Kadi-askar, der Oberrichter; Mufti, ein Rechtsgelehrter. 28 Ein türkischer Piaster = 20 Pfennigen. 29 Wir werden sehen. 30 Gott sende ihm Unglück! 31 Schande, Schande! 32 Gott allein weiss es. 33 Ungläubige. 34 Es ist ein Weib! 35 Gruss. 36 Komm! 37 Sieh mich an, Licht meiner Augen, o Du meine Seele!
Die Wölfin von Skadar.
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Das leichte Geräusch brechenden Holzes störte die Stille der Nacht – aber nicht die schweren Atemzüge der Schlummernden. –––
Dann wieder Alles lauschende Stille.
Sein Haupt ruhte an ihrer schwellenden Brust. Der halb geöffnete Mund des schlafenden Weibes mit den spitzen weissen Zähnen schien noch Triumph zu atmen über den errungenen Sieg. Zwischen den Brauen in der scharf geschnittenen Falte lag die ganze Leidenschaftlichkeit ihrer Seele. – –
Ein Schatten glitt unter dem Teppich hervor – wiederum eine lange Pause – dann legte sich eine kalte Hand auf die glühende Stirn des Griechen.
Eine unwillige Bewegung der Störung – die Lippen murmelten den Namen "Fatinitza", dann schlief er weiter.
Eine zweite Berührung erweckte ihn. Träumerisch schlug er die Augen empor, in jener schwelgenden Ermattung des Genusses.
Vor ihm stand G a b r i e l d e r Z a g a r t s c h a ne!
Er wollte emporfahren, die dunkle Glut der Schaam, des gebrochenen Männereides überflutete sein Gesicht – doch ernst und schweigend winkte der Czernagorze ihm Vorsicht, auf die lockende Genossin seines Lagers deutend. Dann trat er zurück in das Vorgemach, leise, unhörbar, wie er gekommen, und winkte dem Freunde zu folgen.
Es gelang Nicolas, sich langsam aus den umschlingenden Armen der Türkin zu winden und vom Lager herabzugleiten auf den Boden, ohne dass seine Bewegungen sie erweckten. Einige Augenblicke darauf huschte er in das Nebengemach, wo der Flüchtling stand und aus dem Arsenal an der Wand sich vorsichtig prüfend bewaffnete. Ein blick zeigte dem Griechen, wie der Kühne hier herein gelangt. Die Jalousie des schmalen Altans war geöffnet, die verdekkenden leichten Gitterstäbe waren an einer Stelle gebrochen.
Der Czernagorze wandte sich zu ihm.
"Zum zweiten Male ist der Ruf des Blutbruders in der Stunde der Gefahr vergeblich nach dem Genossen erklungen; zum zweiten Male fehlte Nicolas Grivas, als Andreas der Zagartschane seiner Hilfe bedurfte. Wird er auch zum dritten Male seine stimme nicht hören, wird er seinen Kampf teilen um Leben und Freiheit, oder will er ruhen in den Armen der Liebe und den Freund allein sein Heil versuchen lassen?"
Der Jüngling beugte sich beschämt.
"Verdamme mich nicht, Gabriel, meine Seele war umnachtet, mein Wille gelähmt. Ich teile mit Dir Tod und Leben!"
"Wohl! ich danke Dir für die rettende Feile und das Seil, die Du mir gesendet. Aber es war um ein Stockwerk zu kurz und vergeblich schaute ich mich um nach der versprochenen Hilfe. Da lenkten die freundlichen Wila's mein Auge auf diesen Altan, und indem ich mich am Seil hin und her schwang gleich dem Vogel in der Luft, wie ich oft als Knabe getan, wenn ich die Felsennester der Möwen ihrer Brut beraubt, gelang es mir, die Stäbe zu erreichen und Fuss zu fassen. Das Uebrige weisst Du. Hast Du Deinen Kahn in der Nähe?"
"Ich war gefangen wie Du, heute Abend durch meine Unvorsichtigkeit. Nur die undurchdringlichen Mauern des Kerkers konnten mich fern von Dir halten. Der rettende Kahn liegt mindestens eine halbe Stunde weit ausserhalb der Stadt unter den Felsen."
"Dann gibt es nur einen Weg für uns. Wir müssen schwimmend aus dem Bereich der Festung zu entkommen suchen. Bist Du bereit?"
"Ich bin's!"
"Diese schweren Waffen nützen uns Nichts," flüsterte der vorsichtige Krieger, "lass uns von uns legen, was uns hindert. Suche wie ich einen leichten Yatagan und birg ihn in Deinem Gürtel."
Indem der Grieche nach der bezeichneten Waffe fasste, stiess er an eine zweite, und diese fiel klirrend zu Boden.
Erschrocken blickten Beide empor – der Teppich vor dem Zugang des Schlafgemachs wurde zur Seite gerissen, in demselben, wie der Tiger zum Angriff bereit, kauerte das nackende Weib, die glutsprühenden Augen auf die Freunde gerichtet.
"Verräter!"
Der einzige laut zischte durch ihre Lippen; mit einem Sprunge warf sie sich nach der Tür, aber der Czernagorze stürzte ihr zuvor und umfasste mit aller Kraft ihren Leib. Ein wildes Ringen begann zwischen den Beiden, eine übermenschliche Stärke und Geschmeidigkeit schien die Muskeln und Glieder dieser Frau zu stählen, gleich einem Proteus wand sie sich in dem starken Männerarm und rang Brust gegen Brust. Aber kein laut, kein Ruf der Hilfe entschlüpfte ihren Lippen, nur der keuchende Atem, der zischende Ton der Wut begleitete diesen Kampf.
An der Tür jedoch scharrte und kratzte es wütend und immer wütender. Das grimmige Raubtier witterte die Gefahr, den Kampf seiner Gebieterin, und versuchte, ihr zum Beistand zu eilen.
"Mach' ein Ende! komm zu Hilfe! ich vermag diesen Teufel in Weibergestalt nicht länger zu bändigen."
Zwei Mal hatte Nicolas Grivas den Stahl für den Blutbruder erhoben gegen das dämonische Weib, das eben noch an seinem Herzen gelegen, – zwei Mal traf ihn mitten in der Furie des Ringens ein kalter verächtlicher Strahl ihres Auges – und Hand und Waffe sanken machtlos nieder. Da, wie ein Ausweg des