Steppe vordrang. Die Tirailleurs hatten dem Commandanten angezeigt, dass in der Entfernung von einer Viertelstunde ein tartarisches oder bulgarisches Dorf zu liegen scheine, und der Vicomte, abseits des Yussuf'schen Corps detaschirt, hatte die Stelle zum Bivouac bestimmt.
Bei der Ankunft fanden sich in der Tat mehrere halb zerstörte, von Lehm und Binsen errichtete Erbhütten, die sonst den Aufentalt jener wenigen aber genügsamen Menschen bilden, welche Gegend bewohnen.
Die Hütten waren leer, nur in einer derselben fand man – was seit vielen Meilen nicht geschehen war – drei der geängsteten Bewohner des Landes in ärmlicher Tracht.
Es war ein Mädchen von hoher schlanker Figur, schönen Zügen und braunem Teint, das ruhig und zurückhaltend an dem ärmlichen Lager eines Kranken sass, der in Schaaffelle gehüllt auf getrockneten Binsen lag. Ein noch ziemlich junger Mensch mit verschmitztem Aussehen kam den Offizieren kriechend entgegen und erzählte in ziemlich verständlicher Lingua Franca, dass sie eine arme bulgarische Zigeunerfamilie und hier, als die Bewohner vor den Moskows flüchteten, zurückgeblieben wären, da ihr Bruder vom Fieber ergriffen, zu krank gewesen sei, um mit ihnen fortzuwandern.
Auf weiteres Befragen berichtete der Zigeuner, dass die letzten Russen vor vier Tagen an der Stelle gewesen, ein vereinzeltes kleines Commando Kosacken, und dann nach Isler zu abgezogen seien, wobei er aus den Reden der Reiter gehört habe, dass das ganze russische Corps, das noch die Dobrudscha besetzt hielt, auf dem Rückzug begriffen sei.
Zugleich kam die Meldung, dass die Soldaten in der Nähe das notwendigste Bedürfniss des Kriegers auf dem Marsch, wasser, in einem jener Brunnen gefunden hätten, die mehr aus Cisternen bestehend, äusserst spärlich über das traurige Land verstreut sind und jetzt noch grösstenteils von den Russen verschüttet waren. Menschen und Tiere hatten sich sofort um den Rand der Cisterne zusammengedrängt, um mit dem Lebenselement die vertrockneten Gaumen zu netzen.
Die erhaltenen Nachrichten bestimmten vollends den Obersten, an dieser Stelle das nächtliche Bivouac aufzuschlagen. Sofort begannen, während die türkischen Reiter sich träge neben ihren Pferden lagerten und ihr hartes Brot verzehrten, die Zuaven jene fliegenden Gezelte aufzuschlagen, die ihre Erfindung sind, indem sie ihre Lagersäcke auftrennen und sie, je zwei und zwei zusammenbindend und durch Stäbe stützend, Windschirme daraus machen, in deren Schutz sie ihre Feuer anzünden. Die Erfahrung hat den Nutzen dieser Einrichtung erwiesen, und Bedeau, der ehemalige Oberst der Zuaven, regelte sie und führte sie bei dem ganzen Regiment ein. Während die Fouriere die Verteilung der geringen Lebensmittel vornahmen, machte ein teil der Mannschaften aus dem trockenen Dünger der Steppentiere und Binsen Feuer an, um an der Flamme den Kaffee zu kochen, der im Notfall die sonst beliebte Abendsuppe ersetzen muss, indem man das Zwieback in den Kaffee reibt und so eine Art von Pastete macht. Der Zuave hat das Talent, überall etwas zu finden, wo kein anderer Soldat das Geringste entdecken würde, und so sah man denn auch bald mehrere der lustigen Krieger daher kommen, in ihren Mützen jenes der türkischen Steppe eigentümliche Tier, die kleine Landschildkröte tragend, die ihnen zu einer kräftigeren Speise verhelfen sollte. Kaum war die Entdeckung gemacht, als die halbe Compagnie sich auf die Jagd begab, um Schildkröten zu fangen, und da bei jedem zug dieser eigentümlichen Soldaten sich wenigstens Einer befindet, der sich rühmt, ein halber Vatel zu sein, so waren in Zeit von einer halben Stunde wenigstens zehn verschiedene Zubereitungen des Tieres im Gange.
Der Oberst hatte seine Lagerstätte in der Nähe der Hütte aufgeschlagen, in welcher er die Familie gefunden, es vorziehend, durch das Bivouacquiren unter freiem Himmel dem widrigen Schmuz und der dumpfen Atmosphäre dieser kaum für Menschen geeigneten Löcher zu entgehen. Dabei leitete ihn ausserdem die Absicht, das wirklich in ihrer Racen-Eigentümlichkeit schöne Mädchen vor den Zudringlichkeiten der französischen Soldaten zu schützen, die in diesem Punkt ein sehr weites Gewissen haben.
Nachdem der Colonel selbst die Posten revidirt, kehrte er zu seinem offenen Bivouac zurück, wo sich bereits die Offiziere der kleinen Schaar versammelt hatten und ihren Anteil an den gerösteten Schildkröten nahmen. Einer der Burschen hatte dazu in dem Wasserkessel mit einer Flasche Rum einen Grogk gebraut.
Die Gesellschaft debattirte eben über den abscheulich schlechten Geschmack des vorgefundenen Wassers trotz des Zusatzes von Rum, als der Colonel mit dem kapitän-Adjutanten Feverrier dazutrat.
"Pardioux!" schwor kapitän B r i c e de V i l l e , dessen gascognischen Ursprung das Wort verriet, "die Fiebersümpfe am Auri-Gebirge entalten wahrhaftig besseres Zeug als diese stinkende trübe Flüssigkeit. Prüfen Sie selbst, Colonel, unsere Leute müssen krank werden, wenn sie das Zeug geniessen."
"Was sollen wir machen?" lachte Lieutenant L e s o r i e r , "können Sie wie Moses eine andere Quelle in der Wüste schaffen? Unsere Wasserschläuche sind bis auf den letzten Tropfen geleert."
Der Vicomte hob den ihm dargebotenen Becher und prüfte mit Auge und Nase das Getränk. Es roch so abscheulich, dass er es ohne weitere probe auf den Boden goss. Sein Auge fiel dabei zufällig auf den jungen, zerlumpten Zigeuner, der am Eingang der Hütte kauerte und die Gruppe der Offiziere neugierig beobachtete, nachdem er sich zu verschiedenen Dienstleistungen eifrig hinzugedrängt hatte.
Er winkte ihn heran.
"Dein Bruder ist wahrscheinlich vom Genuss des schlechten Wassers dieser Gegend erkrankt?"
"Ich bin Dein Sklave," sagte der Zigeuner demütig. "Wir trinken von keinem Brunnen in diesem land, unsere