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"So treffen Sie Ihre Anstalten, meine Herren, denn wir brechen diese Nacht noch auf." – Der Fürst erhob sich und trat im Vorbeigehen zu den beiden Vice-Admiralen. – "Ich bin ein Seemann, wie Du, Petrowitsch," sagte er, "aber der Kaiser hat Ssewastopol mir anvertraut und die Flotte ist nur ein teil von ihm. Wir dürfen den Engländern keinen Seesieg weder hier noch in Kronstadt gönnen."

Der Vice-Admiral verbeugte sich kalt. – "Euer Durchlaucht werden mir gestatten, nach Petersburg zu berichten?"

"Wie Sie wollen, Herr Vice-Admiral, bis zur Entscheidung des Kaisers aber werden Sie meine Befehle befolgen."

Keine Muskel zuckte in dem harten, ehernen Gesicht, als er sich von ihm wandte.

In dieser Nacht, der Nacht vom 24. zum 25. September, überschritten die Truppen die Tschernaja auf der Traktir-brücke, schlugen den beschwerlichen Weg nach der Meierei Mekensi ein und gelangten am Morgen des 25. nach einem mühevollen Marsche auf die Strasse nach Baktschiserai, wo der Fürst bei dem dorf Otarkioi eine solche Stellung einnahm, dass er die Verbindung mit Perekop unterhalten und die Verbündeten im rücken bedrohen konnte, sobald diese gegen die Nordforts Etwas unternahmen.

Der Tag war trübe und stürmisch gewesen, erst am Abend klärte sich das Wetter auf. Es war 8 Uhr, als durch das Tor an der Mastbastion Fürst Iwan Oczakoff mit seinen sieben Kosacken die Stadt verliess und auf dem Wege, der nach Balaclawa führt, vorwärts trabte.

Während des Tages hatte sich in der Stadt die Nachricht von einem Gefecht verbreitet, das zwischen der Kavallerie der Alliirten und der Nachhut der Colonne des Fürsten Menschikoff vorgekommen sein sollte, doch fehlten nähere Nachrichten darüber. Gegen Abend glaubte man vereinzelten Geschützdonner in der Richtung nach Süden gehört zu haben, doch achtete man dessen nicht, da dort unmöglich ein Feind stehen konnte, auch war der Schall bei dem starken und ungünstigen Wind zu undeutlich.

Der kapitän war von dem Fürsten zurückgelassen worden, um über die Ausführung der befohlenen Massregeln Rapport zu bringen und der Kommandant beorderte ihn am Abend, nach dem zwei Meilen entfernten Balaclawa zu reiten, um den Obersten Manto, den Kommandanten der kleinen halbverfallenen und nur von 110 Mann und 4 kleinen Mörsern verteidigten Festungswerke zu erinnern, auf seiner Hut zu sein, da man im Laufe des Tages mehrere Schiffe der Alliirten hatte nach Süden sich dirigiren sehen.

Die Nacht war eingetreten über dem Ritt des Capitains, der eine besondere Vorliebe für den alten Kosackenführer gefasst hatte, und sich von ihm Abenteuer seiner Jugend erzählen liess. Die Reiter begannen eben von dem hohen Plateau herabzusteigen, das sich etwa eine halbe Meile von der Küste nach Ssewastopol zu erhebt, und aus einem Hohlweg hervorkommend, hatten sie Ufer und Meer vor sich.

Alsbald fasste der greise Kosack den Zügel des Fürsten und sein Arm deutete auf die felsige Ebene hinunter, von der breite Schluchten sich in das Meer senkten. In einer derselben lag Balaclawa. Ein Kranz von Feuern schien sich rings umher zu ziehen.

"Um der Heiligen willen, Gospodinkeinen Schritt weiterwas bedeuten diese Feuer?"

Der junge Mann starrte erstaunt auf das seltsame Schauspiel, das sich etwa eine Viertelstunde entfernt vor ihm zeigte. Man konnte deutlich mit blossen Augen bemerken, dass die Feuer von Menschenmassen umlagert waren. Balaclawa selbst, am Eingang der Schlucht liegend, schien in Licht zu schwimmen.

"Und dort!" – Der Kosack wies nach dem Meereauf der Höhe über die Felsen der Ufer hinweg sah man zahlreiche Lichter in schwankender Bewegung.

"Vorwärtswir müssen uns überzeugen, was dort vorgeht!"

Der kapitän gab seinem Ross die Sporenaber eine kräftige Faust fiel ihm in die Zügel und vor ihm richtete sich wie aus der Erde gestiegen eine lange dunkle Gestalt empor.

"Zurück, Fürst Iwan Oczakoff!" sagte der Fremde mit dumpfer stimme, "Dein Leben gehört dem Vaterland!"

"Mensch, wer bist Du, der Du mich kennst?" – Seine Hand griff nach der Pistole.

"Lass stecken, KindDu wenigstens hast kein Recht auf mich, wenn auch M i c h a e l d e r T a b u n t s c h i k aus der Steppe von Borislaw nicht sein Brot mit Dir geteilt hätte."

"Der Rosshirtso wahr ich lebe! Wie kommst Du hierher, Alterwas geht dort vorwas bedeuten die Feuer um Balaclawa?"

"Sie leuchten Gefahr, Knabe! die Engländer und

Franzosen lagern dort unten, Balaclawa ist in ihren Händen, ich, ich habe sie dahin geführt durch die Gebirge, und zum zweiten Male ruht der Fluch jedes Russen auf dem Haupt des ewig Verdammten! – Eil' nach Ssewastopol, Fürst, d e n n d e r F e i n d s t e h t v o r s e i n e n M a u e r n !"

(Schluss des dritten Teils.)

Fussnoten

1 Wirtshaus. 2 Oberst-Lieutenant. 3 General der Infanterie, der in der Almaschlacht unter Mentschikoff focht, nicht zu verwechseln mit dem nachherigen Oberbefehlshaber, General der Artillerie, Fürst Gortschakoff II. 4 etwa 1350 Schritt. 5 Es waren die Schiffe: "Heilige Dreieinigkeit" von 120, "Rostislaff" von 84, "Siseboli" von 40, "Zagosdich" von