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84, "Uriel" von 80, "Silistria" von 80 und "Kulewtscha" von 40 Kanonen.

Vierter teil:

Ssewastopol

In des Meeres Tiefen.

Wir haben am Schluss des vorigen Bandes die Alliirten auf der Südseite von Sebastopol, im Besitz von Balaclawa, verlassen und nachzutragen, wie sie aus der Lagerung am Bjelbeck, bereit zum Sturm der Nordforts, dahin gekommen.

Verlegen wir den gang unserer Darstellung daher um vierundzwanzig Stunden zurück auf den Nachmittag des 24. September, nachdem wir für Diejenigen unserer Leser, welchen nicht ein Plan der Umgegend von Sebastopol zur Hand ist, eine kurze aber notwendige Scizzirung des Terrains und der Festung gegeben haben.

Sebastopol liegt, wie früher erwähnt, vierzehn Stunden südlich von Eupatoria an einem vorspringenden, durch eine tief einlaufende, nach rechts und links sich in arme verzweigende Meeresbucht gespaltenen Vorgebirge. Die Bucht ist auf der Nord- und Ostseite von ziemlich hohen Bergen gebildet und umgeben, auf der Südseite erhebt das Ufer sich am Eingang gleichfalls schroff und hoch, weiterhin aber bildet es mehr einen Kessel, von Schluchten durchschnitten, der sich nach und nach zu einem amphiteatralischen Plateau erhebt. In das östliche Ende der Bai ergiesst sich der aus dem Südosten kommende in seiner ganDas nördliche Ufer Sebastopols geht in einer gegen Auf der Südseite bildet die äusserste Bucht nach der r i e , dann der H a n d e l s h a f e n und auf dessen östlicher Seite das bedeutende F o r t S t . N i c o l a s . Zwischen diesem und dem folgenden F o r t S t . P a u l buchtet tief in das ansteigende Bergland hinein der K r i e g s h a f e n , sich wieder abzweigend östlich in das Bassin zur Ausbesserung der Schiffe, die sogenannte S c h i f f s b u c h t am Arsenal, westlich in den grossen M i l i t a i r h a f e n , der fast bis zu den äussersten Befestigungen der Stadt in's Land hineinläuft. über das Fort Paul und die Ringmauern hinaus erstreckt sich die K a r a b e l n a j a oder Schiffervorstadt. An der östlichen Seite des Militairhafens liegen die neue Admiralität, Kasernen, das Arsenal, prächtige Docks und das grosse Hospital, an der westlichen die alte Admiralität und die Promenade mit dem Denkmal Kazrky's.

In dem über die Quarantaine-Bucht hinaus sich

scharf in das Meer hineinziehenden und dann nach der Südspitze der Krimm zu wieder einbiegenden land liegen, ausserhalb der Verteidigungslinie von Sebastopol, zunächst die Schützenbucht (StreletzkaBucht), die Kamiesch- und Kasatsch-Bai. Die äusserste Spitze des Landes nach Westen bildet das Cap Chersones. Grade unterhalb des Kriegshafens im Süden dieses, die Halbinsel Sebastopol bildenden Vorsprungs der Krimm liegt die ziemlich enge, aber vollkommen geschützte Bucht von Balaclawa. Eine Strasse geht von dort nach Süd-Sebastopol, eine andere über die Tschernaja nach der Nordseite und rechts in das Innere nach Baktschiserai.

Diese kurze Uebersicht wird vorläufig genügen. – –

Am Bjelbeck-Ufer, im Angesicht der Citadelle und der Nordforts lagerte die alliirte Armee, die Franzosen den rechten Flügel an der See bildend, die englische Kavallerie bis zum Ende der Bucht ihre Pikets vorschiebend. Die Türken bildeten die Reserven und hielten die Strasse nach Eupatoria besetzt.

Es war um Mittag, als man von den Höhen des Ufers einen kleinen Dampfer von Westen her die See durchschneiden und mit dem französischen Admiralschiff Signale tauschen sah, worauf das Dampfschiff seinen Weg gegen das Ufer so weit als möglich fortsetzte, ein Boot in See liess und nach dem Ausfluss des Beljbeck sandte. Der landende Marine-Offizier fragte nach dem Marschall und eilte, zurechtgewiesen, nach dem Zelt desselben, das in einiger Entfernung unter einer Gruppe von Korkbäumen aufgeschlagen war. Die überbrachten Depeschen schienen Wichtiges zu entalten, denn trotz des seit der Almaschlacht bedeutend verschlimmerten Zustandes des Marschalls, eilten bald darauf Adjutanten nach verschiedenen Seiten davon, die Führer der Armee zum Kriegsrat zu berufen.

In einem jener Täler, die sich schluchtenartig zur Bai von Sebastopol auf der Nordseite hinziehen, weit über die russischen Befestigungswerke hinaus lagerte ein englisches Dragoner-Regiment: die Vedetten und Posten auf den Höhen, einzelne Patrouillen ab- und zureitend, im grund die Pferde zusammengekoppelt, an den süssen Gräsern und Kräutern, dem Laub der wilden Feigenbäume und Rankengewächse nagenddie Soldaten in Gruppen umherlagernd, Kaffee kochend, ihre Waffen putzend, oder mit jener stoischen Ruhe des echten Briten um einen lustigern Kameraden versammelt, den das grüne Irland geboren, und der der Gesellschaft ein heiteres Lied oder eine wunderbare geschichte zum Besten gab. Im Vorübergehen lauschte selbst mancher der Offiziere der lustigen geschichte Pad's, ehe er zu seinem Kreise zurückkehrte.

Das Bivouak und Feldleben hatte, nach den kurzen Unannehmlichkeiten der Tage und Nächte der Landung noch nicht jene rauhen Seiten gezeigt, die später die Armee in vollem Maasse kosten sollte. Man hatte, allerdings mit schweren Verlusten, einen grossen Sieg erfochten, man hoffte auf weitere leichte Triumphe, man lagerte in einem der schönsten Klima's der Welt, unter Sonnenschein und Pflanzenduft, und das Auge, an die grauen Dinten des Nordens gewöhnt, schweifte über das Grün der Weinberge, der Feigen und Olivenwälder, die schlanken Cypressen und breiten Platanen auf die blaue glänzende Fläche des Meeres. In einiger Entfernung unter ihnen lag die Russenstadt Sebastopol, mit den Forts