Augenwinkeln des Alten, doch nur einen Gedanken lang. Dann lachte er heiter und sagte:
"Ei General, wir Hirten der Gebirge kennen die Wege. Ihr könnt, wenn Ihr die Leuchttürme umgeht und die Gebirge zwischen Mekensyr und den Ruinen von Inkermann durchschneidet, an der TschernajaBrücke die Talschlucht gewinnen und vor Balaclawa stehen, ohne dass eine Katze in der Festung Euren Marsch bemerkt, wenn sie hier nicht aufmerksam gemacht werden."
Wiederum wurden leise einige Worte zwischen den beiden Ober-Commandirenden gewechselt, dann befahl Lord Raglan, den Tabuntschik für einen Augenblick abtreten zu lassen, aber sorgfältig zu bewachen, dass er mit Niemand ein Wort wechsele.
Die Beratung der Generäle war jedoch nur kurz und der Tabuntschik wurde bald wieder herein geholt.
"Se. Kaiserliche Hoheit, der Prinz Napoleon," sagte General Bosquet, "hat Sie bereits an Ihre französische Abstammung und die Pflichten derselben erinnert. Was Sie tun, tun Sie dem Erben des grossen Kaisers. Es liegt uns daran, die Armee nach der Südseite der Festung zu führen, womöglich nach Balaclawa. Wollen Sie uns als Führer dienen, Mann, so soll Ihnen eine reiche Belohnung zu teil werden. Im andern Fall müssen Sie in strenger Haft bleiben, denn Sie haben zu viel gehört, um Sie gehen lassen zu können."
Der Tabuntschik schüttelte den Kopf.
"Ihre Drohung kann mich nicht schrecken, Herr, so wenig wie Ihre Versprechen mich reizen. Ich bin ein alter Mann, Herr, und hänge nicht am Leben. Aber ich habe nicht vergessen, dass Frankreich mein Vaterland ist, und bin bereit, Ihnen auf Gefahr meines Kopfes den Weg durch die Gebirge nach Balaclawa zu zeigen, wenn Sie mir gestatten wollen, zugleich meine Interessen zu besorgen, damit ich nicht zu Schaden komme."
"Wie meint Ihr das, Freund?" fragte der Herzog von Cambridge.
"Ich bin ein Pferdehändler, wie Sie wissen," sagte der Alte, "und komme aus der Steppe jenseits Perecop mit 300 mutigen Tieren, dir um eine Tagereise hinter mir zurück sind. Wenn ich Ihnen den Weg zeige, fallen die Tiere in die hände der Russen, und ich möchte dann nicht wagen, bei diesen mein Eigentum fordern."
"Wir werden sie Ihnen abkaufen oder den Wert vergüten."
"Ich bin ein Kaufmann, General, und lebe vom ehrlichen Handel. Wenn Sie wollen, dass ich Ihnen diene, so lassen Sie mich meinem Eigentum entgegensenden und meinen Leuten Anweisung geben, die Pferde in Ihr Lager zu bringen."
"Das geht unter keinen Umständen," sagte Bosquet rauh; "der Mann darf mit Niemand mehr verkehren."
Der alte Rosshirt lächelte spöttisch.
"Dann, General, erlauben Sie mir, dass ich mir wenigstens den Markt bei meinen neuen Landsleuten, den Russen, nicht verderbe."
Es entstand eine kurze Pause. Der Greis hatte das Ansehen eines so entschlossenen Charakters, dass ein Jeder begriff, Drohungen wären hier vergeblich.
"fragen Sie den Mann," stöhnte der Marschall, "wie er die Sache ausführen will."
Der Tabuntschik trat einen Schritt näher zu dem Tisch.
"Ihr Misstrauen sollte mich kränken," sagte er ruhig und ernst, "doch ich will Ihnen selbst ein Mittel vorschlagen, unsere Interessen zu vereinigen. Draussen steht mein Enkelsohn, der mit mir gefangen wurde. Er versteht unsere Sprache, weiss aber natürlich Nichts von dem Dienst, den ich Ihnen leisten soll. Lassen Sie ihn herein kommen, geben Sie ihm sicheres Geleit durch Ihre Posten nach Eupatoria hin bis zum Weg nach Symferopol, und ich werde ihm hier in Ihrer Gegenwart seinen Auftrag erteilen. Sie selbst mögen hören, ob ich ihm mit einem Wort das geheimnis verrate. Ueberdies bleibe ich ja in Ihren Händen und Sie mögen mein Leben nehmen, wenn ich Sie täuNach einer kurzen Beratung der Führer willigte "Kennst Du diesen Mann?" "Er ist mein Grossvater, Herr." "Wohl, sagen Sie ihm Ihren Auftrag." Der Tabuntschik wandte sich zu dem jungen Mann "Du weisst ungefähr, wo Du unsere Pferde treffen "Ja, Grossvater." "Wohl. Du sollst ihnen entgegen gehen, indess ich "Welchen Weg muss ich nehmen, Grossvater?" "Geh' über die Katscha zurück und wende Dich S t e l l e , die ich Dir heute Morgen bezeichnete. D o r t w a r t e , sie müssen da vorüberkommen oder rasten, wie wir ausgemacht haben."
"Aber, Du Grossvater, wo bleibst Du?" Es lag aufrichtige Besorgniss in dem Auge des jungen Mannes.
"Um mich kümmere Dich nicht, Kind, ich werde diese Herren nicht verlassen, und wir treffen, so die Heiligen wollen, morgen wieder zusammen. – Ich bin fertig mit meinem Auftrag. Sind Sie zufrieden damit, so geben Sie dem Knaben sein Geleit."
Der französische General, der dem Marschall zunächst sass, unterzeichnete einen Pass durch die Vorposten.
"Lassen Sie den Burschen durch einen Offizier bis über die Posten jenseits der Katscha begleiten und ihn sogleich sich auf den Weg machen, General Vinoy."
Der Genannte trennte sich von der Gruppe und winkte der verkappten Griechen, zu folgen.
"Noch Eines," sagte mit unbefangenem Ton der Tabuntschik. "Nimm den Buruk, Kind, er hat einen guten gang durch die Gebirgswege."
Grivas machte das Zeichen des