Wünschen günstig sein, Franke," sagte er, dem Engländer die Hand reichend. "Ich werde Dich morgen vor Deiner Abreise sprechen und erfahren, was das Kismet gewollt hat."
Er neigte sich höflich vor der Griechin, deren Augen ihm bedeutsam winkten, und verliess das Gemach.
Noch kurze Zeit schritt der Baronet auf und nieder, dann nahm er aus einem Kästchen zwei Terzerole, prüfte die Schlösser und steckte sie zu sich. Er warf einen Offiziermantel um seine Schultern, setzte eine Militairmütze auf und trat so zu dem Mädchen, das stumm bisher seinen Bewegungen gefolgt war.
"Ich muss Dich verlassen, Nedela, für diese Nacht," sagte er, "denn ich habe Wichtiges vor. Du wirst Dich nicht fürchten, allein zu bleiben?"
"Warum sollte ich mich fürchten," entgegnete mürrisch die Schöne. "Ich bin gewohnt, dass Du mich allein lässest und all' die schönen Dinge unerfüllt bleiben, die Du mir versprochen hast, als Du mich aus Constantinopel führtest, wohin ich nicht zurückkehren mag. Bin ich eine Sclavin, die man einsperrt, oder bin ich ein griechisches Mädchen, das seine Freiheit hat, zu tun, was es will?!"
"Du bist töricht, Nedela! Dieses Heerlager von Soldaten eignet sich nicht für ein Weib."
"Und warum nicht? Ich bin jung, ich bin schön und werde Freunde finden in Menge, die mich mehr lieben, als Du, und weniger finster sind. Denn ich weiss, Herr, Du liebst mich nicht. Du ziehst rastlos umher und ich bin nur das Spielwerk Deiner Laune und Dir längst zur Last. Ich mag nicht nach Constantinopel."
"Du bist ein Kind, Nedela, und weisst nicht, was Du willst. Nachdem ich mich Deiner angenommen, kann ich Dich nicht hilflos verlassen. Ich will Dich zu Deinen Verwandten im Fanar zurückbringen, von denen Du mir erzählt, und Dich reichlich versorgen, wenn Du mich nicht ferner begleiten willst. Ueberlege Deinen Entschluss wohl bis morgen."
Er verliess sie. Das eitle und gefallsüchtige Mädchen, das während der Abwesenheit des Baronets bereits ein Verständniss mit Sali-Pascha angeknüpft hatte und dessen Favoritin zu werden hoffte, sann unruhig auf Mittel, wie sie sich der Aufsicht ihres Beschützers entziehen könne, denn der vorsichtige Pascha hatte sich streng geweigert, einen Streit oder Bruch ihretalben mit dem Gastfreund herbeizuführen.
In diesem Sinnen störte sie ein leises Kratzen an der Tür des Gemaches. Sie klatschte in die hände, zum Zeichen des Eintritts und Vassili, der griechische Diener, erschien sofort auf der Schwelle und hob den Teppichvorhang.
Der arme verliebte Soldat, den Caraiskakis, unter Veränderung seines Namens Vaso in Vassili, in den Dienst des Pascha's gebracht hatte, war durch die Färbung seiner Haare, das Wachsen seines Bartes nach türkischer Sitte, während die Griechen das Kinn glatt geschoren tragen, und ein Pflaster auf einem Auge, völlig unkenntlich geworden. Selbst seine stimme hatte der Wunsch, immer in der Nähe der früheren Braut zu sein und die Furcht, sobald er erkannt worden, von ihr gewiesen zu werden, zu verändern gewusst. Die Ergebenheit und der Diensteifer, den er bei jeder gelegenheit für die Leichtsinnige zeigte, waren auch von ihr nicht unbemerkt geblieben und sie benutzte ihn für alle vertrauten Dienste.
Dennoch lag in diesem feigen zertretenen Herzen eine heftige leidenschaft, eine glühende Eifersucht verborgen, die einst zur blutigen Tat werden sollte.
"Herrin;" flüsterte der Diener, "bist Du allein?"
"Ich bin's, Vassili, was hast Du?"
"Ein Armenier, der in das Konak gekommen, bittet Dich dringend, ihn zu sprechen. Er sagt, er brächte Dir Botschaft von Deinem Vater."
Das Mädchen sprang empor, wie von einer Feder geschnellt.
"Von Janos, meinem Vater? Es ist unmöglich!"
Vaso hatte die Tür geöffnet, der Armenier in Barett und Bart schlüpfte herein. Durch die Oeffnung sah man zugleich neben Vaso die Gestalt eines jungen türkischen Matrosen.
"Wer bist Du? woher kommst Du?" fragte hastig Nedela.
Der Fremde nahm Barett und Bart ab.
"Du bist Nausika, die Tochter Jani's, des Kameeltreibers," sagte Gregor Caraiskakis, "erkennst Du mich, Mädchen?"
Die junge Smyrniotin hatte sich einige Schritte zurückgezogen, ihr Antlitz zeigte den schnellen Wechsel der Farben.
"Heilige Maria! Du bist der Mann, der mich Aermste aus dem Bosporus rettete, der im Fanar ... –"
Sie vollendete nicht, das Bild jener Nacht stand vor ihrer Seele, wenn auch mit einem unbehaglichen Gefühl der Erinnerung, denn die Erscheinung und die Ansprüche eines alten Liebhabers harmonirten keineswegs mit ihren Plänen.
Aber Gregor, von einem doppelten Gefühl erfüllt, der Erinnerung an den alten Freund, der mit seinem Blut die Treue besiegelt, und den Schwüren jener Nacht voll Wollust, Vergessen und Liebe, unterbrach sie.
"Höre mich an, Nausika," sprach er hastig, "die Minuten sind uns gezählt, ich komme, Dich zu retten aus diesen unwürdigen schmachbedeckten Fesseln, in die Deine bedachtlose Jugend Dich geführt. Ich komme, um gut zu machen eine teure Schuld an Deinem Vater, eine Schuld an Dir. Welche Vergangenheit auch an Dir klebt, Gregor Caraiskakis wird Dich zu seiner Gattin machen und sein Namen wird jeden Flecken von Dir nehmen."
Er breitete