und Bastionen, welche die klare durchsichtige Luft dieses Himmelsstriches deutlich und klar zeigte, – die sichere Beute der nächsten Tage, der Triumph vor ganz Europa, der neue Zeuge für die unersättliche Habgier des stolzen Inselreichs!
Auch für jenes Hauptbedürfniss aller Armeen der Welt und der britischen insbesondere, den Proviant, war noch leidlich gesorgt und die Offiziere entbehrten selbst eines gewissen Comforts nicht, da sie Flaschenkasten und Menagen von den Schiffen mit gebracht, ihre Garderobe noch nicht verdorben war und der rauhe Wintersturm noch nicht die ermatteten Glieder erstarrte.
Die Menagen hatten ihren Dienst erfüllt, die Beafsteaks und Hammelcotelettes waren verzehrt und die Flasche machte in dem lagernden Kreise die Runde, während die Cigarre oder die leichtgefertigte spanische und orientalische Cigarette ihre Rauchwirbel in die Luft schickte.
"Der arme Welleslei," sagte der kapitän T y s d a l e , während er den silbernen Feldbecher mit Claret füllte. "Er hat Sebastopol nicht einmal zu sehen bekommen."
"Der Major starb am Tage nach der Schlacht, wie ich gehört?"
"Ja, an der verdammten Cholera, und Brigade-General Tylden auch. Bisher haben die Franzosen allein Generäle daran verloren und ihr Marschall selbst wird schwerlich davon kommen."
"Es bringt Avancement in die Armee, die Stellen werden billig werden," bemerkte ein junger Fähnrich.
"Bah, O Mallei, speculiren Sie nicht vergeblich. Ihr Onkel in Tipperara hat noch an dem Wechsel zu bezahlen für Ihre Ausrüstung und die irischen Kartoffeln geraten dies Jahr schlecht."
"Was wissen Sie von den Verhältnissen meiner Familie, Lieutenant Halkett," rief der Ire hitzig, "wollen Sie mich beleidigen?"
"Dummheiten, O Mallei," sagte der Doctor, ein behäbiger, rotnasiger Walliser. "Wissen Sie nicht, dass an der Regimentstafel, wenn das Tischtuch fortgenommen ist, keine Rede übel genommen werden darf? Nun haben wir nicht einmal ein Tischtuch gehabt, also senken Sie Ihren Kamm, mein Streitähnchen, Sie werden noch gelegenheit genug haben, ihn bei den Kosacken anzubringen. Ueberdies hat Halkett Recht, Ihr nächstes Geld, wenn wirklich welches aus Irland kommt, was Sie nun schon ein Jahr lang uns vorerzählen, verwenden Sie auf Ankauf eines Gauls, denn der Ihre hat den Spat und ist eine Schande für das Regiment."
Der lustige Kreis lachte.
"Ich nehme das nächste Beutepferd!" prahlte der Fähnrich.
Der Doctor zwinkerte listig mit dem rechten Auge.
"Vielleicht eines von den beiden Vollbluts, die unsere Pikets gestern eingefangen und die mit ihren würdigen Besitzern da drüben der Entscheidung des Earls harren? Sie müssten sich prächtig machen, zwei solche Kracken mit struppigen Mähnen und Rattenschwänzen unter den Normannen des vierten Dragoner-Regiments Ihrer Majestät!"
Der graubärtige Major blickte nach den beiden Pferden.
"Gott verdamm' Eure Augen, Fähnrich O Mallei, ich glaube, das Eine hält mit Euren langen Beinen jedes Wettrennen aus. Die Ohren sind kurz, und Augen und Nüstern verraten Feuer."
"Pah, Major – es sieht abscheulich aus! Da Sie aber meinen, so will ich es nehmen."
Der junge Mann erhob sich, um hinzuschlendern, der alte Offizier aber schüttelte lachend den Kopf.
"Das Ansehen haben Sie umsonst. Doch mit dem Nehmen ist es Nichts, Sie müssten das Pferd denn dem Eigentümer abkaufen."
"Zum Henker, es ist ja Kriegsbeute."
"Die beiden Leute sind von unsern Patrouillen ergriffen und in's Lager gebracht worden, weil wir Nachrichten über das Land brauchen, aber keineswegs als Feinde. Der Tagesbefehl des Lord-Generals bestimmt auf das Strengste, dass alle Eingebornen, mit denen wir verkehren, möglichst gut behandelt werden sollen."
Die Offiziere näherten sich den beiden Gefangenen, die neben ihren Pferden am fuss einer Platane sassen, im ernsten Gespräch vertieft. Die Pferde gehörten zur Zucht der kleinen langhaarigen Steppentiere, doch hätte ein Kenner der donischen Race das Eine leicht an den sehnigen und schlanken Beinen und kurzen Fesseln, den aufgeworfenen Nüstern und den feurigen roten Augen für ein treffliches Tier erkannt, wie unschön auch sein Aussehen sein mochte. Die Herren dieser Pferde waren ein grosser kräftiger Greis von finsterm und stolzem Aussehen, grösstenteils in Rossleder gekleidet, die Mütze von Wolfsfell auf dem kahlen Haupt, dir schwere Peitsche am Gürtel, so wie ein junger Mann von antiker Schönheit, welche der einfache kaftanartige Rock noch mehr hervorhob: Michael, der Rosshirt aus den Steppen des Dniepr und Nicolas Grivas, der junge Palikare, der in der Nacht des Lazaretbrandes aus Varna entflohen war, um die Nachricht von den Beschlüssen des Kriegsrats der Alliirten nach Sebastopol zu bringen.
Wir haben gesehen, dass auch sein Bruder Gregor Caraiskakis nach der Entdeckung des griechischen Complotts sich flüchten musste. Er war der Armee des Fürsten Gortschakoff gefolgt und befand sich mit diesem zur Zeit in Odessa. Dortin hatte er den jüngern Bruder beschieden, um mit ihm und mehreren andern der griechischen Flüchtlinge den Plan zur Gründung einer griechischen Freischaar zu beraten.
Mit den Vorbereitungen dazu beauftragt und mit neuen Warnungen der durch fortdauernde Verbindungen in Varna wohl unterrichteten Griechen an den Fürsten Menschikoff kehrte Nicolas Grivas nach der Krimm zurück, als er auf dem Wege über die Landenge von Perekop auf den alten Tabuntschik traf, der einen Transport von dreihundert Pferden, den Reichtum seiner Zucht, als freiwillige Gabe auf dem Altar des Vaterlandes anzubieten kam und sie dem Oberbefehlshaber von Taurien zuführen wollte. Der junge Mann schloss sich