hören Sie mich ruhig an, wie es dem Mann zum mann ziemt. Dann fassen Sie Ihren Entschluss."
Er hielt einen Augenblick inne, dann fuhr er, als habe er diesen Auftritt, jede Sylbe seiner Erklärung, durch seinen Entschluss festgestellt, ruhig fort:
"Das Schicksal hat uns zusammengeführt, die wir der Wege verschiedene wandelten. Es warf Sie in den meinen, als gefährten eines Mannes, den ich hätte lieben können und den ich hassen und verfolgen musste, und diesem Hass sind auch Sie zum Opfer gefallen.
Ich bin ein Engländer, – das heisst hartnäckig und stolz. Die Frauen sind meine leidenschaft oder meine Schwäche. Ich sah in Smyrna die Schwester Ihres Freundes, Diona, und liebte sie. Bei dem NormannenBlut meiner Väter! ich liebte sie! Nur die teuflische Einflüsterung des Schurken von Consuls in Smyrna liess das Recht mich in Händen behalten, die Gültigkeit unserer Ehe je nach meinem Willen anzuerkennen oder zu verweigern. Bei Gott – hätten nur ihre Augen gesprochen, das Kind unter ihrem Herzen, mein besseres Ich hätte gesiegt und ich sie nach England geführt als meine Gattin."
"Wozu mir das, einem Sterbenden?"
"Sie werden es sogleich erfahren, Sir. Als Sie mit dem Banditen Janos in unser Asyl einbrachen und Diona mir nahmen, fühlte ich erst recht die Stärke meiner Liebe; als Ihr Freund auf dem Verdeck des 'Niger' mir jedoch die Rechte seiner Schwester abtrotzen wollte, da stieg der Teufel meines Trotzes und Stolzes in voller Stärke in mir empor, und es begann ein Kampf zwischen mir und ihm, der vielleicht nur mit unserm Leben endet. Ein freundliches Wort hätte am grab des Achill, als ich die Pistole gegen ihn hob, wahrscheinlich unser Aller Schicksal gewendet."
"Das Wort auszusprechen, Sir, war an Ihnen."
"Es ist möglich, – ich will nicht streiten darüber, es geschah nicht und der Kampf war begonnen. Sie wissen wahrscheinlich, dass mein Weib auf der See bei Geburt ihres Kindes starb, dass ich als Gefangener nach Sebastopol geführt wurde, dass Ihr Freund mich von meinem kind trennte und geschworen hat, es mir nie zurückzugeben. Schwur gegen Schwur, ich muss meinen Sohn haben und setze mein Leben daran. Caraiskakis war in meinen Händen, er wurde mir entrissen und ich glaubte ihn bei einer Scene des Aufstands im Fanar von Constantinopel erschlagen."
"Ich wiederhole die Frage, – wozu mir das? einem Sterbenden?"
"Sie waren der Freund, der Vertraute des Mannes, den ich verfolgte. Sie wussten vielleicht um das gegen alle meine Spione wohlverwahrte geheimnis des Kindes. Ihre Spur führte nach Silistria und ich ging dahin. Dort erhielt mein Verdacht die Bestätigung, dass Diona's Bruder, mein Gegner, am Leben, denn mit dem Briefe des Russen, den Ihnen mein Diener stahl, fiel ein solcher jenes Mannes in meine hände: Er ist in Varna."
"Es ist möglich."
"Es ist gewiss; ich weiss es, aber es ist all' meinen Anstrengungen unmöglich gewesen, ihn aufzufinden. Sie kennen seinen Aufentalt. Ihr Verrat in Silistria in Verbindung mit Ihrem Freunde ..."
Der Gefangene legte die Hand auf den Arm des Baronets.
"Halten Sie ein, Sir, und tun Sie einem Sterbenden nicht ein Unrecht. Sie wissen, dass ich unschuldig bin, dass von dem politischen Fanatismus des Mannes, den ich Freund nannte, mein Name, meine Diener gemissbraucht sind zu der entehrenden Spionage, dass ich selbst aber keinen teil daran habe."
"Ich weiss nicht, ob Sie unschuldig sind, oder schuldig," sagte der Brite heftig, "die Beweise sind gegen Sie und Sie sind auf mein zeugnis verurteilt, das ich gegeben, wie ich es als Mann verantworten kann. Jedenfalls hat Sie Ihr Freund, in diese Lage gebracht, und Sie haben keine Rücksicht mehr auf ihn zu nehmen. Ihr Leben, Sir, Ihre Rettung liegt dagegen in meinen Händen."
"Wie das?"
"Ich habe die Mittel, Sie noch in dieser Stunde aus Varna zu führen. Antworten Sie mir als Mann von Ehre: kennen Sie den Aufentalt meines Kindes?"
"Ich weiss nur, dass es in der Krimm von seinem Oheim zurückgelassen worden ist, Nichts mehr."
"Sie kennen den Aufentalt des Herrn Caraiskakis hier in Varna? – Sir, es gilt Ihr Leben."
"Ich glaube ihn zu kennen."
"Wenn ich Sie aus diesem Kerker noch in dieser Stunde befreie, wollen Sie mich und einige der Meinen zu ihm führen, dass ich mich seiner person bemächtigen kann? – Merken Sie Wohl, ich will ihn nur zwingen, mein Kind mir auszuliefern, und Goddam! diesmal soll er mir nicht entrinnen. In dem Augenblick, wo er mir seinen Besitz abtritt, soll er frei sein."
"Sir, ich bin kein Verräter – ausserdem, ich kann mein Leben nicht durch Flucht retten."
"Sie sind ein Tor! Er hat Sie betrogen und zum Werkzeug seiner Zwecke gemacht, wie Sie sagen, – er selbst hat das Band der Freundschaft, des Vertrauens gebrochen ..."
"Er ist hier, es einzulösen!" sagte eine leidenschaftliche stimme, "Du aber, doppelter Feind und Verräter, nimm Deinen Lohn!"
In der Tür stand der Armenier, seine Augen funkelten ...
"