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in Constantinopel zuschrieb. Das Dorf Burliuk, von den Russen angezündet, stand in vollen Flammen und der breite Flammengürtel verhinderte die Briten am geraden Vordringen. Zwei Regimenter der Brigade Adams forcirten eine Furt zur rechten Seite, während General-Major Pennefater mit dem 30., 55., 95. und 49. Regiment links das Dorf umging, von dem Feuer der russischen Schützen, des See- und Sappeur-Bataillons empfangen. Das Kärtätschenfeuer der englischen Artillerie warf die russischen Schützen aus dem dorf und den Weingärten und zurück auf das linke Almaufer. Jetzt sandte der Fürst den Befehl zum Abbruch der brücke. Die Stabs-Capitaine A n a n i t s c h und J a n i z i n führten ihn unter dem heftigsten Kugelregen in 32 Minuten aus.

Während so die Division Evans das Centrum stürmte, warf sich die leichte Division General Brown's auf den rechten russischen Flügel. General Codrington suchte eine Redoute zu nehmen und wurde zurückgeworfen. Das 7., 23. und 33. britische Infanterie-Regiment verloren fast die Hälfte ihrer Leute; General Buller mit der zweiten Brigade rückte zur Unterstützungaber ohne Erfolg; da sendet Lord R a g l a n die Division des Herzogs von C a m b r i d g e und sie überschreitet den Fluss. Die Garden unter Bentink ersteigen unter dem Kartätschenfeuer von 36 Geschützen die Höhen; vergeblich wirft der General der Infanterie, Fürst G o r t s c h a k o f f , welcher hier commandirt, Jäger und Artillerie in das Gefecht, die englischen Jäger besetzen die Weingärten, die Garde formirt sich in Front auf der Höhe und eröffnet ein verheerendes Bataillons-Feuer und die Brigade Pennefater und die Highlanders7 drängen das Centrum zurück.

Vergeblich auch stürzen sich das Jäger-Regiment des Grossfürsten Michael Nicolajewitsch und das Wladimir'sche Infanterie-Regiment drei Mal mit dem Bajonnet auf den Feind; die Engländer bewahren in dieser einzigen Schlacht des orientalischen Feldzugs ihren alten Ruhm, und von den Kugeln ihrer Jäger fallen die russischen Offiziere und die Kanoniere an ihren Geschützen.

Dem Fürsten Gortschakoff werden zwei Pferde unter'm leib getödtet, sein Mantel ist von Kugeln durchlöchert, der Commandant der 16. Division, General-Lieutenant Kwizinski, beide Brigade-Commandeure, zwei Regiments-Commandanten sind gefährlich verwundet, fast sämtliche Bataillons- und Compagnieführer sind getödtet oder kampfunfähig; das Wladimir'sche Regiment allein hat 49 Offiziere und 1500 Mann verloren, die Artillerie muss wegen Mangel an Bedienung ihr Feuer einstellen.

Auch der Verlust der Engländer ist gross. Unter der tödtlichen Kugelsaat, unter den wütenden Bajonnetangriffen der Russen bleibt kapitän Morton von der hochländischen Garde unberührt, – die Russen weichen, seine Kameraden spotten über sein zweites Gesicht.

Die Uebermacht der Alliirten durch die Zahl und die bessere Bewaffnung an Büchsen musste den Sieg erringen. Fürst Menschikoff, welcher fürchtete, von Sebastopol abgeschnitten zu werden, befahl General Gortschakoff, das Centrum und den rechten Flügel nach der zwei Werst südlicher gelegenen Position an der Katscha zurückzuführen. Hier stiess auch der linke Flügel dazu, der bis zum Augenblick des allgemeinen Rückzugs, also fast vier Stunden lang, den Stoss der sämtlichen vier französischen Divisionen ausgehalten hatte.

Das Jäger-Regiment des Grossfürsten Michael und die Trümmer des Wladimir'schen Regiments deckten den Rückzug der Artillerie. Obschon fast alle Artilleriepferde erschossen worden, blieben nur zwei Geschütze von der Batterie Nummer 1 der 16. ArtillerieBrigade in den Händen der Feinde. Der tapfere Commandant der russischen Artillerie, General-Major Kischinski, nahm auf dem nächsten Höhenrücken mit 24 Geschützen neue Stellung; das Wolinskische Infanterie-Regiment marschirte in Schlachtordnung auf und die Kosacken und Husaren warfen sich gegen die englische Kavallerie, die fast noch gar nicht am Kampfe teil genommen. Ebenso waren die Türken und die Division Catcart in Reserve geblieben.

Bei jener neuen Bewegung machten die Alliirten in ihrer Verfolgung Halt und der Fürst konnte seine Truppen bis an den Katschafluss zurückziehen. Während der Nacht überschritt die russische Armee den Fluss, bezog Bivouaks, ohne vom Feind beunruhigt zu werden, und passirte am Morgen die brücke von Inkerman. Die Russen hatten 1892 Mann an totendarunter 1 General und 46 Offiziere, 2698 Verwundete, darunter 3 Generale und 84 Offiziere, im Ganzen mit den Contusionirten und verwundet auf dem Schlachtfelde Gebliebenen fast 6000 Mann verloren. Der Verlust der Alliirten kann eben so hoch geschätzt werden, obschon ihn der officielle Bericht nur auf 4301 Mann angiebt, denn der Moniteur berichtete einige Wochen später, dass sich noch 2060 verwundete Engländer in den Hospitälern von Constantinopel befänden, und der Herzog von Cambridge schrieb nach der Schlacht in einem seiner Briefe nach London, dass, wenn die Engländer noch einen solchen Sieg erfechten würden, England keine Armee mehr habe. – – – – – –

Die Schlacht war zu Ende, auf den Höhen, die die britischen Garden genommen, lagerten, nahe den blutgedüngten Weingärten, die Garden des Brigade-Generals Bentink.

Es war Abend, die Gefahr vorüber, und kapitän Morton hatte bereits seiner Compagnie den Befehl gegeben, die Gewehre zusammenzustellen und das Bivouac zu bereiten. Mac-Griffin, der Adjutant des Generals, gratulirte eben spottend dem kapitän, dass dieser so glücklich dem Blutbade entkommen, glücklicher als er selbst, der den Arm in der Binde trug.

Plötzlich fiel ein Pistolenschuss aus einem nahen dürren Ginsterbusch und kapitän Morton, gerade durch das Rückgrat getroffen, sank leblos zu Boden.

Soldaten der Compagnie