1855_Goedsche_156_571.txt

Flaggenschiff des Admirals in die Höhe und da kommt auch meine Depesche. Werden Sie mit an's Land gehen, Vetter?"

"Ich werde vorläufig bei kapitän Warburne bleiben."

"So leben Sie wohl und beeilen Sie sich mit Ihrer Genesung, um unserem Siege beiwohnen zu können."

Er sprang in's Boot. Aller Augen und Aller Interesse an Bord war jetzt von der beginnenden Ausschiffung auf dem linken Flügel in Anspruch genommen.

Man konnte deutlich durch das Fernrohr die Operation verfolgen. Die Ausschiffung des bestimmten Corps von 10,000 Mann erfolgte zwischen Cap Baba und der kleinen Stadt Eupatoria. Zwei französische, zwei englische Regimenter und 3000 Türken wurden in der Zeit von zwei Stunden an's Land gebracht. Die Boote und Fähren lagen seitlängs der Schiffe, die ungefähr 1600 Ellen sich vom Ufer befanden und an deren Bord die Mannschaften in Abteilungen geordnet standen, wie sie mit ungeladenen Gewehren in vollem Marschgepäck die Boote betreten sollten. Sobald ein solches seine Ladung hatte, setzte es sich gegen den Strand in Bewegung, bis auf die Entfernung von etwa 50 Ellen, wo die Mannschaften in's flache wasser traten und nach dem Ufer wateten, auf dem sofort die Aufstellung erfolgte. Die Pferde wurden an den Schiffswinden aus dem Raum gehoben, in See gelassen und dort von den Gurten befreit, um nach dem Ufer zu schwimmen oder zu waten, wo man sie auffing.

Das Ganzedas Vorspiel des nächsten Tagesgewährte ein überaus belebtes Schauspiel. Ein französisches Jäger- und ein englisches Rifle-Bataillon waren die ersten am land, Zuaven und Türken folgten. Sobald ein Bataillon festen Fuss gefasst, wurden Tirailleurs vorgeschickt, aber nirgends zeigte sich ein Feind, bis auf einige vereinzelte Kosacken, die sich in angemessener Entfernung hielten. Man glaubte, dass sich die russische Besatzung in Eupatoria zum energischen Widerstand rüste, und General Yussuf ging mit 4000 Engländern, Franzosen und Türken vor, um dir Stadt zu stürmen, als die Plänkler die überraschende Nachricht brachten, dass sie so gut wie verlassen war.

Auf die Meldung hiervon wurde beschlossen, nur ein zur Besatzung genügendes Corps, das sofort zugleich die Befestigung der Stadt beginnen sollte, hier zurückzulassen und die weitere Ausschiffung südlicher vorzunehmen. Während der Nacht lichteten die Schiffe die Anker und segelten an der Küste hinab in die Bai von Kalamita. Die "Ville de Paris" legte sich um 7 Uhr Morgens dem alten Fort gegenüber und die ganze Flotte in der vorher bestimmten Ordnung um sie her. Um 8 Uhr gab der französische Admiral das Signal zur Ausschiffung, um halb 9 Uhr wehte die erste französische Flagge am Ufer; General Canrobert und der Contre-Admiral Bouet-Villaumez pflanzten auf der Küste die drei Flaggen auf, welche die Ausschiffungspunkte für die drei Divisionen bezeichneten. Eine halbe Stunde darauf war die ganze erste Division gelandet; die Feld-Artillerie wurde dabei in Barken ausgeschifft. Um Mittag war die ganze französische Armee mit 20 Feldgeschützen am Ufer, am Nachmittag wurden Pferde, Kanonen und Gepäck an's Land gebracht. Sobald die Colonnen sich formirt hatten, schickten sie Tirailleurs voran und debouchirten das Ufer hinauf.

Die Engländer begannen ihre Ausschiffung um 93/4 Uhr und setzten sie mit Bequemlichkeit fort, so dass am Abend erst die Infanterie gelandet war.

Es war der Jahrestag des Einzugs in Moskau. Wie am Tage vorher liess sich kein Feind sehen, um die Landung zu verhindern. Nur ein einzelner Offizier, von einigen Kosacken gefolgt, hielt ruhig und beobachtend am Strande, schien sich ausführliche Notizen zu machen und zog sich erst zurück, als die ersten Truppen landeten. Auch da noch sah man ihn mit grosser Kühnheit und Ruhe in der Entfernung etwa eines Minié-Schusses verweilen und seine Beobachtungen fortsetzen. Da man noch keine Kavallerie am Ufer hatte, wurde kein Versuch zu seiner Gefangennahme gemacht.

Wir haben erwähnt, dass die Engländer ihre Landung erst begannen, nachdem bereits ein teil der französischen Infanterie ausgeschifft war. Einer der ersten am Ufer war General B r o w n und er begann sofort mit seiner gewöhnlichen Furchtlosigkeit und Gleichgültigkeit gegen Gefahr die Schlucht hinauf zu steigen, welche den Bach in's Meer führte, und die in verschiedenen Wendungen in das sich nach und nach hebende Land hineinlief.

In seiner Begleitung befand sich allein der GeneralQuartiermeister A i r e y und Beide waren so eifrig in ihrem Gespräch, dass sie nicht bemerkten, wie weit hinaus sie die Linie der Vorposten überschritten.

Die Flanke der französischen Position nahm an dem Klippenhügel, auf dessen Höhe die Ruinen des genuesischen Castells sich befanden, zunächst der englischen Ausschiffung, das dritte Zuaven-Regiment ein. Die Mannschaften hatten ihre Gewehre zusammengestellt, jedoch die Ordre, beisammen zu bleiben. Plänkler waren durch die Ebene zerstreut und drangen langsam vor.

Auf der halben Höhe des Hügels, der mit Offiziergruppen jeder Waffengattung besetzt war, stand der Stab des Regiments um Oberst P o l k e s versammelt, teils über die Ausschiffung und die nächsten Schritte der Armee verhandelnd, teils dem Landen der Engländer zuschauend; unter ihnen der Lieutenant-Colonel Vicomte de Méricourt.

"Haben Sie über die Operationen Näheres gehört, L a b r o u s s e ?"

Der Commandant des ersten Bataillons zuckte die Achseln.

"Ihr Freund Sazé wird Besseres wissen. Ich sehe ihn dort den Hügel herauf kommen."

Der Ordonnanz-Offizier des Prinzen benutzte in der Tat einen freien Augenblick, um den Freund aufzusuchen,