der silbernen Hochzeit des Prinzen und der Prinzessin von Preussen, an der das ganze Land so patriotischen teil nahm, sich nach der Provinz Preussen begeben hatte, war doch noch immer viel hohe und vornehme Gesellschaft in der preussischen Königsstadt versammelt und namentlich das diplomatische Corps vollständig geblieben, da jeder Tag jetzt neue wichtige Botschaften und Verhandlungen brachte.
Ein leichtes Gewitter war gegen Abend heraufgezogen, der kurze dünne Regenschauer hatte jedoch nur dazu gedient, den Staub des weiten Sandfeldes, auf dem die Bahn ausgesteckt ist, zu mildern, ohne die zahlreichen Sportsmans vom inneren Turf zu vertreiben oder die farbenreichen Toiletten der Damen – denn die Berlinerinnen lieben das Bunte – zu verderben, welche in grosser Zahl und etwas pikanter Mischung die Tribünen rechts und links von der erhöhten Hofloge füllten, während das Publikum zu VierGroschen, das man bereits zum volk zählt, seine Stehplätze auf den Flanken behauptete, unterstützt von den nie fehlenden fliegenden Marketenderinnen in Kümmel und Schinkenstullen.
Der Platz im inneren zeigte ein lebhaftes Treiben – sehr viele Offiziere, die mit grosser Vorliebe an den Aufregungen der Bahn hängen, die Mitglieder des Rennvereins und des Jockei-Clubs, viele Aristokratie aus den Provinzen, die Wollmarkt und Rennen hierher geführt, hohe Beamte, Attaché's, pferdeverständige Banquiers, jene zahlreiche Sorte berliner Flaneurs, teils Juden, teils Christen, die überall sind, ohne dass man weiss, wer sie sind, überall unverschämt und absprechend – des Morgens in irgend einem vornehmern Weinlokal, zur Caffeezeit auf der Kranzler'schen Rampe, Abends im Foyer des Opernhauses oder im Kroll'schen Garten, aber niemals an einem Mittagstisch. Da waren die vornehmen Industriellen in Gold, Edelsteinen, Seide und Bronce, die, weil der Hof bei ihnen kauft, glauben, sie gehörten dazu, die im März 1848 auf's Schleunigste das HoflieferantenWappen bei Seite brachten, in der Vossischen Zeitung mit einem anständigen Beitrag für die Hinterbliebenen der Märzhelden zeichneten und jetzt über den Undank die Nase rümpfen, dass sie noch nicht das Hohenzollern-Kreuz erhalten haben, einstweilen aber keine Galla-Vorstellung im Opernhause und keine gelegenheit versäumen, wo das Entree ihnen erlaubt, sich unter Hof und Adel zu mischen. Da fehlten auch nicht die markirten Physiognomieen, die ein Conto gegen 150 Prozent offen halten für die Ehrenscheine junger Sprossen aus Preussens alten Familien, jene Blutegel am grossen Grundbesitz der Aristokratie. Die berliner Börse endlich in ihren ältern und jüngern Prachtexemplaren, die junge Litteratur und die Hotelbesitzer, die ihre Fremden zum Rennen fahren, wenn die Frau Gemahlin nicht etwa die Equipage mit Groom und Bedienten für sich selbst gepresst hat.
Kurz Alles Bewegung, Alles Glanz, Alles Sehen und Gesehenwerden.
Das Hürden-Rennen um den von des Königs Majestät gesetzten Preis war eben im Gange; die vier Pferde, von den adligen Besitzern oder Offizieren geritten, hatten das letzte Hinderniss dicht zusammen genommen und es entwickelte sich nun ein interessanter Kampf. Selbst auf den Tribünen hatte sich Alles erhoben und war in Bewegung, die Linien im inneren des Platzes drängten möglichst weit vor zum Aerger des Flanken-Publikums, das seine Rechte mit lautem Rufen verteidigte, und die Aufregung und Teilnahme hatte selbst Männer erfasst, die sonst herzlich wenig um den Turf sich zu kümmern pflegen.
"Caurire siegt – Breidbach ist eine Länge voraus! Hundert Friedrichsd'ors Paré! Haben Sie Lust, Baron?"
"angenommen, Hoheit – ich wette auf den 'Shakespeare'. Lüttwitz weiss, wann es Zeit ist."
"Sie kommen – sie kommen! – 'Trial' und der 'Emperor' bleiben zurück!" –
"Sie werden galant sein und mich zwei Louisd'ors gewinnen lassen," flüsterte es aus der ersten Reihe der Tribüne zu dem Herrn mit starker Nase und Backenbart, Frack von Heimann unter den Linden, der an der Linnenwand der Tribüne auf die Bank gestiegen, mit allerlei schwedisch-gymnastischen Körperverdrehungen dem Lauf der anstürmenden Pferde folgte, gleich wie die Kegelschieber die edle Gewohnheit haben; – "ich wette auf die Blaukappe – die Equipage an den Renntagen ist so teuer!"
"Avec plaisir, reizende Amanda! Was werde' ich nicht tun! – Wollen Sie zwei Friedrichsd'ors auf den 'Shakespeare' halten, Herr von Walter?" – Der galante Verlust der Wette war so gesichert.
"In des Teufels Namen, stehen Sie doch ruhig, Herr Wolf. Sie werfen noch die Bank um. Ich wette nie!"
Ein lauter jubel begrüsste die jetzt am Pfosten vorüber stürmenden Pferde – "Shakespeare" voran, "Caurire" als Zweiter.
"Das macht mit den gestrigen Wetten vierhundertundzwanzig Friedrichsd'ors, Hoheit!"
"Ich weiss, ich weiss! – wir haben morgen noch das Jagdrennen, – der Brin d'Amour siegt gewiss!"
"Heute Abend, holder Engel, bringe ich's!" flüstert Herr Wolf und springt von der Bank, sich unter das Gedränge mischend, das wieder den Platz füllt und die dampfend zur Waage zurückkehrenden Pferde umgiebt. "Wissen Sie, lieber Freund, wie viel ich eben hab' verloren auf die 'Caurire'? – Zwanzig baare Louisd'ors! Aber 's schadet nischt – 's ist an eene vornehme Dame!"
Alles drängt durcheinander, die Freunde den Sieger begrüssend, Andere mit den Besiegten jeden Satz der Pferde discutirend.
"Sind Sie heute Abend zu haus, Herr Meier?"
"Zu untertänigstem