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misshandelnd, das "Bono Johnny" oder "Francis bono" an allen Enden und wo es ungehört geschehen konnte, ein "Pesevenk Giaurs" oder ein giftiges Ausspucken hinterdreindas war Varna im Sommer 54, und Sacristi! Marschall Saint Arnaud mit seinen pomphaften Proclamationen von künftigen Siegen oder Nimmer-Heimkehr hielt verdammt wenig Ordnung in diesem Gewühl!

Im Tschardak des "Restaurant des officiers," wie sich pomphaft mit langen Buchstaben eine der schnell etablirten Garküchen in der grossen Corso-Strasse nannte, drängte es sich von ab- und zugehenden Offizieren aller Waffengattungen. Eben so im inneren, wo vor ziemlich schmuzigen, rings umher laufenden Rohrbänken Tische standen, die mit französischem Luxus servirt und von zwei gewandten Garçons bedient waren, wenn auch die Speisekarte fast so mangelhaft als die speisen selbst blieb.

Die Unterhaltung flog von Tafel zu Tafel und jeder der Neueingetretenen gab ungenirt seinen teil dazu.

Eine laute lärmende Gesellschaft sass in der Mitte des Zimmers.

"Erzählen Sie, D u c r u . Also ein Kleeblatt von Jeanne d'Arcs in Constantinopel und wir werden sie hier sehen?"

"Wie heissen sie? Wer ist die Dritte? Das Journal de Constantinople spricht ja Wunderdinge von ihr."

"Von der Gräfin Zamoyska haben Sie bereits gehört. Parbleuvor zwanzig Jahren mochte sie passiren, jetzt ist sie in der Zeit, wo das Todtgeschossenwerden ein Glück für sie sein könnte."

"Lassen Sie das den kapitän Wisimski nicht hören, Vantourin, er war in Galizien einer ihrer alten Courmacher."

"Bahsie ist eine aufblühende Rosenknospe gegen den Drachen, die Prinzessin Kirajia Dscheladulha, eine alte kurdische Hexe, die mit 200 Spitzbuben vom Ararat gekommen ist und sich berufen glaubt, das Reich Mahomed's zu retten. Sie trägt nicht einmal einen Schleier, so sicher ist sie ihrer Tugend, und sitzt auf dem Pferde wie ein kranker Affe."

"Aber die Drittesie soll jung und schön sein, und Gott verdamm' meine Augen, wie unsere lieben Alliirten zu sagen pflegen, wir leiden hier abscheulichen Mangel an Damen."

Der junge Souslieutenant kräuselte sich schwermütig dabei den Bart.

"Sie können eben so gut einer mit Kartätschen geladenen Batterie in die Mündungen sehen, V i l l a r d ," lachte der Erzähler, "als in die Augen dieses kleinen Teufels, das einzige, was aus der Umhüllung des widerlichen Jaschmaks zu sehen ist."

"Aber woher weiss man da, dass sie jung und

schön?"

"Alle Welt in Constantinopel sagt es. Sie war erst

acht Tage vorher mit ihren hundertundfünfzig Arnauten eingetroffen. Sie soll die Tochter eines verstorbenen Pascha's sein und sehr reich, denn sie erhält ihre Schaar aus eigenen Mitteln."

"Ihr Name?"

"Sie nennt sich bloss die Rächerin!"

"Baheine Komödiennärrin! Und sie kommt hier

her?"

"So hörte ich."

"Da ist der Adjutant. Willkommen, B e r t h o

l i n – was Neues?"

"Der Briefsack ist mit dem 'Roland' eben ange

kommen, der die Dritten von den Zuaven gewacht hat. Hier, einige Briefe für Sie."

"geben Sie her. – Pestedas ist von der kleinen,

Clairon im Variété, sie schreibt immer mit gelbem Couvert."

"Mir den Charivari!"

"Eine Nummer des Moniteurswill Niemand?"

"Ah, bahwir lesen der offiziellen Albernheiten

genug in den Proclamationen des Marschalls."

"A proposist es unehr, dass eine Ordre wegen der

Brunnenvergiftungen erlassen ist? Das wasser ist so verteufelt schlecht, dass man wahrhaftig daran glauben sollte." "D'rum trinken Sie auch nur Bordeaux, Commandant." Der ziemlich corpulente Bataillonschef fasste sich an die rote Nase. "Diantre, er ist nur so abscheulich teuer in diesem verfluchten Nest!" "Hat Jemand von Ihnen den kapitän de la Tremouille gesehen?" fragte der Adjutant, "hier ist ein Brief für ihn." "Er ist heute Morgen an der Cholera gestorben," sagte eine Bassstimme vom Nebentisch. "Lieutenant Walton machte ihm Platz im Lazaret." "Pestediese Lazarete, man bekommt das Fieber, wenn man daran denkt." "Neuigkeiten von Paris? Leblanc, ich beschwöre Sie, was sagt man im Foyer der Oper?" An den Krieg, an den bevorstehenden Feldzug dachte kein Mensch. "Es ist allerdings der Befehl gegeben," erzählte der Adjutant, "dass kein Grieche oder Türke sich den Brunnen im inneren der Stadt nähern darf. Schildwachen sind ausgestellt und haben Ordre, in der Nacht auf Jeden zu feuern, der nicht zu den Truppen gehört. Man hat in dem einen an der kleinen Moschee Choleraleichen gefunden."

"Pfui! – Mir wird übel werden, wenn ich noch ein Mal wasser ansehe."

"Roqueplan1 hat in der Tat mehr Glück als Verstandder Kaiser bezahlt nochmals die Schulden und er soll Direktor bleiben. Das hat er der Cruvelli zu danken, die mit Fould gut steht."

"hören SieBartelemi hat wirklich vom Sultan eine Dose mit Brillanten bekommen für das jämmerliche Gedicht im Constitutionnel: Das Bombardement von Odessa."

"Ich wünschte, wir hätten den Versemacher hier, um vor Sebastopol die Melodie zu seinem Opus pfeifen zu hören.

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