, eine Fürstin Wolkonski. Kennst Du meine Familie?"
"Ich habe gehört von ihr, denn der Wolkonski Güter liegen zum teil in Taurien."
"Schloss Aya an den von Myrten und Orangen bekleideten Felsenküsten der Yalta ist mein Erbe. Meine Schwester weilt dort und ich hoffe, Oberst, dass, wenn Sie die Luft und die Milde des Südens geniessen wollen, Sie über meine Besitzungen verfügen werden."
"Ein echtes russisches Blut," murmelte der Rosshirt. "Deine Mutter, Fürst, lebt sie noch?"
"Sie starb bei unserer Geburt. Iwanowna und ich sind Zwillingskinder."
Der Tabuntschik schlug ein Kreuz:
"Die Heiligen seien ihr gnädig. Deine Mutter, Fürst, hatte drei Oheime, Brüder ihrer Mutter."
Der junge Mann sah ihn misstrauisch an.
"Wenn Du ihre Namen weisst, kennst Du auch ihre Schuld und ihr Schicksal. Sie sind tot."
"Alle drei – auch der Jüngste?"
"Ja!"
Der alte Tabuntschik versank in Schweigen, dann erhob er sich und ging hinaus; bald darauf folgte ihm der Menonit.
Der junge Fürst sass, den Arm auf den Tisch gestützt, in Nachdenken.
"Die Erinnerung an Deine Familie hat Dich betrübt, Fürst Iwan," sagte der junge Artillerie-Offizier. "Was vergangen ist, ist vergangen."
"Ich dachte der Tränen, die meine sanfte Mutter oft über den Fluch der grausen Tat geweint, die auf ihrer Familie lastet, Sie wissen wahrscheinlich, dass meine Grossmutter eine geborene Fürstin Zuboff war."
"Was kümmert uns die Vergangenheit," meinte der Oberst. "zwei Menschenalter liegen dazwischen und zwei Kaiser haben verziehen. Lassen Sie uns diese Damen bitten, jetzt an unserm Mahle teil zu nehmen und den Tee zu bereiten."
Die Damen erhoben sich und nahmen Platz, die Bojarenfrau, die ihre Verwirrung über die Erkennungsscene bereits überwunden und bemüht war, die etwaige Eifersucht des Obersten zu zerstreuen, konnte sich trotzdem nicht entalten, nach dem Fürsten zu kokettiren.
"Ich habe Sie noch gar nicht gefragt, Furst Iwan, woher Sie Madame Bibesco kennen?"
"Ich hatte die Ehre, ihr in Bukarest vorgestellt zu werden."
Ein blick der schönen Bojarenfrau hatte ihm Vorsicht geboten.
Aber Graf Wassilkowitsch hatte den blick gleichfalls aufgefangen und begriffen, dass irgend ein ihm noch unbekannter Bezug zwischen diesen beiden Personen bestehen musste. Die ihm nächstliegende Erinnerung war Paris und der Cyniker lächelte, weit entfernt, eine Eifersucht zu fühlen oder zu verraten, spöttisch, als er den Jüngling betrachtete. Es lag in seinen Plänen, ihn sich untertan zu machen und ihn zu umstricken.
Während der Artillerist die beiden Damen unterhielt, nahm er die gelegenheit wahr, mit dem Fürsten allein sich zu besprechen.
"Wissen Sie, Fürst, wem ich diesen gebrochenen Arm, eine gebrochene Rippe und diese Narben am kopf verdanke?" fragte der Graf. "Ihrem Freunde, dem Vicomte, dem ich auf den Wällen von Silistria begegnete, als der tolle Selwan uns zum Angriff führte."
Eine dunkle Röte färbte das schöne Antlitz des jungen Mannes.
"blieb der Vicomte unverletzt?" fragte er hastig.
"Dass ihn der Teufel hole – ich liess auf ihn schiessen, aber der Bursche schien gefeit gegen unsere Kugeln, und eh' ich ihm selbst zu leib konnte, lag ich unten im Graben, von seiner Hand hinuntergestürzt. So viel wissen wir jetzt, dass wir ihn in den Reihen unserer Feinde uns gegenüber haben. Wir können das gestörte Duell jetzt hoffentlich auf dem Schlachtfelde nachholen. Vielleicht befreit uns die Cholera oder eine Kugel von dem Schleicher und Verräter."
Die dunkle Röte lag noch immer auf der Stirn des jungen Mannes, um seinen Mund zuckte es wie zu einer bittern Antwort, doch bezwang er sich.
"Ich glaube, Sie tun dem Vicomte Unrecht, Graf."
"Den Teufel auch! Ein Offizier und Edelmann darf, auch wenn er der Anbeter einer Dame ist, sich nicht zum Klätscher und Spion herabwürdigen. Er hat Ihre Liebschaft in der Strasse Saint Josef an die Fürstin, Ihre Schwester, und wer weiss an wen sonst verraten. A propos! was haben Sie bei der schnellen Abreise mit der kleinen Grisette angefangen? Die Sache schien Ihnen wahrhaftig Ernst und die Kleine war hübsch. Sie würde Unterhaltung während des Feldzugs gewährt haben."
Hätte er in diesem Augenblick das Gesicht des jungen Mannes schärfer beobachten können, als es der dunkle Schein der Lampe im Tabun zuliess, so würde er das Zucken des Mundes, das scharfe Aufhorchen des schönen Gesichts bemerkt haben.
"Ich weiss nicht, was aus ihr geworden," sagte derselbe schüchtern.
"Ich erkundigte mich aus Interesse für Sie nach Ihrer erzwungenen raschen Abreise nach dem Mädchen."
"Bitte, Graf, teilen Sie mir Alles mit, was Sie wissen."
"Es ist wenig und selbst das Wenige Ihnen schwerlich angenehm." Indess, Fürst, ein junger Mann von Welt muss auf dem Gebiet der Liebe seine Erfahrungen machen. Diese pariser Frauenzimmer sind geborene Coquetten. Was ich gehört, ist übrigens eine Art pikantes Abenteuer. Sie erinnern sich, dass am Abend Ihrer Abreise ein Attentat auf den Kaiser Napoleon vor der komischen Oper verübt wurde; schade, dass es nicht gelang, die Frazosen hätten dann schwerlich ihre Finger in unsere Angelegenheiten gesteckt. Die Polizei war auf den Beinen und verhaftete mehrere Personen.