führen – nicht mit dem Schlag und der Kraft des Armes, sondern durch die rasche und sichelförmige Führung und seine unglaubliche Härte und Schärfe Eisen und Daunen durchschneidet.
"Die Moskows sind – – Marzocco! was tust Du?!"
Er wollte empor springen, doch es war zu spät. Der Mohr hatte ihn mit der Linken am Genick gefasst und drückte seinen Kopf zu Boden, während seine Rechte rasch und gewandt mit der Schärfe des Handjars einen anscheinend nur leichten Schnitt über die ihm zugekehrte innere Seite der Beine seines gefährten führte. Dann liess er ihn los und sprang zurück, zugleich den neben der Laterne liegenden Handjar des Verwundeten aufhebend und die Waffe in den gang schleudernd.
Der Bandit, der nur eine geringe Verletzung empfunden hatte, wollte wütend sich erheben und auf den verräterischen Freund werfen. – "Hund von einem Neger! Du musst sterben!"
Aber die Beine versagten ihm den Dienst, er fiel kraftlos zusammen, gleich als wären die Füsse ihm am Knie amputirt – der Handjar des Mohren hatte mit einem Schnitt die vier Kniemuskeln, welche innerhalb des Kniees Schenkel und Bein verbinden, durchschnitten, er war unheilbar in einem Augenblick zum machtlosen Krüppel geworden und die Wahrheit durchfuhr bei dem zweiten vergeblichen Versuch seine schwarze Seele.
"Manigoldo10! Noch habe ich meine arme, um Dich zur Hölle zu senden!" Er griff nach den Pistolen in seinem Gürtel, liess aber die Hand alsbald mit einem wilden Fluch kraftlos sinken: er erinnerte sich, dass nach strengem Verbot Niemand eine Schusswaffe in die Minengänge mitnehmen durfte und schon aus eigener Besorgniss nicht mitnahm.
Der Mohr hatte die Bewegung gesehen und lachte spöttisch.
"Warum hast Du mir das getan, schwarzer Teufel, nachdem Du selbst mir das Leben gerettet?"
"Bana bak, ai gusum! – Schau' mich an, Licht meiner Augen! – öffne den Brunnen Deiner Gedanken, und Du wirst es wissen," sagte höhnend der Schwarze. "Du hast ein schlechtes Gedächtniss, Freund Lucia, und mich hat Allah mit einem vortrefflichen gesegnet. Aber es ist Zeit, dass wir unsere Rechnung schliessen, Eblis, der Engel des Unheils, könnte uns die Moskows auf den Hals schicken und mich um meine Rache betrügen."
"Komm' mir nicht zu nahe, Schurke! – Zu Hilfe, Kameraden!"
Der Mohr machte eine verächtliche Bewegung, die das Nutzlose des Rufs an menschliche Hilfe zeigen sollte, dann zog er aus der langen Seidenbinde um seine Hüften eine dort verborgene starke Schnur und warf sich damit auf sein Opfer.
Es erfolgte ein langer heftiger Kampf, bei dem Keiner der Kämpfenden einen laut hören liess. Der Corse wehrte sich verzweifelt und mit riesiger Kraft. Aber der Blutverlust, der Schmerz seiner Wunden und die Unbehilflichkeit, in die er durch dieselben versetzt worden, mussten ihn bald unterliegen machen. Er fühlte seine Brust und arme von der verhängnissvollen Binde zusammengeschnürt und in wenig Minuten sich eine hilflose, fast regungslose Masse, die wie ein Stück Holz am Boden lag.
Der Schwarze betrachtete spöttisch sein Werk und rollte mit dem Fuss den Körper rundum. Hätten die wutfunkelnden Augen des besiegten Feindes ihn durchbohren können, sie wären wie tausend Dolchstösse gewesen!
"Schwarzer Teufel – sprich – was habe ich Dir getan? – was willst Du von mir?" keuchte der Corse.
"Was Du mir getan hast, Brüderchen?" fragte langsam der Courier. "Bei den sieben Toren des Paradieses, Du sollst es hören. zuvor aber will ich mir die Freiheit nehmen, Deine Taschen zu untersuchen. Bei der Reise, die Du nun bald in Gesellschaft jener Moskows antreten wirst, deren Nähe Du hörst, bedarfst Du des Gepäcks nicht."
Er begann ruhig die Taschen und den Leibbund des Hilflosen zu plündern.
"Höre mich, Jussuf! Wenn es Gold ist, was Dich reizt, ich will Dir Alles lassen, was mein ist – ich schwöre Dir bei der heiligen Jungfrau, ich will mich nicht rächen an Dir und Dir vergeben, dass Du mich zum Krüppel gemacht hast, nur bringe mich an das Licht des Tages!"
"Du sollst dahin kommen, verlass Dich d'rauf!"
Er hatte seine Plünderung beendet und das Gold und mehrere Schlüssel, die er bei dein Banditen gefunden, zu sich gesteckt; dann setzte er sich neben ihn.
"Wenn Deine Laune gut ist, o Effendi Lucia, so lass' uns plaudern. Wir haben noch einige Minuten Zeit. Erinnerst Du Dich eines Abends im monat Schewal und an ein kleines Geschäft, das Du an einem schwarzen Mann auf der Strasse nach Silivria verrichtetest, dem Du hundert Zechinen und einen Brief stahlst? – Du scheinst das Briefstehlen zu lieben!"
Ein kalter Schweiss begann die Stirn des gefesselten Banditen zu bedecken. Er fing an, zu begreifen, dass er einem mitleidslosen Rächer in die Hand gefallen.
"Du – der Courier – wo hatte ich meine Augen!"
"Was weiss ich! Allah hat die meinen besser gemacht. Als Du meinen wunden Körper auf Deinen Armen zu jener Schlucht von Tschekmedsche trugest und ihn in die blauen Wellen des Meeres versenktest, traf mein Auge Dein Antlitz und, wenn ich Ibrahim's11 Alter erreicht hätte, ich würde es nimmer vergessen haben."
"Erbarmen, Jussuf – ich habe Gold – viel Gold – –"
"Weisst Du, wer meine Wunden heilte? wer mir das wasser des Lebens gab,