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anderes Getier der Steppeaus der Luft herab hörten sie das ängstlich kreischende Geschrei grosser Schwärme wilder Enten und anderer Wasservögel, die von der Glut aufgescheucht, hoch über dem Brand weg zu ihren sumpfigen Nestern eilten. Die Minuten, die sie in der quälenden Ungewissheit zubrachten, schienen Stunden.

Der Kosack Wanka war der Erste, der im vollen Carriere seines kleinen zottigen Pferdes, dem Mähne und Hufhaar verbrannt waren, zurückkam.

"Fort, Djeduschka, – das Feuer ist hinter mirkaum drei Werste entfernt und nimmt die Richtung hierher."

"Haltet die Pferde bereit, Lieblings! Schliess' die Fenster Deiner Karosse, Väterchen. – Auf!"

Aus dem Nebel zur Rechten jagte Alexei Petrowitsch.

"Hierher! hierher! es ist eine Lücke in der Wand von Rauch und der Boden nur von den Heuschrecken verwüstet."

"Schiesst Eure Pistolen zusammen los, dass Olis uns hört. Der heilige Andreas schütze den Jungen! Feuer! – Und nun vorwärts, dort hinein!"

Die Pferde wurden zur Seite gerissen und im Galopp jagte die Kutsche, von den Reitern umgeben, in die Rauchwandvon Zeit zu Zeit feuerte der wackere Jäger noch einen Schuss ab.

Der Wagen war etwa zweihundert Schritt vorgedrungen, als die Dunst- und Wolkenwand sich lichtete und sie in eine verhältnissmässig freie Atmosphäre kamen. Es zeigte sich, dass ein leiser Luftzug die Dampfwolken vor sich her trieb und die klare, helle Glut schlug zu ihrer Linken in die Höhe und knisterte über die weite Ebene.

Die Rosse jagten wie toll über die Fläche und rissen den Wagen in wilden Sprüngen über die Risse und Unebenheiten des Bodens. Züngelnd liefen die Flammen über diesen, wenn auch der Luftstrom sie in bestimmter Richtung vorwärts trieb, und an vielen Stellen jagten geradezu die Pferde durch die bereits emporschlagende Lohe.

Celeste lag ohnmächtig im Wagen, die Gräfin atmete schwer, das Gesicht an das Wagenfenster gepresst, dessen Scheiben in der Glut bereits zersprungen waren, während der Graf mit finsterer Entschlossenheit die schreckliche Scene beobachtete.

Plötzlich sperrte ein breiter Erdspalt die Fahrt und die Postillone hielten still. Der vordere Jämschtschik sprang sogleich aus dem Sattel und begann die Stränge seiner zwei Pferde zu lösen.

"Was tust Du, Canaille?"

"Wo der Tod uns vor Augen, hast Du uns Nichts zu befehlen, Väterchen. Diese Pferde hindern nur den Wagen, die Heiligen werden uns durchhelfen, wenn wir allein sind!"

"Sukiensyn!" – Eine Pistolenkugel pfiff dicht am Ohr des ungehorsamen Postillons vorüber.

"Gnade, Excellenz, ich bin Dein gehorsamer Knecht!"

"Den ersten, der uns zu verlassen wagt," schrie der Oberst durch das geöffnete Fenster, "schiesse ich nieder! Iwanwo bist Du?"

"Hier, Erlaucht," entgegnete der alte Kosack, "ich untersuchte die Erdspalte. Wiederholt das Schiessen! Pascholl!"

Wiederum donnerte der Wagen davon, rechts und links von ihnen schlugen am Gestrüpp die Flammen bereits in die Höhedie Fesseln, die Mähnen, die Schweise der Rosse waren abgesengt, kaum noch vermochten die Menschen zu atmen.

"Heilige Mutter Gottes, vergieb mir Sünderin!" jammerte Celeste in der Angst des Todes. "Das ist die Strafe dafür, dass ich die arme Nini um ihr Eigentum bestohlen, welches mir der Russe gab, dass ich nun mit diesem mann so elend verderben muss."

Gräfin Wanda hatte die hände gefaltet, sie betete stillvor ihrer Seele stand in dieser letzten Stunde das Bild des jungen Tschetschenzen-Offiziers, des Imams Sohn, der einst mit ihr die ähnliche Stunde der Todesnot geteilt.

Heilige Mutter von Kasan! – das war ein Schuss aus der Ferne, ein Signal, das nicht von den Männern um die dahin fliegende Equipage kam!

"Kuli! Kuli! Olishierher!" donnerte die stimme des alten Atamans.

Ein zweiter Schuss

Dann brach aus der Rauchwand vor ihnen ein kleiner Reitertrupp, fünf Männer zu Pferde: zwei junge russische Offiziere und ein älterer Mann in braunem langschössigem Rock, die weisse weite Halsbinde trotz der Hitze sorgfältig um den Hals geknüpft, einen dreieckigen Hut von altmodischer Façon auf dem, mit langem schlichtem Haar umgebenen Kopf. Mit ihnen zwei Kosacken.

"Zu Hilfe! zu Hilfe! Hierher!" schrie der Oberstim nächsten Augenblick waren die beiden Offiziere am Wagen – –

Ein gellender Schrei erscholl aus diesem.

"Da ist er! da ist er! Vergebung, Fürst, einer Sterbenden! ich liess sie im Elend!"

"Schorte wos mi! Fürst I w a n O c z a k o f f , Sie in dieser Höllenglut?"

"Oberst Wassilkowitsch, so wahr ich lebe! Wir wagten uns in die Gefahr, um eine Dame zu retten."

"Sie ist hierdoch sprechen Sie rasch, gibt es einen Ausweg aus dieser Höllenglut, die uns lebendig röstet?"

"Für den Wagen schwerlich. Hesekiah, wissen Sie Rat und Hilfe?"

Der Menonit wandte sich zu ihm.

"Es muss ein Tabun hier in der Nähe sein, ich kenne den Tabuntschik, obschon er ein finsterer, menschenscheuer Greis ist. Aber es ist unmöglich, mich in diesem Rauch zu orientiren und es gibt hier überall gefährliche Erdspalten."

"Halt!" schrie der Kosack – "still, Väterchen, so lieb Euch Euer Leben ist, ich höre einen Ton