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und Dir jetzt nicht offen meinen Verdacht oder vielmehr meine Gewissheit in's Gesicht gesagt haben."

"Was konnte ich tun? – ich bin ein armer Sclave und meine Haut ist schwarz."

"Der Hekim-Baschi hat Dich und Deinen Bruder mit Gold bestochen, aber Du sollst mehr verdienen und ohne Gefahr, alle Tage eine Kugel durch den Kopf zu bekommen. Ich bin Dir Dank schuldig, denn Du hast mein Leben gerettet vor dem verfluchten Russen und Du sollst sehen, dass Sta Lucia kein undankbarer Schuft ist, wenn auch sonst mein Gewissen sich gerade nicht viel Kummer macht."

"Meine Ohren sind offen."

"Mein Herr hasst den Deinendas Warum? geht uns Nichts an, ich weiss es auch nicht. Kurz und gut, er sinnt auf sein Verderben oder will ihn wenigstens in seine Gewalt bekommen, um irgend einen Zweck von ihm zu erpressen. Am Tage, da der Zufall gerade Dich zu meinem Lebensretter gemacht hat" – er unterbrach sich und beugte sich horchend nach vorn. "Was ist das für ein Geräusch, – mir ist, als hörte ich es neben uns?"

"Du irrst, Freund, – vielleicht ein Posten, der über die Mine geht. Fahre fort, in des Propheten Namen."

"Also an diesem Tage hatte mein Herr den Doctor zufällig hier wieder gefunden, und als er hörte, dass Du, der mich so sorgfältig in den beiden ersten Tagen pflegte, im Dienst seines Feindes ständest, oder doch unter seinem dach wohntest, gab er mir den Auftrag, mich an Dich zu machen und mit Dir gute Freundschaft zu halten."

Die Zähne des Mohren glänzten weiss zwischen den dicken Lippen hervor.

"Ich weiss nicht, woher er gleich den Verdacht eines Verkehrs des Hekim-Baschi mit den Russen hatte, aber genug, er hatte ihn und ich hätte nicht Sta Lucia sein müssen, wenn ich nicht, ehe acht Tage vergingen, gewusst hätte, dass sein Verdacht Wahrheit sei. Der Brief ist in seinen Händen."

"Wah! was ist ein Brief! der Hekim-Baschi hat Freunde!"

"Ich sage Dir, er und Ihr Alle seid in unsern Händen. Meinst Du, wir würden es bei einem Beweise gelassen haben? – Der türkische oder griechische Knabe, den Dein Herr zu seinen Botschaften gebraucht, ist in unserer Gewalt; wir fingen ihn gestern Abend auf, als er am Wall umherschlich. Der Bursche kam geduldig, als ich ihn rief, und merkte Nichts eher, als bis ich ihn in meinen Händen hatte, aus denen kein Entrinnen ist. Wir haben die Briefe, die er bei sich trug, gefunden."

Der Mohr war bei der Nachricht erschrocken zurückgefahren, hatte sich aber bald gefasst.

"Und was habt Ihr mit dem Knaben gemacht?"

"Wir haben ihn eingesperrt in des Beisädih's9 wohnung."

"Es ist ein Unglückwas kann ich dafür? Was beabsichtigst Du, mit uns zu tun?"

"Hab' ich Dir nicht gesagt, dass Du Nichts zu fürchten hast? – Es soll kein Haar der Wolle auf Deinem Schädel in Gefahr sein, wenn Du meinem Rat folgst. Der Beisädih hat mich beauftragt, mit Dir zu sprechen. Der Junge, den wir bereits in der Hand haben, wird festgehalten bis zu der Zeit, da der Lord für nötig hält, die Anzeige zu machen. Bis dahin beobachtest Du den Hekim-Baschi genau und teilst mir Alles mit, was er tut und treibt, dann treten ich und Du als Zeuge gegen ihn auf. Nursah, Dein Bruder, erhält des Doctors Habe und wir einen reichen goldenen Lohn von meinem Herrn. Er kennt mich und weiss, dass er sein Versprechen halten muss. Jetzt rede und sage Deinen Entschluss." Schon seit einiger Zeit hatte der Mohr wiederholt den Kopf vorgebeugt und während er mit dem einen Ohr der Rede des würdigen Genossen zu lauschen schien, angestrengt nach der andern Seite hin gehorcht. Jetzt machte er eine Bewegung mit der Hand, wie um dem Anderen Schweigen zu gebieten, und warf sich dann lang auf Boden, das Ohr auf die Erde pressend. "Was hast Du? – Demonio! – jetzt hör' ich auch ...." Jussuf war bereits wieder auf den Füssen. "Bismillah! Ich glaube, die Moskows arbeiten neben uns, überzeuge Dich selbst, o Freund." Der Bandit schlich zu der Wand, aus deren Richtung sehr entfernt und undeutlich und nur durch den dumpfen Wiederhall des Erdbodens hörbar ein einförmiges Geräusch herüber dröhnte. Er kniete auf dem Boden nieder, weit vorgebogen und den Kopf horchend unten an die Erdwand gedrückt, das andere Ohr mit der Hand hohl bedeckend, wie man zu tun pflegt bei Anstrengung der Gehörnerven. In dieser Stellung konnte er nicht sehen, was hinter ihm vorging.

"Höre genau, Freund!"

"Zum Teufel! – schweig'!"

Hinter ihm stand, wie lauschend, gleichfalls gebückt, die Gestalt des schwarzen Couriers, aber seine Rechte hatte leise den Handjar aus dem Gürtelshawl gezogen und hielt die graue mattglänzende Klinge hinter dem rücken verborgen.

Es war eine jener wunderbaren, unscheinlichen Klingen, wie sie Damascus in früheren zeiten aus zusammengeschweissten Drähten gehärtet, ein matter schwarzgrauer Stahl mit wirren Damastfiguren, der in der Hand eines Moslemsund selbst von diesen verstehen ihn nur noch Auserwählte zu