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hinauf zu den Sternen. Er wusste ein grosses geheimnis, das vielleicht Hunderten das Leben retten konnte und wollte es verkaufen für das eines Einzigen, aber wem konnte er es bieten?

Der Himmel selbst schien ihm Antwort zu geben auf sein Flehen. Indem er an dem Tschardak des "Restaurant des officiers" vorüberschlich, hörte er eine bekannte stimme – – ein Mann mit einem Diener, der ein Pack trug, kam die Stufen herunter, er hörte, wie er diesem den Auftrag gab, die Packete nach her Karawanserai zu tragen und die Maultiere fertig zu halten für den Aufbruch mit dem ersten Sonnenstrahl.

Der Mann war P a s w a n , der Kiradschia.

Mit einem Freudenrufe sprang der Knabe auf ihn zuer verstand seine und der Fremden Sprache, er konnte helfen.

Nursah fasste seine Hand, seine Worte überstürzten sich anfangs so, dass der Händler ihn nicht zu verstehen vermochte, bis er ihn in den Lichtstrahl aus einem der offenen Fenster zog und erkannte.

"Armer Bursche," sagte er mitleidig, "das traurige Schicksal Deines Herrn hat Dich wahrscheinlich auf die Strasse geworfen und ohne Nahrung und Obdach gelassen. Du kannst mich begleiten, bis sich etwas Besseres für Dich finden wird. Heute Abend noch hörte ich vom kapitän Depuis, dem Franken, dass er morgen erschossen wird."

"Der Capitano? – Wo ist er? – wo verliessest Du ihn?"

"Vor wenig Augenblicken dort im Kaffeehause. So lustig er sonst ist, so sehr geht ihm das Schicksal des Hekim-Baschi nahe und dass er trotz aller Bemühungen es nicht zu wenden vermochte."

Der Knabe warf sich ihm zu Füssen.

"Bei dem Christus, den er mich erkennen gelehrt, o Paswan, habe Erbarmen mit mir. Ich, ich vermag ihn zu retten. Ich kann seine Unschuld entdecken, ich kann diese Franken hier retten grossem Unglück. Habe Mitleid mit ihm und lass mich mit dem Capitano sprechen!"

Der Kiradschia war erstaunt, doch er war ein Mann von gutem Herzen und versprach, den Wunsch des Knaben zu erfüllen. Er hiess ihn warten und ging zurück in das Kaffeehaus.

Bald kam er wieder mit dem französischen kapitän.

"Frage ihn," sagte hastig der Knabe, "ob es meinen Herrn retten kann, wenn ich beweise, dass er Nichts von dem Verrat in Silistria gewusst und ich allein die Nachrichten an die Moskows gegeben und die Boten gesandt habe?"

Der Kiradschia wiederholte die Worte des Mohren auf französisch, aber der kapitän schüttelte traurig den Kopf.

"Es wird wenig helfen und der Beweis Dir schwer sein. Der Spruch des Kriegsgerichtes ist gefällt und jeder Aufschub der Vollstreckung selbst der Empfehlung des Prinzen von dem Pascha abgeschlagen. Du würdest Dich unnötig selbst in Gefahr bringen, wakkerer Bursche; denn ich glaube, dass Dein Vorgeben bloss ein freiwilliges Opfer Deiner Treue ist."

Nursah hatte mit glühenden Augen an dem mund des Offiziers gehangen und aus seinen Bewegungen die Antwort gelesen.

Er fasste krampfhaft den Arm des Kiradschia's.

"Frage ihn," sagte er mit glühendem Gesicht, und er bediente sich der Lingua franca, gleich als wolle er den Kiradschia möglichst an einer Verheimlichung seiner Worte hindern, "frage ihn, ob sie ihn freigeben wollen, wenn ich ihnen ein wichtiges geheimnis entdecke, eine Verschwörung, noch diese Nacht die Stadt in Flammen zu setzen?"

Der Kiradschia blickte erschrocken auf den Knabender kapitän jedoch, der einzelne Worte verstanden hatte, war aufmerksam geworden; so wiederholte Jener denn wörtlich die Frage.

"Diantre! Ist dies Wahrheit oder lügst Du, Bursche?"

Der Mohr hatte den Zweifel auf seinen Lippen gelesen.

"Bei der heiligen Mutter Gottes, an die ich glaube! bei den Gräbern meiner Eltern!" beteuerte er.

"Rührt Euch Beide nicht von der Stelle," befahl der kapitän, "ich weiss, Du verstehst italienisch. Im Augenblick bin ich wieder bei Euch!" – Er sprang zurück in das Café, wenige Momente nachher kam er zurück mit einem Offizier. – "Erzähle diesem Herrn, was Du weisst, er spricht italienisch."

Nursah berichtete mit fliegenden Worten, ohne den Zusammenhang mit der Rettung Welland's zu erwähnen, dass die Griechen um Mitternacht die Magazine der Franken in Brand stecken wollten, von dem Lazaret hatte er selbst nur Ungewisses verstanden.

kapitän Depuis hielt bereits die Uhr in der Hand, während ihm sein Kamerad die Nachricht übersetzte. Einige Worte genügten den Offizieren, um sich über die nötigen Schritte zu verständigen. Während der Zweite in das Café zurück eilte, um Lärm zu machen und Meldung nach allen Seiten zu senden, zog kapitän Depuis den Degen.

"Du weisst den nächsten Weg zu dem Magazin?" fragte er den Kiradschia.

"Ja, Herr!"

"Vorwärts denn und rasch, Ihr Beide weicht nicht von meiner Seite! Ist es, wie Du sagst, und kommen wir zeitig genug, so bürge ich Dir für sein Leben."

Halb rennend verfolgten sie den Weg. Dem Unteroffizier einer Patrouille, die ihnen begegnete, befahl der kapitän, sich ihnen anzuschliessen, – so, im vollen Lauf zuletzt, betraten sie den Platz und eilten nach der dunklen Masse des Gebäudes. Plötzlich strauchelte der kapitän.

"Morbleu! hier liegt ein Mensch!"

Er bückte sich, ihn zu fassen, zog aber schnell die Hand zurück. –