hängt mit Fanatismus an seinem Herrn und hat gedroht, Alles zu verraten, ehe er ihn in Gefahr liesse. Die Nachricht, dass der Doctor verurteilt ist und morgen erschossen werden soll, muss ihm verborgen bleiben."
Es klang wie ein leiser Schrei durch das Gemach, und Caraiskakis blickte sich um, aber es war Nichts.
"Die Zeit des Handelns für uns ist gekommen. Höhere und wichtigere Interessen haben mich gezwungen, den Freund in die Gefahr zu bringen, die ihn jetzt bedroht. Fluch diesem Inglis, der ihn und uns verraten. Meine Pflicht ist es jetzt, ihn zu retten und sei es mit meinem Blute."
"Was gedenkst Du zu tun?" fragte Geurgios.
"Zuerst die Interessen unsers Glaubens und unsers Vaterlandes. Ich bringe schlimme Botschaft: Hadji Petros ist von Fuad, Zeinel-Pascha und Abdi geschlagen worden. Der General stand mit 4000 tapfern Hellenen bei Kalambaka, – Zacco und Katarachia deckten die uneinnehmbaren Pässe von Syrakos. Da sandten die Franken ihre Commissare zu Zacco und der Verräter gab ihren Lockungen und Versprechungen nach und räumte die Schanzen. Am andern Tage standen die Moslems vor Kalambaka. Hadji verteidigte es mit viertausend Getreuen fünf Stunden lang gegen Eilftausend, – kaum dass er verwundet selbst dem Gemetzel entkam. Sechshundert Christenköpfe schickten die Paschas auf Pferden nach Larissa4. Das Kreuz ist in Tessalien gefallen, wie es im Epirus fiel!"
"Und der König? – die Königin?"
"Sie liegen in den Banden der Franzosen und Engländer. Ihre Soldaten, stehen im Pyräus, ihre Schiffe kreuzen vor unsern Häfen und durchsuchen unsere Fahrzeuge. Spiro Milios ist arretirt und mach Napolis gebracht, weil er dem Schurken Kalergis und den fränkischen Schergen nicht Rechenschaft geben wollte, woher das Geld ihm gekommen, mit dem er unsere Brüder besoldet. Kalergis und Maurocordato rütteln am Tron, die Macht ist in ihren Händen, unsere Freunde werden in den Kerker geworfen, der König, bis Königin werden offen beschimpft und verhöhnt, unsere Presse ist unterdrückt und der britische und der französische Gesandte gebieten an der Akropolis."
"Christen gegen Christen! Fluch ihnen, die uns bei Navarin geködert, nachdem unsere eigene Kraft die Fesseln gebrochen hatte."
Ein trauriges Schweigen folgte den Mitteilungen. Gregor nahm zuerst wieder das Wort.
"Das Unglück darf uns nicht entmutigen, – wir sind Kinder des Schmerzes und mit dem Kampf gegen die Tyrannei grossgesäugt. Unsere Hoffnung richtet sich nach Norden, und ob Ströme von Blut fliessen, die Söhne der Hetärie, die Kinder der Elpis werden nicht ermüden in dem Kampf. In dem heutigen Kriegsrat unserer Bedrücker, denn der Franzose und der Engländer sind jetzt so gut der Feind unsers Volkes und Glaubens wie der Moslem selbst – ist Wichtiges beschlossen worden. General Epinasse mit drei Divisionen wird einen Zug nach der Dobrudscha unternehmen. Die Führer sind ausser ihm der Araber Yussuf, General Bosquet und der Prinz selbst. General Lüders muss sofort durch einen Boten benachrichtigt werden, denn ein teil der Truppen ist bereits auf dem Marsch."
"Mauro soll sich bereit machen."
"Die Flotte segelt morgen ab, 12 Linienschiffe und 6 Fregatten. Sie wird in Baltschik anlegen, um den General Canrobert und Sir George Brown einzuschiffen."
"Aber das geheimnis ihrer Bestimmung – so gilt es wirklich Sebastopol? und der Fürst, der sich auf uns verlassen, hat keine Nachricht?!"
Gregor nahm die Hand seines Bruders:
"E r wird sie ihm bringen und so zugleich diese Stadt verlassen, in der die Ankunft eines Dämons in Frauengestalt ihm Verderben droht. Die Flotte ist nicht, obschon dies allgemein verbreitet wird, zu einer Expedition gegen Sebastopol oder Balaclawa bestimmt, sondern wird nur eine Recognoscirung des Ufers vornehmen und die russischen Schiffe herauszulocken suchen, indem man sich den Anschein gibt, in Balaclawa landen zu wollen. Sie geht an die Küsten von Colchis mit Munition und Waffen für die Bergbewohner."
"Wie wird Dein Bruder nach Sebastopol gelangen?"
"Die smyrniotische Felucke 'Maria' liegt auf der Rhede mit englischer Ladung für Batum, bereit, jeden Augenblick in See zu gehen. Capitano Felicio hat bis diesen Abend gezögert, die Pässe zu holen. Er wird bis Mitternacht in der Stadt verweilen – Nicolas kennt den Ort, wo er uns erwarten wird; er und der deutsche Arzt werden ihn in der Kleidung von Galiandschi's begleiten. Die Felucke wird vierundzwanzig Stunden vor der Flotte das Cap Aya passiren. Nicolas versteht mit einem Boote umzugehen, und wird mit einem solchen die Küste erreichen."
"Der Weg ist sicher," meinte Geurgios. "Welche Aussicht hast Du, den Franken zu retten?"
"Der Schlag, den wir erst in drei Tagen zu führen gedachten, muss schon in dieser Nacht erfolgen. Vor Mitternacht muss das französische Arsenal und das grosse Lazaret in Flammen stehen, und möge diese Brandfackel das Verderben des Halbmonds und seiner Freunde beleuchten."
"Aber die Unsern sind noch nicht bereit – die Brander nicht fertig."
"Wir haben sechs Stunden Zeit, darin lässt sich der Untergang von ganz Varna bereiten. Ich will es an allen Ecken anzünden, ehe ich zugebe, dass der Freund ihr Opfer wird."
"Und Dein Plan, ihn aus dem Konak des Pascha's zu befreien?"
"Wir wissen durch Vaso – Vassili, wie er im Dienst des Pascha's heisst, – dass er in demselben