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Linien zurückgeworfen. Das Donauufer entlang der Festung fiel in die hände der Belagerten und blieb darin. Auf der Ost- und Südostseite wurde der grösste teil der Belagerungsarbeiten der Russen zerstört, mehrere Fahnen und eine Mörser-Batterie blieben in den Händen der Türken, die dritte Mine, die nach der voreiligen Sprengung der gegen das Abdul-Medjid-Fort noch übrig blieb, wurde verschüttetdie Belagerung musste auf's Neue begonnen werden. Tausend tote liessen die Russen in den zerstörten Laufgräbender Verlust der Türken war nur wenig geringer, denn heldenmütig hatten in ihren Werken sich die Posten gewehrt, ehe die Hilfe herbeikam.

Schon beim Beginn des Kampfes hatte Jussuf, der Mohr, sich eilig und still aus dem Fort entfernt, und während die Schlacht tobte, eilte er mit beschwingtem Fuss durch die engen Strassen, bis er an der Hofmauer des Hauses anhielt, das, wie er wusste, der Engländer Maubridge bewohnte. Mit Hilfe der Schlüssel, die er dem Todfeind abgenommen, der jetzt bereits vor dem ewigen Richter und Rächer stand, gelangte er leicht in das Innere, wo jetzt nur ein altes, ängstlich dem Bombardement lauschendes Weib zugegen war, und dieses, durch sein grimmiges Aussehen und die Todesdrohung erschreckend, führte ihn bald in die einsame und wohlverwahrte kammer, wo er den Knaben Mauro eingesperrt fand. Er nahm ihn an der Hand und führte seine Beute glücklich davon. Durch die zum Ausfall geöffneten Tore und im Gewirr der ein- und ausdrängenden Truppen gelangten Beide rasch in's Freie, und während zu ihrer Linken noch donnernd und blutig der Kampf ras'te, schlugen sie eilig die Strasse nach Schumla ein. – –

Am 13. war Mehmed-Paschader Renegat Czaikowskimit den bei Erekli stehenden Truppen vorgerückt und traf am 15. mit dem Chruleff'schen Corps bei Baldakidi zusammen. Gleichzeitig hatte Said-Pascha die bei Turkossimich auf der Strasse von Rustschuk stehenden Truppen unter Iskender-Pascha gemäss dem allgemeinen Operationsplan vorrücken lassen, während er selbst Giurgewo und die MokanInsel angriff. Aber Pawloff's Division, rechtzeitig benachrichtigt, warf sich den Truppen des ehemaligen Grafen Ilinski in den Weg und verhinderte ihre Vereinigung mit Silistria und dem türkischen Südcorps. Bis in die Nacht hinein dauerte die Kanonade.

General Schilder ward noch im Lager amputirt und dann nach Kalarasch gebracht. Aber der Brand trat in die Wunde und es musste eine zweite Amputation am obern Schenkel vorgenommen werden.

Doch auch diese rettete den greifen Krieger nicht. Seine Stunde war am 13. gekommen, wie das Traumbild seines verewigten Kaisers ihm verkündet: – er starb am 23. in den Armen des jungen Artillerie-Offiziers, der ihn vor der türkischen Gefangenschaft gerettet und den er nicht wieder von seiner Seite liess. Er starbindem er noch das Leid hatte, die Aufgabe der Belagerung und den Rückzug der Russen vom rechten Donauufer zu erfahren.

Beides erfolgte in den letzten Tagen des Monats, nachdem schon seit dem 15. jeder active Angriff aufgehört und die Belagerung sich auf eine teilweise Cernirung durch das Corps des Generals Grotenjhelm auf den von Jassy angelangten Befehl des FürstenStattalters beschränkt hatte. Fürst Gortschakoff und die Generäle Lüders und Chruleff trafen schon am 19. wieder in Bukarest ein, alle drei leidend und krank. Das Einrücken der Oesterreicher in die Donau-Fürstentümer wurde bereits ganz offen proclamirt. Im Angesicht der österreichischen Truppenmärsche, welche den ganzen Raum von der serbischen Gränze an über Siebenbürgen bis zur Bukowina bedeckten und Flanken und rücken der russischen Armee bedrohten; bei der Aufstellung neuer Truppen an der Gränze bei Krakau und der Bildung eines Reservecorps in Mähren war auch die Stellung in der Moldau bedroht und es erfolgte der Befehl zum Rückgang über den Prut. Damit endete der erste Akt des grossen orientalischen Drama's.

An zehntausend tote liessen die Russen allein vor Silistria zurück, darunter sechs Generäle und fünf Obersten.

Der Donau-Feldzug hatte sie mit der furchtbaren Verheerung der Krankheiten an achtzigtausend Menschen gekostet.

Fussnoten

1 Hauptmann. 2 Es gibt keinen Gott als Allah, und Muhammed ist Allah's Prophet. 3 Die Folterengel, die den Begrabenen befragen. 4 Die Richtung nach Mekka, die stets beim Gebet und in der Sterbestunde jeder Mahommedaner nimmt. 5 Nach dem Koran der Zustand zwischen dem tod und der Auferstehung. 6 Die Waage, auf der die Taten der Guten und Bösen gewogen werden. 7 Das Paradies. 8 Czaikowski. 9 Sohn eines LordsBenennung vornehmer Engländer. 10 Schuft von einem Scharfrichter! 11 Abraham's. 12 Hölle.

Kaleidoscope.

Bunte Bilderbunte Gestaltenein flüchtig' Schattenspiel in FarbenBerg und MeerNord und SüdMann und WeibBlut und BlumenLiebe und Hass

Schütt'le das leichte Glas, Leser, das all' die tausend wirren Gestalten entältdie Zeit drängtdie Erzählung fliegt, und dennoch hätt' ich Dir noch so gar Vieles zu sagen, so gar Vieles zu malen.

Einen Stoss an das Glaswelches Bild wird seine Lichtmosaik zuerst Dir bringen? – das Auge an die Loupehinein den blickwas ist's, was Du siehst? wohin hat der Zaubermantel der Phantasmagorie Dich geführt?! – – –

Auf der Rennbahn.

Der vierte TagDienstag, der 20. Junider so rasch im Sporting berühmt gewordenen Berliner Rennen nahte sich bereits dem Ende. Obschon der Hof bald nach den Festlichkeiten zur Feier