der näselnden Manier der Orientalen Sprüche aus dem Koran laut hersagend, während er die Kugeln seines Rosenkranzes mit rapider Schnelligkeit durch die Finger gleiten liess. Ihm zur Linken ritt die kurdische Prinzessin, deren Fanatismus die Prophezeihung von einer Jungfrau, die das türkische Reich und den Islam erretten werde, in Bewegung gesetzt hatte. Aber die Jungfrau war längst zur runzlichen alten Jungfer geworden, und ihre etwas buckliche Figur und der ziemlich komische Aufzug, in dem sie auf ihrem Pferde sass, erregte das Gelächter der europäischen Truppen. Die reine Jungfrau trug wahrscheinlich in dem Glauben, dass die Russen vor der Holdseligkeit ihres Antlitzes davon laufen würden, dasselbe unverhüllt, schien sich aber gewaltig über die frechen Blicke der Männer zu ärgern, die von allen Seiten auf ihr ruhten. Sie mochte bereits einige fünfzig Jahre zählen, war klein und mager und nie ohne ihren Adjutanten, den alten schmuzigen Derwisch, zu sehen. Später, da sie allerlei Ansprüche machte und den türkischen Behörden lästig zu werden begann, schoben diese sie bei Seite, ja, man erzählt, dass Omer Pascha die alte Närrin ohne Weiteres auf ein Schiff packen und in Trapezunt an's Land setzen liess, ihre rüstigen Krieger aber weislich unter seiner Reiterei behielt.
Ein höheres Interesse fesselte die Zuschauer jedoch an die dritte Figur der Gruppe, die geheimnissvolle Reiterin, von der kapitän Ducru erzählt. Ihre Figur war schlank und ebenmässig und sass fest und sicher im Sattel, nicht hockend und plump, wie die türkischen Frauen gewöhnlich zu reiten pflegen. Ein Yaschmak von feiner schwarzer Spitzengaze verhüllte zwar ihr Gesicht nach muselmännischer Sitte, doch wies der sichtbare teil der Nase und Stirn und das feuersprühende, dämonisch dunkle Auge, dass die Fremde jung und schön sein musste. Sie führte mit sicherer Hand das feurige arabische Ross, das sie ritt; ein halb offenes Oberkleid von braunem Tuch mit dunklem Pelz besetzt und weite Beinkleider, von gleichfarbiger Seide bis auf die zierlichen Knöchel herabfallend, bildeten ihren Anzug. Ein reich verzierter Säbel hing an ihrer Seite, Pistolen waren in ihrem breiten Shawlgürtel.
An der Seite des Pferdes schritt unbekümmert um das Menschengewühl ein grosser Molosserhund.
Das spöttische Gelächter, der höhnende Zuruf, der zuerst ihre beiden gefährten begrüsst hatte, verstummte, als sich Aller Augen auf die dunkle Reiterin wandten. Bald murmelte es durch die Menge: "La Vengeresse! la Vengeresse!" und je weniger die Zuschauer von der Benennung verstanden, desto höher schwoll das Interesse daran und brach alsbald in einen stürmischen Hurrahruf aus.
Die Türkin schien mit derselben Gleichgültigkeit und Verachtung auf die Beifallrufenden zu schauen, mit der sie vorhin ihren Hohn und Spott aufgenommen. Plötzlich aber zuckte es wie ein electrischer Funke durch ihren ganzen Körper. Sie presste ihrem Ross die scharfen Spitzen der Bügel in die Flanken, dass es sich hoch bäumte, drehte es sicher auf den Hinterbeinen um und setzte mit einem Sprung auf die Menschenmauer zu, die erschrocken auseinander stob.
Das Pferd mit seiner wilden Reiterin hielt dicht vor zwei Armeniern, die in ihre weiten schwarzen Talare gehüllt, das Barett tief in die von dunklen Bärten halb verdeckten Gesichter gedrückt, zuschauend unter der Menge gestanden. Mit einem seltsamen Gemisch von Entsetzen und Aufregung blickte der Jüngere auf die Amazone, während der Aeltere ihn fortzuziehen sich bestrebte.
Nur einen Augenblick dauerte die Scene. Das Weib auf dem Pferde hob wie warnend die Hand und sagte langsam und deutlich: "Die Reihe ist an Dir, hüte Dich, Nicolas Caraiskakis!" und im nächsten Moment schon lenkte sie ruhig zurück in die Reihe und ritt weiter, gleich als sei Nichts geschehen und als habe ihr Ross nur durch Zufall gescheut, und der Menschenstrom schloss sich alsbald wieder um sie her.
Die Hand des ältern Armeniers aber zog den Erkannten mit sich fort aus dem Gedräng in die nächste enge Quergasse, durch einen kaum mannesbreiten Durchgang, und weiter, bis sie in die Griechenstadt kamen und zu der halbverfallenen Mauer eines Hofes. Auf ein eigentümliches klopfen wurde die Tür von Innen geöffnet und Beide traten in den engen Hof, aus dem sie durch einen langen gang in das von der Strasse gleichfalls durch Mauer und Tor abgesonderte Vorderhaus gelangten.
In einem Gemach zu ebener Erde, das an den Fenstern stark vergittert war, hielt endlich der Aeltere an und wandte sich zu dem Mann, der ihm geöffnet.
"Rufe Geurgios und wer sonst von den Brüdern im haus ist."
Dann, während der Diener sich entfernte, wandte er sich an seinen gefährten.
"Das Weib erkannte Dich trotz der Verkleidung. Wer ist sie?"
"Fatinitza – die Wölfin von Skadar – die Tochter Selim-Bei's, des verstorbenen Pascha's von Skadar."
"Ich habe von dem Knaben Mauro Manches gehört von dem charakter dieser Frau und Deinem verhältnis zu ihr, während Dein Mund gegen den eigenen Bruder verschlossen blieb. Du hast sie zu fürchten?"
"Sie hat mir Verderben geschworen – in der Kula von Protopapas."
"Sie möge ihre Macht probiren, – ehe die Sonne aufgeht über den Golf, wirst Du auf den Wellen des Mavri-Talassa3 schwimmen."
Er legte das Barett, die falsche Haartour mit den langgewickelten dunklen Locken und den Bart ab, – es war Gregor Caraiskakis, der mit dem Bruder gesprochen.
Zugleich traten Geurgios der Fanariot und zwei andere Griechen in das Zimmer mit dem Knaben Mauro.
"Ist Nursah in seinem Gemach?"
Der Knabe bejahte.
"Der Bursche