, die, an der Bergkette des Balkan hinziehend, ihr fernes Wetterleuchten über Meer und Land gossen.
Der Konak von Sali-Pascha, dem türkischen Gouverneur von Varna, demselben, dessen Prozess wegen Ermordung seiner griechischen Sclavin zwei Jahre später1 die Aufmerksamkeit Europa's auf sich lenken sollte, war der Einquartierung so wenig wie jedes andere Gebäude Varna's entgangen, und es hatten in seinen vordern Höfen zwei Compagnieen der schwarzen schottischen Schützen gelagert. Dieselben waren jedoch am Nachmittag auf den Schiffen der Expedition eingeschifft worden und ihre Stelle hatten die eingetroffenen kurdischen und arnautischen Freischaaren eingenommen.
Die Höfe standen voll Pferde, an den Mauern, unter jedem Vorsprung, unter jedem dach lagerten die Gruppen der Reiter, nach ihren Landsmannschaften getrennt, während die Diener, Khawassen und Soldaten des Pascha's ab- und zugingen.
Selbst der hintere teil der wohnung des Pascha's war seinem eigenen Gebrauch nicht allein vorbehalten geblieben. Du eifersüchtige Moslem hatte sein Harem nach Constantinopel entfernt, um jede Berührung mit den Christen zu verhindern, und das Haremlik mit Sir Edward Maubridge geteilt, der der persönlichen Protection des englischen Oberbefehlshabers genoss und ausserdem mit Sali-Pascha bekannt war, welcher vor dem Kriege zur Gesandtschaft in London gehörte und, – gleich vielen andern vornehmen Moslems – eine gewisse europäische Tünche des Aeussern sich zu eigen gemacht hatte.
In einem wohl erleuchteten Gemach dieses Haremliks, in dem mehrere Gegenstände, zur Reise gepackt, umherstanden, befanden sich am späten Abend noch drei Personen, zwei Männer und eine Frau; die Erstern waren der Baronet und Sali-Pascha, ein schöner, noch ziemlich junger Mann, dessen Antlitz jedoch in seiner matten Farbe und in den dunklen Ringen um die dunklen Augen die Erschlaffung der Haremsgenüsse verriet, – die Frau war Nausika, die Begleiterin und Maitresse des Baronets, seit er ihr Rendezvous mit dem Midshipman gestört. Die Schlaue, die Gefahr ihrer früheren Erinnerungen einsehend, hatte jedoch ihren Namen geändert und nannte sich seitdem Nedela.
Während die beiden Männer nach europäischer Weise bei den Resten des Mahles am Tisch sassen, zwei Flaschen des milden Brussaweins vor sich, den der Pascha, sich wenig um die verbietende Satzung des Korans kümmernd, mit Genuss schlürfte, lag Nausika-Nedela auf den Polstern des Divans, und ihr feuriges, beobachtendes Auge wanderte von dem Einen zum Andern. Da der Baronet mit finsterer Miene, das Haupt auf die Hand gestützt, am Tisch sass, begegnete es häufig den leidenschaftlichen Blicken des Moslems mit einer aufreizenden Koketterie und einem Ausdruck, der auf ein Einverständniss zwischen Beiden schliessen liess.
Zu dem Wesen des Baronets war eine gewisse Unruhe, ein Kampf seiner Seele bemerklich, den er durch hastiges Trinken zu betäuben suchte.
"Es waren am Abend zwei fränkische Offiziere hier," sagte der Pascha, "die den Gefangenen sprechen wollten. Sie sind abgewiesen auf meinen Befehl."
"Ich danke Dir."
"Der verräterische Giaur wird morgen sterben in der zweiten Stunde. Es vermag ihn Nichts zu retten. Wann schiffst Du Dich ein, Beisädih?"
"Mit Sonnenaufgang. Unsere Sachen sind grösstenteils bereits an Bord der Brigg, deren Cajüte ich gemietet habe. Doch Du kennst unsern Vertrag, Freund Sali?"
"Inshallah! was werde' ich nicht! Ihr Franken habt zwei Augen im kopf und Eure Zunge ist gespalten. Du hast den Hekim-Baschi unter das Schwert unserer Gerechtigkeit geliefert, der ihn alle Franken-Pascha's nicht entreissen sollen. Aber er mag entfliehen, wenn Du es so willst. Was ist an einem Hunde gelegen!"
"Er hat den Tod verdient," sagte der Baronet, "denn ich weiss, dass er ein Verräter ist. Aber er besitzt ein geheimnis, das sein Leben retten kann. Ich muss den Versuch mit ihm machen."
"Was willst Du von ihm, o Beisädih?"
"Nur den Namen und den Aufentalt eines Mannes, der mein Feind ist und dem ich ein Leben entreissen muss, das mir gehört. Meine Anstalten sind getroffen. Ich kann mich auf Deine Leute verlassen? denn ich mag die Hilfe meiner Landsleute nicht in meine Angelegenheiten mischen."
"Arnud-Mustapha, der Führer meiner Khawassen, fürchtet den Scheitan nicht, und Hussein-Aga, mein Verwalter, ist mir treu ergeben. Sie harren mit YaverMehemed Dein bei der Wache des Tores und werden Dir überall hin folgen. Vassili, mein griechischer Diener, wird Euch zu ihnen geleiten, sobald Du befiehlst."
"Der Zugang zu dem Gefangenen ist also frei?"
"Bismillah! Ich habe ihn in das bestimmte Gemach führen und die Wache von seiner Tür entfernen lassen, da Du es wünschtest. Der Hof ist voll von Kriegern und seine Flucht unmöglich. Hier ist der Schlüssel zu seinem Kerker."
"Gut! – So will ich den Versuch machen, – es ist eine Stunde vor Mitternacht und Zeit, dass Du Dich zur Ruhe begiebst, Nedela. Wir müssen mit Sonnenaufgang zu Schiffe."
Das Mädchen wechselte rasch einen blick des Unwillens mit dem Moslem.
"Ich fühle mich unwohl, Herr, und möchte, dass Du mich auch diesmal zurückliessest."
"Es geht nicht oder Du musst überhaupt auf meinen Schutz verzichten. Meines Bleibens ist in Varna nicht, auch wenn meine Absicht misslingt, und Constantinopel ein besserer Aufentalt für Dich, als dies Heerlager."
Der Pascha hatte sich erhoben.
"Möge der Himmel Deinen