1855_Goedsche_156_541.txt

Seitenflügel des zweiten Hofes gefangen gehalten wird, den der Inglese mit dem griechischen Mädchen bewohnt. Wir werden Eingang finden zu ihnen, ich und mein Bruder, das Wie? und Warum? kümmert Euch nicht, es ist eine Rechnung unter mir und dem Briten. Wenn die Flammen des Arsenals in den Nachtimmel emporschlagen, wird der Konak lebendig werden, und Alles zu dem nahen Feuer strömen. In der Verwirrung wird es uns leicht sein, den Gefangenen zu befreien und mit ihm bis in die Khandschia am Hafen zu gelangen, in der uns der Capitano erwartet. Die Tore der Wasserseite bleiben wegen der Flotte die ganze Nacht geöffnet. – Ist Jussuf, der Mohr, hier gewesen?"

"Vor kaum einer halben Stunde, um Abschied zu nehmen von dem Bruder. Die türkischen Spahi's, wie diese Franken die Räuberschaar genannt haben, verlassen die Stadt."

"Ich, weiss esund nun an unsere Geschäfte. Die Heiligen mögen uns schützen."

Fussnoten

1 Der damalige Unternehmer der grossen Oper. 2 Seit 1844 das Lieblingslied dieses eigentümlichen und berühmten Corps. Sein Ursprung schreibt sich von folgender Anecdote: In einer Nacht überfielen die regulairen Truppen Abdl-Kaders das Lager des Marschalls Bugeaud und waren mitten darin, ehe die erstaunten Soldaten die Gefahr ahnten. Die Offiziere mussten sie mit ihrem Beispiel ermuntern. Der Marschall war einer der ersten auf dem Platz und tödtete mit eigener Hand zwei Feinde. Bald war die Ordnung wieder hergestellt, die Zuaven, welche dies eine Mal so schlechte Wache gehalten, sammelten sich, rückten an und verjagten den Feind. Nach beendigter Schlacht bemerkte der Marschall bei der Helle der Bivouacfeuer, dass Alle, die ihn ansahen, verstohlen lachten. Er fährt mit der Hand nach seinem Kopf und findet diesen mit einer solennenNachtmütze bedeckt. Als er hierauf nach seiner Feldmütze ruft, erheben sich tausend Stimmen und schreien nach der Mütze des Marschalls. Am andern Morgen circulirte bereits das Lied und hat sich seitdem bei dem Corps erhalten. 3 Neugriechische Benennung des Schwarzen Meeres. 4 Historisch!

Im Tabun.

Die Erdhütte des Tabuntschik bildete ein geräumiges Gemach mit zwei Ausgängen, deren einer auf mehreren Stufen hinauf in's Freie führte, während die zweite Tür nach einem anschliessenden Vorratsraum ging. Die Wände, von in der Sonne getrockneten Lehmsteinen aufgemauert, waren mit Wolfs- und Pferdehäuten bekleidet und mit einer Unzahl von bunten Heiligenbildern der schlechtesten Qualität beklebt. In einer Ecke brannte vor einer mit allerlei Flitterwerk ausstaffirten grobgeschnitzten und bemalten Holzfigur der Jungfrau mit dem Christuskinde und darunter vor dem Bilde des Schutzheiligen des Besitzers, eine Lampe. Grüne Zweige von Ginster und Wermut waren an den Wänden aufgesteckt, Binsen deckten den Fussboden.

Die Gesellschaft der Reisenden hatte beschlossen, die Nacht in dem Tabun zuzubringen und mit der erwachenden Sonne, wenn die Steppe abgekühlt und jede Gefahr beseitigt war, ihre Reise fortzusetzen. Der Tabuntschik hatte es übernommen, nach der verlassenen Telege der Polen zu sehen und dieselbe, wenn das Feuer sie nicht verzehrt, nach der Zufluchtsstätte holen zu lassen.

Die eben überstandene Gefahr warf noch ihre Schatten über die Geretteten. Das furchtbare Ende des jungen Postillous, der zerschmettert mit den beiden Pferden auf dem grund der tiefen Schlucht gefunden worden, hatte ihnen das Schicksal gezeigt, dem sie so leicht ohne den Schutz des Höchsten und die Aufmerksamkeit des Menoniten verfallen gewesen wären.

An dem Heerd in einem Winkel des Gemaches brodelte der Teekessel, dieses Labsal der Russen. Die beiden Damen sassen auf einem von den getrockneten Gräsern der Steppe und Tierhäuten gebildeten Lager, unfern von ihnen die Dienerin, während die Männer um einen roh zusammengezimmerten Tisch, als Bänken sitzend, von den Kriegsereignissen sprachen.

Am Feuer selbst kauerte der greise Tabuntschick, den brodelnden Kessel beachtend. Der Reisevorrat des Obersten hatte Rum und die nötigen Ingredienzien des Mahles hergegeben, dessen Hauptbestandteil ein vom Tabuntschik gekaufter Hammel bildete, von dem der grössere teil den Dienern und Kosacken überlassen worden war.

"Der Fürst-Gouverneur," erzählte der junge Fürst Iwan, "hatte mich in die Steppe beordert, um an Hetman Kassalap die Aufforderung zum Sammeln der irregulairen Esotnieen zu überbringen. Ich war auf der Rückkehr und hatte in Uroczczerna den Lieutenant Potemkin getroffen. Wir verweilten auf der Colonie der Eltern jenes braven Menoniten, als die Gefahr der Heuschrecken ihre Felder bedrohte und man mit den gewöhnlichen Mitteln des Rauchs sie verscheuchte. Ich weiss nicht, ob hierbei durch Unvorsichtigkeit die Steppe in Brand ging."

"Verzeih' Bruder," bemerkte der Menonit, "das Feuer kam von der Küste her und brannte bereits seit gestern."

"Gut! Die wackern Landleute hatten ihre Felder durch Aufwerfen von Gräben gesichert. Noch ehe die Gefahr uns so nahe, kamen die zwei Kosacken in die Colonie und erzählten von der Not, worin die treulosen Jämschtschiks die polnische Dame gelassen. Die Ritterpflicht erforderte, ihr zu Hilfe zu kommen, und so machten wir uns auf den Weg durch das Feuer. Hesekiah führte uns."

"Wir danken Ihren Bemühungen unsere Rettung," sagte der Oberst.

"Weniger uns, als den zweckmässigen Massregeln Ihrer Kosacken und dieses Rosshirten. Iwan Oczakoff, Väterchen, wird stets bereit sein, Dir seinen Dank zu beweisen."

Der Tabuntschick, der sinnend in das Feuer gestarrt, wandte forschend seine Augen auf ihn:

"Du bist ein Oczakoff?"

"So ist es, Väterchen. Mein Vater war der Gouverneur von Kasan. Meine Mutter