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Caraiskakis und die übrigen Verschworenen hatten Zeit gehabt, es zu räumen und Alles mitzunehmen, was ihnen Gefahr bringen konnte.

Die sorgfältigste Durchsuchung ergab keine Spur;

indem sie das Haus besetzt liessen, kehrten die Offiziere mit der Meldung zurück.

Aber die durch die Strassen ziehenden Colonnen

verzögerten ihren Wegdie Sonne war aufgegangen und warf ihre klaren Strahlen über Stadt und Meer.

Je näher sie dem Konak kamen, desto grössere

Angst durchbebte das Herz des jungen Mohren; sein flehender blick wandte sich jeden Augenblick vorwurfsvoll auf den kapitän, der ihm das Leben seines Herrn versprochen, und der ihn vergebens in seiner ihm unverständlichen Sprache zu beruhigen versuchte.

Schon auf dem Wege hatte sie das Gerücht erreicht,

dass die Griechen zum tod verurteilt worden und auf Befehl des Marschalls sofort auf dem Glacis der Festung erschossen werden sollten, um die Erbitterung der Soldaten zu beruhigen.

Ein wildes tumultuarisches Geschrei voll bitterer

Verwünschungen verkündete ihnen, als sie näher kamen, dass die Verurteilten bereits ihren Todesweg angetreten.

Als sie den Eingang des Konaks erreichten, kam

ihnen eine Gruppe englischer Matrosen entgegen, die eine Krankensänfte trugen; daneben ging ein alter englischer Schiffscapitain, von Zeit zu Zeit sorgsam nach dem Kranken sehend. Mehrere türkische Diener begleiteten den Zug und machten Platz für ihn.

Der Offizier war der kapitän des "Niger", der Kranke, den er an Bord transportiren liess, Edward Maubridge.

Nach der Feuersbrunst in der Nacht war der kapitän mit anderen Flottenoffizieren zur Stadt gekommen und hatte den Baronet aufgesucht. Er fand ihn unter den Händen des Arztes, der die letzten Stunden seines Lebens mit einem Werke der Menschenfreundlichkeit füllte. Dieser gab ihm die Versicherung, dass für das Leben des Baronets unter der Hand eines kundigen Chirurgen Nichts zu fürchten sei, indem der Stoss des Dolches keine Lebensarterien verletzt und nur starken Blutverlust zur Folge gehabt hatte, der den Kranken auch grösstenteils bewusstlos liess. Da zugleich der Befehl des Marschalls bekannt wurde, dass alle entbehrlichen Räume des Konaks sofort zum Lazaret in Stelle des abgebrannten Gebäudes eingerichtet und benutzt werden sollten, beschloss kapitän Warburne, den Verwundeten an Bord zu bringen und ihm dort die nötige Pflege zu widmen, statt ihn unter Fremden und in der Ansteckung eines Lazarets zurückzulassen.

Sali-Pascha hütete sich wohl, diesem Einrichtung zu widersprechen, und Nedela sah damit ihre Absichten erfüllt, da sich Niemand um ihr Zurückbleiben kümmerte.

kapitän Depuis hatte mit seiner Begleitung den Eingang des Konaks erreicht und liess hier Nursah, im Schutz einer Wache zurück, um seine Meldung zu machen und zugleich nochmals für den Arzt zu sprechen und des jungen Mohren Eingeständniss vorzulegen. Aber er traf weder den Marschall, noch den Prinzen mehr im Konak. Dem Zurückkehrenden stürzte Nursah entgegen, den Kiradschia mit sich fortziehend. Die wilden verzweifelten Bewegungen des Knaben zeigten ihm sogleich, dass etwas Ungewöhnliches vorgegangen.

"Was ist geschehenrasch! denn wir müssen eilen, den Befehl zum Aufschub der Execution zu erhalten, die um 6 Uhr vollstreckt werden soll."

"Es ist zu spät!" jammerte Paswan, "alle Mühe ist vergebens, der Pascha hat die gelegenheit benutzt, das Urteil an dem Hekim-Baschi zugleich mit den Griechen vollstrecken zu lassen, ich sah den Unglücklichen vorüber kommen."

"Diantre!" fluchte der kapitän, "sie können noch keine fünf Minuten Vorsprung haben, – wir holen sie ein! Hadie Hilfe sendet uns Gott!"

Ein Reitertrupp kam die verhältnissmässig geleerte Strasse herauf, General Espinasse mit seinem Stabe, der Kommandirende der Expedition nach der Dobrudscha, um seiner Brigade zu folgen.

Der kapitän sprang an sein Pferd und salutirte.

"Monsieur le Général, retten Sie die verpfändete Ehre eines französischen Offiziers!"

Der General hielt einen Augenblick an.

"Was wünschen Sie, kapitän?"

Mit fliegenden Worten, während er neben dem Pferde des Generals herging, berichtete der Offizier die Vorgänge, das Wort, das er dem Knaben verpfändet für die Entdeckung des Complotts, die Geständnisse und die Selbstanklage desselben in Bezug auf die Spionage in Silistria; endlich den tückischen Streich des Pascha's, der die Stunde der Execution verfrüht. Der General sann einige Augenblicke.

"Ich habe von dem Verurteilten gehört und dass man Zweifel an seiner Schuld hegte. Aber die Sache betraf die Herren Türken allein und ging uns nicht an. Jetzt steht es anders. Sie verpfändeten Ihr Wort im Namen des Kommandirenden und das muss gehalten werden, wenn es noch Zeit ist. Wo soll die Hinrichtung vollstreckt werden?"

"Auf dem Glacis am Tor von Baltschick, auf Ihrem Wege, Excellenz."

"Vorwärts, meine Herren! Sehen Sie zu, wie Sie nachkommen, kapitän, lassen Sie aber den jungen Spion nicht von der Seite, damit wir die Sache später untersuchen können."

Der General setzte sein Pferd in Trab. Nursah lief neben ihm her, der kapitän folgte, so gut es ging.

Als sie am Tore ankamen, knallte eben eine Salve.

"Rechts, rechts, Herr!" schrie der Kiradschia, der mit dem angstkeuchenden Knaben neben den Pferden herrannte, "das waren die Griechen! – ich sehe das türkische Kommando dort!"

Der General sprengte im Galopp nach dem bezeichneten Ort durch die Platz machende Menge, die der Execution der Mordbrenner beigewohnt, an dem französischen Kommando vorüber, das um die Leichen der fünf Erschossenen aufmarschirt warsein weisses Tuch winkte nach einer entfernteren Gruppe – –

Dort stand aufrecht