1855_Goedsche_156_574.txt

grossen Wassermangel.

Am 19. begann das Vorrücken der Verbündeten, die Engländer auf dem linken, die Franzosen auf dem rechten Flügel, die Türken in der Reserve. Die Kavallerie des Lords Cardigan drängte die Vorposten der russischen Stellung zurück und es entstand ein kurzes Plänklergefecht, worauf die Verbündeten Halt machten und an dem kleinen Flüsschen Bulganak, sieben Wersts6 von der Alma entfernt, für die Nacht bivouacquirten. ––––––––––––––––––––––––––––

An einem Bivouacfeuer der englischen Linie sassen gegen 11 Uhr Nachts noch mehrere Offiziere der schottischen Garde-Füsiliere und von Goldstream, im Gespräch über die Vorbereitungen zur Schlacht die Rückkehr ihres Führers von dem grossen Kriegsrat erwartend, der in dem Hauptquartier des Marschalls, einem tatarischen Hof, gehalten wurde. Andere lagen, in ihre Mäntel gehüllt, am Boden und schliefenvielleicht den letzten Schlaf.

Am Bivouac entlang im Nachtnebel kam eine Reitergruppe.

"Da sind die Schotten, Herr Kamerad," hörte man eine tiefe stimme sagen; "der kapitän muss dabei sein; Mac-Griffin wird Sie führen. Gute Nacht; auf glückliches Wiedersehen morgen auf jenen Höhen dort."

Die Offiziere waren aufgesprungen, sie hatten die stimme ihres Befehlshabers, Lords Bentink, erkannt und salutirten, während er vorüber ritt. drei Offiziere, die sich von der Begleitung des Generals getrennt, kamen näher; zwei Franzosen waren darunter.

"Befindet sich kapitän M o r t o n von den Füsilieren bei Ihnen, meine Herren?" fragte der Adjutant.

"Ah, Sie sind's, Griffin! willkommen; da werden wir hoffentlich Neuigkeiten hören."

"Da liegt der kapitän schon seit einer Stunde und schläft, wie es scheint, ziemlich unruhig."

"Goddam! wie kann man so faul sein, wenn ein Dejeuner von Kanonenkugeln und kaltem Stahl uns erwartet. Der Angriff auf die Russen ist beschlossen, ich bringe bereits die Dispositionen für die Garde. Aber wecken Sie den kapitän, hier sind zwei französische Bekanntschaften von ihm, die ihn zu sprechen wünschen."

Die beiden Fremden waren zu Fuss und grüssten höflich die Gesellschaft; es waren der Vicomte und der deutsche Arzt. Aber es war nicht nötig, kapitän Morton zu wecken, denn plötzlich fuhr er, der etwas abseits lag, aus dem Schlafe empor, sprang auf und schlug mit dem Degen in der Scheide, den er im Arm gehabt, heftig in die Luft.

Die Offiziere umher brachen in ein lautes Gelächter aus.

"Sie träumen, kapitän; wir fechten erst morgen mit den Russen!"

Der Eine schüttelte ihn am Arm; der Schein des Feuers beleuchtete das blasse Gesicht des Briten, der mit wirren, offenbar noch von den Phantasieen des Traums erregten Blicken um sich starrte.

"Wo ist der Hellblaue hin? ichsah ihn deutlich, wie er das Pistol hinter mir hob – –"

"Sie haben geträumt, kapitän, und sind hier unter lauter ehrlichen Rotjacken, bis auf die beiden Herren da, die Sie zu besuchen kommen. Selbst unsere Feinde tragen grüne Uniformen."

Der Offizier fuhr mit der Hand über das Gesicht, wie um seiner Sinne wieder vollständig Herr zu werden.

"Es schüttelte mich auf aus dem Schlafich sah ihn so deutlich vor mir, dass es kaum möglich ist, dass ich geträumt. – Ah! Sie, Vicomte, und Sie, mein alter Freund! Willkommen im Leben, das Sie für alle Leiden und Gefahren, die Sie bestanden, entschädigen möge."

"Ich komme," sagte der Arzt, "da bis jetzt mich immer Amt und Entfernung hinderten, Sie aufzusuchen, um Ihnen am Vorabend eines Tages, der uns leicht für immer trennen kann, meinen Dank zu sagen für die freundliche Teilnahme und Hilfe, die Sie, wie ich erfahren, meinem Schicksal gewidmet haben."

Der kapitän reichte ihm beide hände.

"Ich war gewissermassen schuld an Ihrer Verurteilung und hätte es mir nie vergeben können, wenn jenes schmähliche Urteil vollzogen worden wäre, von dessen Unrecht ich von Anfang an überzeugt war."

"Der Prozess unseres Freundes," fügte der Colonel ein, "ist auf Betreiben des Generals Espinasse revidirt und er ist völlig freigesprochen worden. Sein Hauptankläger weigerte sich, nochmals gegen ihn aufzutreten."

"Ich danke das eben Ihrer freundlichen Bemühung, Vicomte," sagte der Arzt, "so gut wie die Bestätigung meiner Anstellung in Ihrem Regiment durch den Marschall."

Im Kreise der Offiziere wurde zugleich der Name genannt. Der Adjutant erzählte, dass der Obercommandant alle Vorbereitungen zum Kampf seinem Generalstabe habe überlassen müssen. Lord Raglan und General Martimprei hätten in Gegenwart des Marschalls die Gefechtsdispositionen entworfen, wobei derselbe kaum im stand war, durch Zeichen an der Beratung teil zu nehmen.

"Im Kriegsrat," fuhr er fort, "ist beschlossen worden, durch einen gleichzeitigen Frontalangriff beide Flanken des Feindes zu umgehen. Die Franzosen werden gegen den linken Flügel, wir gegen den rechten operiren. Unsere Truppen werden in doppelten, aneinander stossenden Colonnen vorgehen, die Front aus zwei Divisionen wird von Tirailleurs und reitender Artillerie gedeckt. Die zweite Division unter Lach Evans bildet, wo wir jetzt lagern, unsern rechten Flügel und schliesst sich an die Division Napoleon's. Sir George Brown nimmt den linken Flügel, Evans stützt sich auf Sir Richard England, Brown auf die Division des Herzogs von Cambridge und Sie werden morgen mit Tagesanbruch in diese Stellung rücken, meine Herren. Catcart und die Kavallerie unter GeneralMajor