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für den Gaul?" fragte der junge Mann, der kein Französisch verstand, ungeduldig. "Ich hoffe, er macht keine Umständemit zwei Pfund ist die Mähre bezahlt."

"Ich habe bereits gesagt, Herr," beugte der Tabuntschik vor, "dass meine Knechte mit einem Transport Pferde auf dem Weg sind, zum Handel mit der Armee. Es sind bessere Pferde dabei, als dies hier, das nur gut ist für einen alten Tabuntschik, und das ich nicht verkaufen möchte, weil ich an seinen gang gewöhnt bin."

Dem Handel, dem der Rosshirt sich, trotz alles Widerspruchs, schwerlich auf die Dauer hätte entziehen können, wurde durch das Herbeisprengen des Adjutanten ein Ende gemacht.

"Wo ist Major E w e l y n ? "

"Hier, Herr!"

"Oberst Kennedi lässt Sie bitten, die beiden Gefangenen, die Französisch sprechen, auf das Schleunigste zu ihm in's Hauptquartier zu schicken. Ich werde sie begleiten."

"Hier sind die Beiden. – Besteigt Eure Pferde, Männer, und folgt diesem Herrn. Ich hoffe, dass Ihr keinen Fluchtversuch machen werdet, denn ringsum stehen unsere Leute und Ihr würdet auf der Stelle niedergeschossen werden. – Ist etwas Neues los, Sir?" wandte er sich auf Englisch wieder zu dem Offizier, während der Tabuntschik und sein Begleiter ihre Pferde zäumten und bestiegen.

Der Adjutant beugte sich zu dem Major nieder.

"Es sollen wichtige Mitteilungen von Paris eingelaufen sein. Man munkelt von einer Bewegung der Armee nach der andern Seite der Festung."

So leise er gesprochen, so hatte das scharfe Ohr des Tabuntschik die Nachricht doch vernommen und es zog wie ein Wetterleuchten über das alte verwitterte Gesicht. Er sass im Sattel:

"Wir sind fertig, Gospodin!"

"Vorwärts denn!" befahl der Adjutant.

"Leben Sie wohl, meine Herren."

Sie trabten davon. Der Tabuntschik unterhielt sich unterwegs mit dem jungen Griechen in seiner Sprache.

"Ich habe eben gehört," sagte er, "dass diese Engländer von einem Angriff auf der Südseite sprachen. Mögen die Heiligen geben, dass wir ihnen entwischen, um dem Fürsten diese wichtige Nachricht bringen zu können."

So kamen sie zum Gezelt des Marschalls St. Arnaud, in dem der Kriegsrat versammelt war. Der Adjutant liess seine Begleiter am Eingang, wo eine grosse Anzahl von Offizieren und Ordonanzen versammelt war, unter dem Schutz der Wachen, um seine Meldung zu machen. Der scharfe blick des Greises bemerkte mehrere gleich ihnen gefangene Eingeborne des Landes, die von Wachen herbeigebracht worden, offenbar, um befragt und verhört zu werden. Er winkte mit einer bezeichnenden Geberde seinem jungen gefährten, denn trotz der Menge, die sich um das ziemlich grosse, aus drei Abteilungen bestehende Zelt bewegte, herrschte eine grosse Stille, nur durch das Klirren der Waffen und die Schritte der Schildwachen und der Ab- und Zugehenden unterbrochen.

Sie hatten noch nicht lange gewartet, als L o r d

C a r d i g a n , der Befehlshaber der englischen Cavallerie, in Begleitung des Obersten K e n n e d i aus dem Zelt trat und der Letztere sich suchend umschaute.

"Ah, da sind meine Leute, Mylord," sagte er, als

sein blick auf den Tabuntschik fiel. "Hierher, Alter mit Deinem Sohn, und folge uns."

"Lassen Sie den jungen Mann zurückbleiben, Sir,"

sprach der Lord. "Es wird gut sein, wenn man Jeden einzeln befrägt."

Auf einen Wink des Generals musste Grivas bei den

Pferden zurückbleiben, während der Rosshirt den Offizieren in das Innere des Zeltes folgte.

Die erste Abteilung war von mehreren Adjutanten

und Stabsoffizieren eingenommen, die auf Feldtischen Depeschen schrieben, während von Zeit zu Zeit der Chef des Generalstabs, Brigadegeneral d e M a r t i m p r e y , aus dem inneren kam, Befehle erteilend.

Lord Cardigan schlug den dicken Teppichvorhang

zurück, welcher den Eingang in die mittlere grosse Abteilung des Zeltes bildete, und trat hinein, von dem alten Tabuntschik gefolgt, der auf seinen Wink am Eingang stehen blieb.

Rasch, gleich dem Blitz, überflog sein Auge die Versammlung.

Am andern Ende des Raumes oder Gemaches lag auf einem mit Kissen bedeckten Feldbett, in einen Soldatenmantel gehüllt, der Marschall S a i n t A r n a u d , der Obercommandirende des Landheers. Die Seuche hatte tiefe Spuren auf das bleifarbene Antlitz des Generals gegraben, in tiefen dunklen Ringen lagen die matten Augen, und mit Mühe hatte er den Kopf auf einen Arm gestützt, während der Generalstabsarzt Dr. Bernielle seine Linke in den Händen hielt und von Zeit zu Zeit dem Kranken einige Tropfen einer stärkenden Medizin reichte, oder ihn ermahnte, sich nicht anzustrengen. Vor dem Bett des Marschalls stand ein grosser Tisch, auf dem eine Karte der Krimm und ein ziemlich unvollständiger Plan der Festung Sebastopol lag. Zur Linken des Tisches sassen der Prinz Napoleon und die Generäle Canrobert, Bosquet und Forei, während auf der andern Seite Lord Raglan, der Obercommandant der britischen Armee, kenntlich an dem fehlenden Arm, mit dem Herzog von Cambridge und den englischen Generälen Brown, Lacy-Evans, England und Catcart, nebst den Admirälen Dundas und Lyons Platz genommen. Eine grosse Anzahl französischer und britischer Generäle standen um den Tisch her.

"Mein Urteil," sagte L o r d R a