beherrschte den Carawanenweg. Fürst Bebutoff schlug Zarif-Pascha bei Kurukdere auf's Haupt; aber die englischen Intriguen und englisches Gold, welche Schamyl bis unter die Mauern von Tiflis führten, nötigten die Sieger, sich gegen diesen Feind zu wenden.
Im Norden hielt unterdessen die englisch-französische Flotte die Ostsee occupirt und englische Schiffe begannen jene Plünderung und Zerstörung unbeschützter Küstenstädte, die als eine ewige, aber keineswegs vereinzelte Schande auf der britischen Kriegsgeschichte haften wird. Wir führen als einziges Beispiel der englischen Humanität an, dass die Mannschaft einer Fregatte v i e r z i g Frauen und Mädchen von einer der Alandsinseln auf ihr Schiff brachte, acht Tage lang sie zur Fröhnung ihrer Gelüste mit umher schleppte und dann die Unglücklichen fern von ihrer Heimat wieder an's Land setzte.
Aber es waren ja bloss Russen, gegen die man sich dergleichen schon erlauben darf!
Am 16. August bombardirte die vereinigte Flotte das einem solchen Angriff keineswegs gewachsene Bomarsund und die französischen Landungstruppen unter General Baraguay d'Hilliers zwangen den Kommandanten, General Bodisco, zur Uebergabe. Man zog diese einer spartanischen Aufopferung vor. – Die Befestigungen der Alandsinseln, offenbar von der russischen Politik bestimmt, später ein Zwingpontus der Ostsee zu werden, waren noch im Entstehen begriffen; die Station dieser Inseln aber, wie wir bereits bei einer früheren gelegenheit bemerkten, galt für die Truppen in Petersburg als der nordische Kaukasus, das heisst, als eine Art Exil. Es muss anerkannt werden, dass die Zerstörung Bomarsunds und die spätere Friedensclausel, welche die Befestigung der Alandsinseln verbietet, die nordeuropäischen Staaten vor einer grossen politischen Gefahr oder wenigstens Bevormundung befreien kann.
Am 20. August war eine österreichische Armee in die Walachei eingerückt, Halim-Pascha schon am 8. mit einem türkischen Corps in Bukarest angekommen. Omer-Pascha folgte ihm mit 25,000 Mann am 22., und Fürst Gortschakoff, der nach der Abreise des greisen Fürsten von Warschau wieder allein das Obercommando führte, räumte zu Ende des Monats vollständig die Moldau.
Durch die Besetzung der Walachei nach dem Abzug der Russen verfolgte das wiener Kabinet unter all' diesen politischen Wirrnissen eine eben so selbstständige als schlaue Politik, die bei dem Streit der drei grossen Nationen für die eigenen Interessen so viel als möglich im Trüben fischte. Am 6. September zogen die Oesterreicher in Bukarest ein. Oesterreichs Verlangen an den deutschen Bundestag, ihm auch bei einem weiteren aggressiven Vorgehen den rücken zu decken und seine Besetzung der Donau-Fürstentümer als eine deutsche Angelegenheit und für Deutschland unternommen zu schützen, scheiterte jedoch an der klaren und redlichen Politik des Königs von Preussen, der sich weigerte, den unter'm 20. April geschlossenen Allianztractat zu einer deutschen Mobilmachung gegen Russland ausbeuten zu lassen, um von dessen Bedrängniss Zugeständnisse für Oesterreich zu erzwingen, und der die Fürsten des deutschen Bundes bewog, allen Verdächtigungen Oesterreichs, allen Drohungen der englischen und französischen Presse gegenüber sich seiner strengen Neutralität anzuschliessen.
Preussens Ehrlichkeit rettete Russland – das ist eine Tatsache, die erst die spätere geschichte würdigen wird. Den Dank – – ––––––––––––––––––––––––––––
Goldener Sonnenschein lag über dem Pontus, dessen Wogen sich gleich der Brust eines Riesen hoben, bedrückt von einer, ungewohnten Last.
Auf dem Hinterdeck der Fregatte "Niger", nahe dem Steuer, stand ein bleicher Mann, die Hand auf die Wandtaue gestützt, und schaute auf das Gewühl ringsum, das den Spiegel des Meeres bedeckte, – auf die flache Küste, die sich von hohen Bergplateau's im Osten und Süden her hier in Steingerüll in das blaue Meer verlief.
Es war der dreizehnte September, der Jahrestag der Schlacht an der Moskwa; – eine Armada, zahlloser und stolzer als die des spanischen Philipp's, bedeckte das Meer; – die Küste vor den Augen des Mannes war die Küste von Eupatoria, die Bai von Kalamita, und der Mann mit dem kranken bleichen Gesicht der englische Baronet Edward Maubridge.
Das Verdeck des "Niger" war dicht gefüllt mit Offizieren und Soldaten des 42. englischen InfanterieRegiments von der Brigade des Generals Campbell. Das Feldgepäck lag an den Seitenwänden hoch aufgetürmt, zwischen den dichten Gruppen der Soldaten bewegte sich oft nur mühsam das Schiffsvolk und nahm sich wenig in Acht, bei gelegenheit durch einen Tritt oder Stoss seinen Groll an den verachteten Rotjacken und Landratzen auszulassen, die seine Decke ungangbar machten. Einzelne Weiber, dieser unvermeidliche Balast englischer Truppen, befanden sich im Vorderschiff.
Um den kranken Baronet drängte und lärmte es von Offizieren, die mit kapitän Warburne über die Mittel ihrer Ausschiffung verhandelten und seinen Porter tranken.
Der Adjutant des Generals, der Befehle wegen der Ausschiffung gebracht und dessen Boot unten an der Falltreppe auf den blauen Wellen schaukelte, trat zu dem Baronet.
"Ich freue mich, Vetter," sagte er, "Sie so weit wieder hergestellt zu sehen, dass Sie Zeuge unserer ersten Operationen sein können. Wie ich hörte, wurden Sie durch das Messer eines griechischen Banditen in der Nacht des Lazaret-Brandes in Varna verwundet?"
"So ist es, kapitän W a l l e r . Zum Glück glitt der Stoss an den Rippen ab, nur das dazu getretene Fieber hat mich sechs Wochen an's Krankenlager gefesselt. Es ist das erste Mal, dass ich das Verdeck ohne Hilfe betrete, und wahrlich, der Anblick um mich her muss ein englisches Herz beleben."
Er war in der Tat grossartig. Die schwimmende Stadt bedeckte, in drei Linien formirt,