1855_Goedsche_156_576.txt

St. A r n a u d war, trotz seiner Krankheit, am Morgen des Schlachttages zu Pferde gestiegen und hielt 13 Stunden im Sattel aus. Von dem rechten Flügel der Verbündeten drang die Division Bosquet auf dem beschwerlichen Uferweg vor. Die Divisionen Canrobert und Prinz Napoleon rückten mit ihrer Artillerie gegen das Dorf AlmaTamak; ihnen folgten als Reserve die 4. Division unter Forei, die Artillerie-Reserve unter Roujoux und die türkischen Truppen. Eine dichte Plänklerkette aus Zuaven, den Jägern von Vincennes und algierischen Schützen ging der Schlachtlinie voraus. Erst um 101/2 Uhr Morgens begannen auch die Engländer das allgemeine Vorrücken. Die Division Evans, von einer mit Stutzbüchsen bewaffneten Schützenlinie gedeckt, marschirte gegen das Dorf Burliuk; ihr zur Linken die leichte Division Brown. Die Division Catcart und die Kavallerie-Brigade des Lord Cardigan folgten dem linken Flügel als Reserve. Es war gegen Mittag, als sich an den Höhen am Meere ein lebhaftes Gefecht zu entfalten begann, indem die Franzosen die Position zu stürmen suchten. Zugleich begann die Flotte ihr Feuer, und wider Erwarten der Russen erreichten die Kugeln aus den schweren Geschützen ihre Truppen. Unterm Schutz dieses Feuers überschritt die Brigade d'Autemarre, das 3. Zuaven-Regiment an ihrer Spitze, die Alma nahe ihrer Mündung und warf sich in die Schluchten, die steil von der Höhe abfallen.

Das erste Bataillon unter Commandant Labrousse versuchte, die Höhen zu erklimmendas Feuer der vier russischen Bataillone warf es zurück.

Oberst d e B o n n e t ritt an das zweite Bataillon heran.

"Lieutenant-Colonel Méricourt, Sie haben da gelegenheit, das Patent des Kaisers einzuweihen und zu zeigen, was die Herren von der Garde können."

Der Vicomte salutirte stumm. Dann wandte er sich zu den Reihen seiner Tapfern, die unaufhaltsam im Sturmschritt vorgingen.

"Die freiwilligen Kletterer!"

zwölf Mann sprangen vorzwei davon grosse Katzen im linken Arm, in dem zugleich das leichte Gewehr ruhte; F r a n ç o i s B o u r d o n , das Mitglied der Marianne, unter ihnen.

Der Führer zeigte mit der Säbelspitze nach oben; die steile schroff abfallende Wand schien unerklimmbar. Einige Augenblicke standen die kühnen Wüstenkrieger und starrten die 100 Fuss hohe Felswand an, während die Kugeln der Russen in das Regiment schlugen. Ein bärtiger Corporal wandte sich zu dem jungen Pariser:

"Einen Kuss von Deiner hübschen Schwester, wenn ich dir den Weg zeige?"

"Sapristi! Sie wird mich auslösen! Zeige Deine Kust."

Der Corporal streichelte im Kugelregen seine Katze:

"Madame Minette, Sie werden mich nicht um einen Kuss von Mademoiselle Bourdon bringen. En avant, meine Teure!"

Er warf sie gegen die Bergwand; einen Augenblick besah sich die Katze die Wand und versuchte hinauf zu klettern, dann rannte sie an den Abhang entlang nach dem Meer zu. Ein heiteres Gelächter der ganzen Reihe und verschiedene ermunternde Zurufe begrüssten sie. Dann liefen in geübten Sprüngen die zwölf Vorkletterer ihr nach und verschwanden um eine Felswand. Gleich darauf erschien die Gestalt des jungen Parisers am Vorsprung und schwang den Fess.

"Sie haben den Weg," rief kapitän P a r g u e z .

"Vorwärts, meine Braven!" kommandirte der Oberst. "Lalanne, nehmen Sie die Spitze. Vorsicht, meine Herren; Ruhe!"

Er war vom Pferde gesprungen, das Bataillon bereits an der Felswand, die nach der See abfiel. Einige tiefe Gerinne, die das Regenwasser seit Jahrhunderten hinein gerissen, gingen bis zum Plateau. Das war der Weg, den die Katze genommen. Auf der Hälfte der Höhe sah man bereits die zwölf Zuaven kletterneinen Augenblick nachher war die ganze Felswand mit den roten Fess's, den blauen Jacken der kühnen Männer bedeckt.

Das erste Bataillon hatte sich wieder gesammelt; das dritte versuchte eben den Aufgang, als sein Commandant fiel.

"kapitän d e L a r a , Sie nehmen das Commando! – Vorwärts!" befahl der General d ' A u temarre. –

Wie die Katzen selbst kletterte die tolle Schaar an der Felswand hinauf, jeden Strauch, jeden Spalt benutzend, oft Einer auf den Schultern des Andern:

Erst das "Vive l'Empereur!" das von der Meeresseite her donnerte, belehrte die Russen, dass der unersteigbare Wall erstiegen, das Unmögliche möglich geworden war.

Die Brigade Bouat sollte die Zuaven und afrikanischen Jäger d'Autemarre's unterstützen, aber sie konnte das Terrain nicht so rasch überwinden und verlor ihre Verbindung. Das dritte Zuaven- und das fünfzigste Linien-Regiment und das Bataillon der afrikanischen Jäger, welche die Höhe gewonnen, befanden sich jetzt abgeschnitten und in schlimmer Gefahr, denn das Moskauische Regiment und zwei leichte Batterieen eilten der linken Flanke der russischen Stellung zu Hilfe und die Geschütze nahmen, trotz des heftigen Feuers der Schiffe, Stellung am Rand des Plateau's und eröffneten ihr Feuer gegen die FranzoDer Marschall sah die Gefahr seiner linken AnDas schaffte den Verwegenen auf dem Plateau n o f f , der Führer des Moskauischen Regiments, sanken in ihr Blutfast sämtliche Bataillons- und Compagnie-Commandanten beider Regimenter wurden in diesem wütenden Kampfe verwundet.

Auf der Höhe an der Strasse von Eupatoria hielt der Fürst mit seinem Generalstabe, die Schlacht beobachtend. Das finstre, trotzige Gesicht blieb den Engländern zugewandt, die er persönlich hasste und deren Intriguen er all' sein Misslingen