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von dem meine Glieder wieder ihre alte Kraft bekommen, jene Kraft, die Dich gebändigt hat? – Der Hekim-Baschi war es, den Du verfolgst und den der fränkische Hund, Dein Herr, bedroht!"

"Erbarmen, Jussufich will Alles tun, was Du willstich will den Engländer tödten, wenn er die Papiere nicht herausgiebt oder dem Doctor Schlimmes tun will."

"Narr! Du bist zu Nichts mehr gut, selbst nicht zu Deinem Handwerk, dem Meuchelmorden. Du bist wie ein Kloss Erde und wirst Erde werden. Wisse, dass der Hekim-Baschi, den Du verderben wolltest, nicht einmal Schuld und Ahnung hat von dem Verrat an die Moskows. Selbst hier warst Du auf falschen Wegen, und Allah wird nur die Mittel geben, das gut zu machen, was Du böse gemacht." –

Man hörte in der Pause, die Jussuf seinen Worten folgen liess, jetzt dumpf aber deutlich das arbeiten, Hacken und Schaufeln zur Seite der Minenkammer in einiger Entfernung.

"Die Moskows sind uns nahekaum zehn Schritt breit Erde trennen sie von unsDu wirst in ihrer Gesellschaft zu Ladha12 fahren, wo Du die Teufelsköpfe von Zakhum fressen wirst, die Deine Eingeweide zerfleischen werden, verräterischer Christ!"

"Verfluchter! Die Moskows werden mich retten! Zu Hilfe!"

Er begann mit aller Kraft seiner Lunge zu schreien, doch im Nu hatte sich der Mohr aus ihn geworfen und presste ihm ein Tuch in den Mund.

"TorDu beraubst Dich selbst des Trostes, Dein letztes Gebet sprechen zu können!"

Er lauschtedie Arbeit der Russen schien für einige Augenblicke eingestellt, sie hatten den gewaltigen Ruf vielleicht als dumpfen Klang zu sich dringen hören und horchten. – Als Alles stumm blieb, setzten sie bald die Arbeit fort.

Mit fast aus den Höhlen dringenden Augen folgte der machtlose Bösewicht den Vorrichtungen, die sein Todfeind jetzt begann. Jussuf schleppte eines der Pulverfässer an die Oeffnung des Ganges und stellte es dort auf. Dann zog er den Banditen in die Mitte des Raumes und warf ihn dort achtlos hin, mit dem Gesicht dem Eingange zugekehrt. Er hob die Laterne, leuchtete seinem Opfer in's Gesicht und hielt sie dann vor sein triumphirend grinsendes Antlitz, gleich als wolle er Jenem dessen Züge für die letzten augenblicke noch schreckensvoll einprägen.

Dann nahm er sorgfältig das Licht aus der Laterne, putzte es mit den Fingern und trat in den gang zurück vor das Pulverfass. Sorgfältig die Flamme mit der Hand umhüllend, steckte er die Wachskerze in das Pulverlangsam tiefer und tieferbis die Flamme kaum noch einen Zoll von der Pulverschicht entfernt war.

Sein schwarzes Antlitz mit den grossen gelbweissen Augen und den glänzenden Zähnen schien dem Verlorenen das Haupt des dunklen Engels Eblis im roten Schein des Lichts, der darüber fiel.

Dann richtete sich sorgfältig, vorsichtig der Mohr wieder auf. Er hob wie zum Abschied den Finger in die Dunkelheit empor.

"Gedenke Jussuf's des Couriers und der Strasse von Silivria!" –

Er verschwand gebückt und langsam im Dunkel des Ganges, jeden Luftzug vermeidend.

Mit ihm sank des Corsen letzte Hoffnung. Der Mörder, der reuelos das Blut so Vieler vergossen, sass jetzt, halb aufgerichtetin dem eigenen grab, in der Gewissheit des Todes, des furchtbaren Todes, dessen Nähe auch der verhärtetsten Seele Alles in einem andern Licht erscheinen lässt.

Kalter Schweiss drang Tropfen aus Tropfen aus seinen Poren, wirre Gedanken zuckten durch sein Hirn, wie er das Schreckliche wenden möchte. Der Knebel im mund erlaubte ihm kaum das Atmen, – aber nur leben! den Schmerz der Wunden fühlte er nichtnur leben! – ob er es als jammervoller Krüppel müsse, – was tat es? – nur leben, ach, nur leben! –

Seine Augen hafteten stier auf dem brennenden Lichtmit Todesangst beachtete er jede Bewegung der Flamme, wenn sie ein Luftzug aus dem Minengang zur Seite trieb.

Er versuchte, sich dem Pulverfass näher zu wälzen, sich aufzurichtenvergeblich, die zerrissenen Sehnen hielten ihn an den Boden gefesselt. Dann kam es ihm in den Sinn, dass jede Bewegung das Licht erschüttern und umfallen machen könne, dass seine hände gefesselt, um es zu ergreifen, dass sein Mund verschlossen sei, um die Flamme in seinem inneren zu begraben.

Seine Anstrengungen, die Bande der arme zu zerreissen, waren furchtbar. Plötzlich traf ein laut sein Ohrdie Klingel am Eingang war in Bewegung gesetzt, – sie schellte – – –

Heilige Jungfrau, Mutter des allsühnenden und vergebenden Heilands, er war gerettet, – Menschen waren nahe – – –

Neindie Schwingungen des Glöckchens verhalltenkein laut liess sich hören! Mit teuflischer Bosheit der Rachgier hatte der Mohr beim Austritt aus dem Minengang die Schnur in Bewegung gesetzt, durch welche den Wachen im inneren der Erde die Befehle signalisirt werden sollten.

Der erste Zug der Schnur bedeutete: "Fertig zum Zünden!"

Des Unglückliche fühlte den schneidenden Hohnein Hauch konnte das furchtbare, immer tiefer und tiefer brennende Licht verlöschen und er war gerettet! aber dieser Haucher war eine Unmöglichkeit für ihn.

Nochmals verdoppelte er seine Anstrengungen, die arme, die hände, die Zunge loszuringendas Blut schien ihm aus den Augen dringen zu wollen vor der gewaltigen Anspannung aller Nerven! –

Vergeblich!

Da versuchte er, zu beten! zum ersten Mal