der Tat war in dem letzten Kriege die notwendigkeit rascher Verkehrsemittel immer dringender an den Tag getreten, und die türkische Regierung hatte auf die Vorstellungen Omer Pascha's eines der kleinen eisernen Lustdampfboote, welche zwischen dem Bosporus und Constantinopel fahren, nach Dulcigno gesandt, wo es von französischen Maschinisten auseinander genommen und die Bojana aufwärts bis Scutari transportirt, dort aber wieder zusammengesetzt worden war. Den Czernagorzen war zwar die Beschaffenheit und Schnelle der Dampfschiffe nicht mehr unbekannt, da sie von der Höhe ihrer Berge fast täglich dieselben die schöne Adria durchziehen sehen können, doch war eben der türkische Dampfer auf dem nördlichen teil des Sees noch zu wenig benutzt worden, um ihnen weitere Besorgniss einzuflössen, und der Grieche hatte bei der aufgeregten Stimmung seines Gemüts wenig oder gar nicht auf die Anwesenheit des Schiffes zwischen den Festungswerken von Scutari geachtet.
Jetzt wurde ihm jedoch die Gefahr, die sie bedrohte, im Augenblick klar und er setzte sie dem alten Krieger deutlich und rasch auseinander. Während Gabriel und Stephana, die Arm in Arm im Vorderteil des Bootes schliefen, und der junge Martinowitsch geweckt wurden, verzogen sich die letzten Nebel und man erblickte deutlich den Dampfer in Entfernung von kaum noch einer Meile in südwestlicher Richtung hinter den Flüchtenden, doch offenbar seinen Cours am westlichen Ufer entlang haltend.
Grivas und Gabriel begriffen sehr wohl, dass man bei der Entdeckung der Vorbereitungen zu ihrer Flucht auch überzeugt gewesen sein würde, selbst wenn man dasselbe später nicht bemerkt haben sollte, dass ein Fahrzeug der Flüchtigen in der Nähe harre, und dass ihre Flucht demnach zu wasser fortgesetzt werde. Wäre es den Beiden gelungen, in der beabsichtigten Weise um Mitternacht zu entkommen, so konnte die Flucht nicht vor dem nächsten Morgen bemerkt werden, und dann waren sie ausser dem Bereich jeder Verfolgung.
Jetzt war es freilich anders. Die Richtung des Dampfers, der offenbar mit voller Kraft fuhr, zeigte die Absicht, die Flüchtigen, wenn sie sich nach der Czernitza Nahia gewandt haben sollten, vorher zu erreichen, oder im entgegengesetzten Fall sie von diesem näher belegenen Ufer Montenegros abzuschneiden und nach der andern Seite, dem türkischen Gebiet, zu drängen.
Offenbar konnte man in dieser Entfernung noch nicht das kleine Boot bemerkt haben und es galt, dies wo möglich zu verhindern. Eine kurze Beratung folgte, ob man das leicht verratende Segel einziehen und sich nur auf die Kraft der Ruder verlassen, oder den noch immer günstigen Morgenwind benutzen sollte. Beides war gefährlich, denn kaum die Hälfte des Weges war zurückgelegt. Der Beg entschied sich für die weitere Benutzung des Segels, da ohnehin die erste der zu Montenegro gehörenden Inseln, Stavena, bereits vor ihnen lag und man hoffen durfte, an ihrer Wetterseite der Beobachtung des Feindes zu entgehen. Alle halfen an den Rudern und bald schoss das Boot unter den Felsenufern der Insel dahin.
Der Beg wandte das Steuer noch mehr nach Osten und so gelang es ihnen, anscheinend unbemerkt nach weitern zwei Stunden des Ruderns, während dessen der Morgenwind erstorben war und man das Segel eingezogen hatte, die zweite der Inseln, sankt Nicolaus, anscheinend unbemerkt zu erreichen. Das Dampfschiff war unterdessen weit heraufgekommen und hatte den Fahrstrich des Bootes bereits überholt, hielt sich aber immer noch am jenseitigen Ufer. Hier unfern der nördlichen Spitze der Insel, in einer kleinen ziemlich geschützten Felsbucht beschloss der Beg, Halt zu machen und den Tag zu verbringen; denn da sich über die Insel hinaus der See bedeutend verengt, wäre es fast nicht möglich gewesen, der Aufmerksamkeit der Verfolger ferner zu entgehen, während wenn diese, wie zu erwarten stand, ihren Weg fortsetzten, die Flüchtlinge ganz ungestört hier sich verborgen halten und das schützende Dunkel der Nacht abwarten konnten.
Das Boot lag gesichert in der Felsenbucht, in seinem inneren ruhten die Männer von der Anstrengung des Morgens und der sich steigernden Hitze des Tages. So vergingen mehrere Stunden, ohne dass sie belästigt wurden. Bogdan, zuerst als Späher auf eine der Felsspitzen geschickt, hatte berichtet, dass das schwarzes, tief in den Yaschmak und Feredschi verhülltes Weib umschlang, deren Augen fest auf die Gruppen des Hintercastells gerichtet waren. Mistress D u b e r l y , die englische Dame, die ihrem im 8. Husaren-Regiment dienenden Gatten, den Verboten Lord Raglan's und Lord Lucan's zum Trotz, nach dem Lager folgen wollte und in dem Niger die Ueberfahrt machte, war gleichfalls auf das Deck gekommen und die französischen Offiziere suchten so gut als möglich die Zitternde zu sichern.
Der alte Deckmeister hatte dem Baronet gewinkt, sein Ohr näher zu seinem mund zu bringen, denn das Gebrüll der Wogen und des Sturmes machte kaum in nächster Nähe die Worte verständlich. "Eins liegt mir