an. – "Meinst Du, törichtes Kind! Ich sage Dir, mein Mund redet die Wahrheit, wenn ich Leichenberge ringsum verkünde, und dieses wasser zu unsern Füssen gerötet von Strömen Blutes. Der Geist zeigt mir nicht das Schicksal meines Fleisches, aber ich sage Euch, von Denen, die Ihr um Euch schaut, werden nur Wenige diesen Tag wieder erleben, wenn das Jahr gewechselt hat." ––––––––––––––––––––––––––––
Der grosse Conferenzsaal des Admiralitätsgebäudes war gefüllt mit höheren Offizieren, welche die Tafel in der Mitte umstanden, an der sieben oder acht der oberen Befehlshaber sich in eifriger Beratung befanden.
Die Mitte nahm der Oberst-Kommandirende Fürst M e n s c h i k o f f ein. Der Ausdruck dieses Kopfes passte ganz zu dem starren, stolzen, unbeugsamen charakter, den er als Staatsmann und Feldherr bewiesen. Das kleine, sarmatisch geschlitzte, graue Auge funkelte mit einer unbezwingbaren Willenskraft unter den buschigen weissen Brauen so tief aus der Kopfhöhle hervor, dass oft seine Form und Farbe kaum zu erkennen war. Die hohen Backenknochen zeigten die mongolische Abstammung, der festgezogene Mund mit dem breiten eckigen Kinn Kraft und unbändigen Stolz. Nur um die Winkel lag zuweilen eine Falte voll sarkastischen, in Augenblicken selbst gutmütigen Humors.
Um den General-Gouverneur von Taurien sassen und standen der General Fürst G o r t s c h a k o f f I.3, der Gouverneur der Stadt General L e r m o n t o f f , die Commandeure der Bezirks-Artillerie GeneralMajor Pichelstein und des Ingenieur-Corps, der Festungsbaumeister General-Lieutenant P a w l o f f s k i , die Chefs der 16. und 17. Infanterie-Division, die in der Almaschlacht gefochten, General-Lieutenants Kwizinski und K i r j a k o f f , der GeneralMajor T r u b n i k o f f von der 16. Artillerie-Brigade und die Commandanten der Festung und des Hafens, General-Lieutenant K i s m e r , Vice-Admiral Rogula und Vice-Admiral S t a n j u k o w i t s c h mit vielen Andern.
Die drei Commandanten des Geschwaders standen am Ende der Tafel. Vor dem Fürsten lagen die Festungspläne und eine Land- und Seekarte der Gegend.
"Die ersten Hilfstruppen," sagte er, "können selbst aus Kertsch und Feodosia kaum vor Mitte October hier sein, aus Nicolajef und Odessa dürfen wir sie erst zu Anfang November erwarten. Es gilt daher, so lange uns selbst zu helfen. Sie behaupten also, meine Herren, dass die Nordforts stark genug sind, der Belagerung zu widerstehen?"
"Ich bürge dafür, Durchlaucht," erwiderte der erste Commandant.
"Wie viel Mann brauchen Sie, um sich zu halten?"
"Zehntausend Mann."
"Ich werde Ihnen 8 Bataillone der Reserve-Brigade der 15. Division in Sebastopol lassen. Nachimoff, wie hoch rechnen Sie das gesamte Matrosen-Corps aller Schiffe in der Bai?"
"Mit den Hafen- und Arsenal-Arbeitern Zwölftausend, Durchlaucht."
"Gut. Sie werden nötigenfalls für die Südseite und zur Unterstützung der Forts genügen. So behalte ich ungefähr achtzehntausend Mann, um gegen die Belagerungsflanke des Feindes zu operiren."
Alle sahen den Fürsten erstaunt an.
"Euer Durchlaucht wollen die Stadt verlassen?" fragte General-Lieutenant Kismer.
"Es ist das Beste, was wir tun können, General. Ich denke noch diese Nacht über die brücke von Inkerman zurück zu gehen. Ich wäre am Besten gleich jenseits der Tschernaja geblieben. Hier wäre die Armee abgeschnitten, in der Stellung zwischen Baktschiserai und dem Beljbeck jedoch kann ich fortwährend die linke Flanke der Belagerer bedrohen."
Der tapfere Führer der 16. Division, General-Lieutenant Kwizinski, der, am Arm und Kopf verwundet, sich in den Kriegsrat hatte tragen lassen, nickte zustimmend.
"Wenn der Feind die Forts nimmt, ist die Flotte verloren," sagte mit harter stimme der Vice-Admiral Korniloff.
Der Fürst sah ihn finster und spöttisch an. – "Sie ist es auf jeden Fall. Gegen die viertausend Kanonen des alliirten Geschwaders können unsere Schiffe nicht aufkommen; wir müssen sie anderweitig so gut zu benutzen suchen, als es geht."
Die Augen der Offiziere wandten sich auf die drei Admiräle. Jeder konnte sehen, während der Fürst sich über die Karten beugte, wie Admiral Nachimoff das Blut in das Gesicht trat, als er die Hand auf den Tisch legte.
"Wie meinen Euer Durchlaucht dies?"
"Sie sollen sogleich meinen Plan hören. Wie gross ist die Entfernung zwischen Fort Constantin und Fort Alexander, Herr Hafen-Commandant?"
"Zweihundertvierzig Faden,"4 berichtete der ViceAdmiral Stanjukowitsch.
"Dann werden wir freilich mindestens sieben Schiffe brauchen. Es gilt vor Allem, meine Herren, der alliirten Flotte den Eingang in die Bai unmöglich zu machen und wir müssen dafür ein Opfer bringen. Ich beabsichtige, sieben unserer grossen Schiffe noch heute zwischen den Forts versenken zu lassen und so die Bai zu sperren."
"Das ist unmöglich, Durchlaucht!"
"Warum, Herr Vice-Admiral?"
"Weil ich Euer Durchlaucht als Admiral und Marineminister bitte," sagte Nachimoff mit sichtlich unterdrückter Bewegung, "der russischen Marine nicht die Schmach anzutun, dass man von ihr sagen könne, sie fürchte, mit irgend einer