die Lanze eines Russen möge Ihnen ein besseres Ende geben, als meines!"
Er stürzte nach wenigen Schritten in Zuckungen zu Boden; der Vicomte liess ihn aufheben und zu den Chirurgen tragen. Die zurückkehrenden Leute meldeten, dass nur der Eine noch seinen Dienst erfülle, der Zweite aber sich gleichfalls in den Schmerzen der Krankheit winde.
Einen traurigen verzweifelnden blick warf der brave Commandant hinauf zu dem lichten, klaren Mittagshimmel, der so viel Elend überwölbte. Nicht die überzeugung entmutigte ihn, dass hier ihr Aller Grab gegraben – nur die bittere Empfindung, dass hie Krankheit ihr Sieger und Würger werde und die tapfere Schaar fast widerstandslos in die Hand des Feindes gegeben habe.
Und dieser liess nicht warten. In aufgelösten Reihen plänkelte die Hälfte der Kosacken und die Infanterie rings gegen den Lagerplatz der Franzosen, während das neu angekommene Regiment in geschlossenen Sotnien den günstigen Augenblick abzuwarten schien, um sich auf die Bedrängten zu werfen. Der Colonel liess im rücken, wo das fliegende Lager sich an die hintern Hügel lehnte, so gut es in der kurzen Zeit ging, durch das Aufwerfen eines Grabens und die Aufstellung der Araba's, welche das Gepäck und die Kranken bisher geführt, eine Art Verschanzung bilden, welche wenigstens von dieser Seite gegen einen Choc der Reiterei sichern konnte, und sandte die Hälfte seiner Spahi's gegen die Plänkler, die andern und die geschmolzenen Glieder der Zuaven gegen einen Massenangriff zurückbehaltend.
über die von hohem Steppengras bedeckte Ebene, die zwischen den zwei niedern Hügelzügen sich dehnte, entspann sich jetzt ein lebendiges Reitergefecht, in dem die Chancen ziemlich gleich waren, da beide Teile auf dieses Plänkeln und diesen Einzelnkampf gewöhnt und geübt waren. Nur hüteten die Kosacken sich, nachdem die Kugeln der Zuaven mehrere Sättel geräumt hatten, der Stellung dieser Gegner zu nahe zu kommen.
Eine Stunde mochte so vergangen sein, als der militairische blick des Colonels bemerkte, dass ein neuer Impuls unter die Russen zu kommen schien. Reiter sprengten auf dem Hügelrücken hin und her, die Signale riefen die Plänkler zum Sammeln und offenbar bereitete sich ein allgemeiner Angriff vor, der bei der Ueberzahl der Russen vernichtend wirken musste.
Dennoch wollte er Leben und Sieg so lange als möglich verteidigen und traf alle Anstalten zu einem kräftigen Empfange der Gegner. Das frühere Manöver konnte jetzt nicht mehr glücken und es galt, die Lanzenreiter festen Fusses zu empfangen. Der Colonel liess die Zuaven die Mitte und die Spitze des Halbkreises einnehmen, und die Spahi's die Seiten bilden.
Der Sturm kam und das zweite Kosacken-Regiment in vollem Galopp heran, während zwei Sotnien des andern rechts und links angriffen. Der Stoss war rasch und blutig, aber das regelmässige Feuer, die kecke sichere Haltung der Franzosen schlug noch einmal den Ansturm ab, während an den beiden Flanken der Stellung ein wildes Handgemenge entstand. Hierhin warfen die russischen Offiziere ihre Infanterie und der Vicomte sah, dass in wenigen Momenten der Kampf sich zu seinem Nachteil entscheiden musste.
In diesem Augenblicke vernahm er den unerwarteten Knall eines Feldgeschützes und das Pfeifen einer Kugel über ihren Köpfen hinweg. Ein zweiter und dritter Schuss folgten rasch dem ersten, bevor er noch Zeit hatte, sich aus dem Kampfgewühl los zu machen und von einer freien Stelle sich umzuschauen.
Die Kugeln waren gegen die vier Sotnien der Russen gerichtet, welche als Reserve vor den jenseitigen Anhöhen aufgestellt waren.
Von der Hügelwand über und hinter ihnen in einiger Entfernung qualmte der Rauch der Geschütze und blitzte das Feuer aus dem Pulverdampf, und auf den Anhöhen entlang jagten türkische Spahi's.
Hilfe in der Not – das konnten nur französische Feldgeschütze, die Avantgarde des Generals Yussuf musste in der Nähe sein – die Russen wussten davon und hatten einen letzten Coup versucht!
"Haltet Euch! Haltet Euch, meine Braven! Französische Hilfe rückt an!"
Aber es war zu spät – in demselben Augenblick durchbrach die russische Infanterie die gedehnte schwache Verteidigungslinie, die Kosacken folgten, und einige Minuten lang war das ganze so tapfer verteidigte Gelände eine wirre Masse von Kämpfenden, so dicht gedrängt, dass oft nur der Stoss des Säbelgriffs gegen den Feind gebraucht werden konnte. Pferde stürzten und traten ihre Herren unter die Hufe, über Kranke und Sterbende ging das Gewühl schonungslos hinweg, Reiter und Infanteristen kämpften neben- und miteinander, oft nicht den Freund vom Feind unterscheidend, Weh- und Wutgeschrei, der donnernde Siegesruf der Russen, das herausfordernde Kampfgeschrei der Franzosen, der Jammer der Sterbenden und Zertretenen, dazwischen die zum Rückzug rufenden russischen Signale – –
Mit Mühe gelang es endlich den russischen Offizieren, ihre Mannschaften aus dem Gewirr zu lösen und sie zurückzuführen. Aber der Rückzug löste sich bald in wilde Flucht, denn in Masse schwärmten jetzt die Spahi's des französischen Generals heran und von den näher gekommenen Geschützen hagelten Kartätschen und Granaten über den Steppengrund. Erst auf den jenseitigen Höhen, wo die vier Sotnien die Reserve bildeten, sammelten sich die Regimenter und traten, von der türkischen Reiterei umschwärmt, einen langsamen Rückzug an.
Auf der Stätte des kurzen aber blutigen Kampfes lagen die Leichen, Verwundeten und Kranken wüst durcheinander, Menschen und Pferde, die verstümmelten, von den Hufen der Pferde zertretenen Opfer der Seuche neben den Opfern des Säbels und der Lanze, Zuaven, Spahi's und Russen. Wer verschont geblieben von dem blutigen Gemetzel, selbst die Verwundeten und Kranken, schleppte sich jubelnd den Rettern entgegen, die jetzt in geschlossenen Colonnen, den General mit seinem Stabe voran, über