Morgen jenes Tages, an welchem er den Besuch der Fürstin Iwanowna empfing, seinen Abschied eingereicht hatte und dass dieser durch das Verschwinden des jungen Fürsten unnötig gemacht worden. Bei Beginn des Krieges hatte der Vicomte um seine Versetzung aus dem Stabe des Kaisers zur activen Armee gebeten, und war zum Kommandanten des zweiten Bataillons des dritten Zuaven-Regiments ernannt worden. Verschiedene Kommando's beim Einschiffen der Truppen, nach Silistria und zuletzt zur Organisation der Baschi-Bozuks durch die Generale Yussuf und Beatson, hatten jedoch bis jetzt seinen Eintritt in das Regiment verhindert und er begrüsste es jetzt zum ersten Mal auf türkischem Boden.
Die Stabsmusik voran, das Trommlercorps seinen Marsch schlagend, Gamains von den Strassen der Hauptstadt, denen selbst das freie Leben im Antoine noch zu ruhig gewesen und die den Eltern und Lehrherrn davon gegangen, jetzt dem Stabe des bärtigen riesigen Tambourmajors folgten. Hinter der Musik die vier Marketenderinnen des Bataillons, drei junge frische Frauen mit kecker Grisettenmiene, und eine ältere, den Fess der Zuaven auf dem braunen kurzgeschnittenen Haar, blanke Tressen auf dem coquetten blauen Jäckchen, das lose um die Brust sass, und um den kurzen Rock von gleicher Farbe, unter dem die roten Beinkleider hervorbauschten, – Jede das bekannte Fässchen auf dem rücken, die Freudenspenderin der Soldaten. Und hinter den kecken Dirnen, die so oft im blutigen Schlachtgewühl zwischen Pulverdampf und dem Pfeifen der Kugeln ihren Freunden den letzten Labetrunk gereicht, der Oberst des Regiments mit seinen Adjutanten zu Pferde, die Offiziere, die lange Reihe bärtiger lustiger Gestalten in der kekken Nonchalance der französischen Marschhaltung, den Fess hinten auf das Ohr geschoben, das Gewehr leicht im Arm, den hellblauen Shawl mit unbeschreiblichem Aplomb um die Hüften geschlungen, an der Seite Scheersack und Proviantbeutel, auf den rücken den Tornister, auf dem, mindestens ein Mal in jedem zug, die berühmte Katze kauerte, Mademoiselle Minette, der Liebling und Vorkletterer der Compagnie, der bissige, boshafte, Wache haltende, kleine Teufel, der die Kabylen auf 500 Schritt zu wittern verstand.
Der Vicomte sprang an das Pferd des Obersten, ihn zu begrüssen.
"Willkommen, Kommandant! Ich habe Ihr Bataillon offen gehalten und Sie können eintreten, sobald es morgen uns folgt. Du Moulin führt es unterdessen."
"Nichts wäre mir lieber, Oberst," berichtete eilig der Offizier, "aber ich bin noch kommandirt zu General Yussuf und seinen türkischen Spahi's und in einer Stunde marschiren wir nach der Dobrudscha."
"Fatal! – vielleicht, dass wir Ihnen folgen müssen. Auf Wiedersehen also vor den Russen, Méricourt."
Dieser trat zurück.
"Bon jour, Commandant! Avez-Vous oublié la petite vivandière de Marseille?" fragte eine freundliche stimme neben ihm.
Es war die Marketenderin vom Quai der Hafenstadt.
"Nini Bourdon?"
"C'est ça, mon Commandant. Ich sehe, Sie haben meinen Namen behalten. Mein Bruder marschirt in der zweiten Compagnie."
"Und der arme Irre, Dein Vetter?"
"Er bewacht mein Gepäck im Nachtrab. Au révoir, Monsieur – ich muss in meine Reihe."
Sie sprang davon. Der Vicomte mit seinen drei gefährten eilte weiter.
"Merken Sie auf, Sazé, das war die Marketenderin, von her ich Ihnen sprach. Der Mensch, der eine so seltsame Aehnlichkeit mit Fürst Iwan hat, folgt ihr, wie sie sagt. Auf meine Ehre, dort ist er – blicken Sie hin, der blasse Bursche da auf dem Maultier, ein zweites führend."
"Wahrhaftig, – die Aehnlichkeit ist erschreckend!"
"Die Zeit drängt – lassen Sie uns eilen."
"Einen Augenblick noch," bat Depuis. "Ich höre so eben, dass eine Abteilung Tunesen und die beiden Amazonen folgen, die in Constantinopel mit ihren Freischaaren aufsehen gemacht haben."
"So leben Sie wohl, der Dienst ruft mich. Sie wissen, was zu tun ist und der Himmel möge Ihren Schritten Erfolg geben."
Der Vicomte drängte davon durch den Menschenstrom, den die Neuigkeit von der Ankunft der Freischaar herbeizog. Die anderen drei verweilten, um das Schauspiel zu sehen, und den Zug vorüber zu lassen: – zunächst die Mohren von Tunis, die ersten Hilfstruppen, die der Bei gesandt und deren man sich in Constantinopel so bald als möglich entledigt hatte, wilde Gestalten, die Mordlust und Zügellosigkeit in den gelben Augen, auf den schwarzen, braunen und gelben Gesichtern, eine Horde, die die Hölle selbst losgelassen zu haben schien. – Dann das wilde Spiel der Zinke und der Trommel, eine gedrängte Schaar prächtig ausgestatteter Reiter in der bunten albanesischen Tracht, die lange Flinte auf dem rücken oder die Lanze in der Faust, kühne stolze Gesichter. Und zwischen den bunten Albanesen die finsterblickenden dunkeln Söhne eines andern Weltteils, die Kinder des Ararats: die Kurden, broncefarbene Gesichter und Körper, eine rote Jacke, welche die sehnichten arme fast bloss liess, dunkle Beinkleider bis zum Knie, die hohe Mütze von schwarzem Lammsfell auf dem Kopf, den dunklen Filzmantel um die Schultern, mit Flinte, Yatagan und Lanze bewaffnet.
Vor diesem gemischten seltsamen Haufen zog eine Gruppe her, welche aus drei Personen bestand und die allgemeine Aufmerksamkeit erregte, die sich bei den Franzosen sofort in mancherlei spöttischen Acclamationen kund gab.
Die Mitte nahm, auf einem Kameel reitend, ein alter schmuziger Derwisch ein, in grauer Kutte mit nackten Beinen, nach