gereizt, eine Woge von Menschen, heulend, brüllend, durch die Escorte und riss den Unglücklichen aus ihren Reihen. Vergeblich waren alle Anstrengungen der Offiziere und Soldaten, ihn wieder zu befreien, man vernahm kein Kommando mehr, selbst die Befehle des Marschalls blieben unbeachtet in dem wütenden Geschrei: "Zum Feuer! zum Feuer!" – Minuten lang sah man in der Glut der noch immer hoch in die Luft schlagenden Lohe den Körper des Fanarioten über den Köpfen der Menge, wie er von Hand zu Hand weiter gelangt wurde, dann verschwand er einen Augenblick, um im nächsten wieder zu erscheinen, hoch durch die Luft geschleudert, hinein in den kochenden Heerd von Flammen.
Ein einziger gellender Schrei – dann folgte eine lautlose plötzliche Stille auf dem ganzen Platz. – –
"Fällt das Bajonnet! Nieder mit Jedem, der sich an den Gefangenen vergreift. – In das Pascha-Konak mit ihnen zum Verhör!"
Des Marschalls eigenes Kommando klang weitin über die Menge, das Klirren der Gewehre verkündete, wie die Reihen sich um die Bedrohten schlossen; von drüben her antwortete das Krachen der letzten einstürzenden Balken und Wände; der Marschall, einem der Generäle das Kommando übergebend, wandte sein Pferd, gefolgt von seiner ganzen Umgebung.
Gregor Caraiskakis, in die Menge gekeilt, hatte stumm den Tod des Bundesbruders mit angesehen. Im Augenblick, da Bewegung und Luft in die Masse kam, verschwand er im Gedränge. ––––––––––––––––––––––––––––
Es war gegen 11 Uhr gewesen, als die Schaar von Caraiskakis und Geurgios mit den verschworenen Griechen das Haus verlassen hatte, das ihnen zum Hauptschlupfwinkel diente, weil es ziemlich unbemerkt lag mitten in dem Griechenquartier und mehrere Ausgänge hatte. Da alle hände gebraucht wurden für die Ausführung ihrer Beschlüsse, blieb die Bewachung des Hauses und des Sclaven Nursah einem alten Griechen überlassen.
Doch Nursah hatte sich müde geweint, er lag auf den Matten und schlief. Caraiskakis selbst hatte die Tür des Gemaches von Aussen verschlossen.
Aber kaum war eine Viertelstunde vergangen und kein Geräusch mehr im haus zu hören, so richtete der schwarze Knabe sich von seinem Lager empor, schlich auf den Zehen an die Tür und die Jalousieen und horchte hinaus. Da Alles ruhig blieb, öffnete er behend und leise die Letzteren und blickte hinaus. Das Gemach lag eine Treppe hoch und das Fenster war von einem Vorsprung des Hauses beschattet. Mit der Schnelligkeit einer Katze hatte Nursah die leichten Decken, die sein Lager bildeten, zerrissen und aneinander geknüpft und befestigte sie an den Jalousieen. Dann liess er sich an ihnen hinab gleiten und gelangte glücklich in Hof und Garten, dessen Mauer er überstieg.
In dem Gässchen angelangt, das die Mauer begränzte, blieb er einige Augenblicke stehen, um einen Entschluss zu fassen. Er wusste, dass Eile Not tat, wollte er seinen Herrn retten, denn er hatte bei der Rückkehr der beiden Caraiskakis an der Tür gelauscht und, obschon er das Neugriechische nur sehr mangelhaft verstand, doch erfahren, dass Jener zum tod verurteilt war und am nächsten Morgen erschossen werden sollte. Ebenso wusste er, dass Gregor einen Versuch zu seiner Rettung machen wollte, indem er die Magazine in Brand setzte. Schon als nach der Verhaftung des Arztes der junge Mohr zu dem Freunde seines Herrn geflohen war, hatte er ganz bestimmt erklärt, dass er sich lieber selbst opfern und ein offenes geständnis über die Art und Weise, wie er in Silistria den Spion gemacht, ablegen wollte, ehe er seinen Herrn in Gefahr liesse. Caraiskakis hatte ihn zwar durch die Versicherung beruhigt, dass eine solche nicht vorliege und der Arzt höchstens eine kurze Haft zu bestehen habe, da ihm Nichts erwiesen werden könne, aber er hatte es doch seitdem für nötig gehalten, den Knaben nicht mehr aus dem haus und auch dort unter Aufsicht zu lassen.
Das erregte Misstrauen hatte den Mohren jedoch wachsam gemacht und einige Worte des Bruders beim Abschied hatten seine Aufmerksamkeit erhöht. So gelang es ihm, die Wahrheit zu entdecken.
Im Augenblick stand auch sein Entschluss fest, dass er sich nicht auf die Mittel der Griechen verlassen könne, sondern koste es sein Leben, selbst Alles aufbieten wollte, den Herrn, den er mit einer seltsamen Hingebung liebte, zu befreien, zu retten.
Jetzt stand er, um diesen Entschluss auszuführen, von seinen Hütern befreit, in der Strasse, aber zugleich auch fiel die Schwierigkeit seines Unternehmens ihm auf die Seele. Er wusste, dass nur wenige Stunden noch zwischen jetzt und dem tod lagen, und kannte nicht ein Mal die Namen der Richter seines Herrn, an die er sich zu wenden hatte. Ebenso fiel ihm die Unmöglichkeit bei, jetzt in der Nacht bis zu einem der Befehlshaber zu gelangen, wenn dies für den armen schwarzen Knaben überhaupt möglich war.
Er gedachte, wie wenig man sich überhaupt um ein Menschenleben kümmerte.
Der Name des Capitains fiel ihm bei, der ihr Reisegefährte gewesen auf dem Wege durch den Balkan nach Silistria. Er war ein gutmütiger lustiger Mann und hatte oft mit dem jungen Mohren launig geradebrecht.
Aber wo ihn finden unter den Tausenden? – war er überhaupt noch in Silistria? – wie ihn suchen, da er nicht einmal der fremden Sprachen dieser Krieger mächtig war?
Er war hastig immer vorwärts geschritten und so in die belebteren Stadtteile gekommen, wo die Schenkhäuser und Restaurants noch immer geöffnet waren und Ab- und Zugehenden Erholung von den Beschwerden und dem Lärmen des Tages boten.
Trostlos sah der Knabe sich um und dann