die gelegenheit wahr, eine Bemerkung zu machen, die er offenbar schon lange anzubringen wünschte.
"Vielleicht würde Doctor Welland selbst der beste Bote der Vermittelung sein, da er, wie ich von kapitän Morton vernommen, besondere Freunde unter den russischen Offizieren zählt."
Aller Augen wandten sich bei der unerwarteten, einer Anklage ähnlichen Bemerkung auf den deutschen Arzt, der in der Tat von der Bosheit des Gegners überrascht, einige Augenblicke verlegen und unsicher blieb. Das Gefühl, wie nötig es sei, keinen unwürdigen Verdacht aufkommen zu lassen, gab ihm indess die Fassung zurück und er erwiderte ruhig und fest dem Angreifer in's Auge schauend:
"Ich verstehe nicht, was Sie damit sagen wollen, Sir, und was überhaupt das Bekümmern um meine person und meine Angelegenheiten bedeuten soll?"
"Der Baronet," sagte scharf kapitän Morton, "scheint auf die zufällige Aeusserung von mir hinzudeuten, dass in dem Augenblick, als Sie, mein Freund, bei dem Ausfall am Sonntag so aufopfernd uns in's Kampfgewühl folgten und wir in grosser Gefahr waren, von einer Abteilung der Kosacken niedergemacht oder gefangen zu werden, ein russischer Offizier unser Beider Entkommen ermöglichte, weil er in Ihnen wahrscheinlich einen Bekannten früherer Zeit wiedersah, ebenso wie wir selbst uns schon im früheren Leben getroffen haben."
"So ist es, Sir, und ich glaube nicht nötig zu haben, mich darüber zu verantworten."
Der Zuaven-Colonel hatte mit sichtlichem Unwillen der Wendung des Gesprächs zugehört.
"Das ist eine Sache, die sich von selbst versteht und die einzig wir Offiziere zu beurteilen haben," fügte er mit unverhehlter Verachtung gegen den versteckten Ankläger bei und indem er dem Arzt die Hand reichte. "Ich habe gelegenheit gehabt, diesen Herrn trotz meiner erst kurzen Anwesenheit in seiner Pflichterfüllung zu beobachten, und möchte wünschen, dass die türkische und die verbündete Armee viele Männer seiner Ehrenhaftigkeit in ihren Reihen besitze. Ich selbst zähle viele liebe Bekannte in der feindlichen Armee und werde mit Vergnügen auch auf dem Schlachtfelde die Erinnerung früherer zeiten anerkennen."
Doctor Welland verbeugte sich erfreut gegen ihn.
"Ich danke Ihnen, mein Herr; Sie haben mir nur Gerechtigkeit widerfahren lassen."
"Der Vorschlag war überhaupt unpassend," bemerkte kapitän Grach, während sich der Baronet mit einer hochmütig höhnischen Miene, als verachte er die Kritik seines Benehmens, zurückzog, "da zu der Sendung nur ein Offizier verwendet werden kann. Die Sache ist jedoch dringend, Hoheit, und Du wirst gut tun, sofort die nötigen Befehle zu geben."
"Lasse die Fahne ausstecken, und Du, HusseinAga, sende zwei Offiziere ab an die Posten der Moskows. Mashallah! Wir möchten gern, wie es tapfern Soldaten ziemt, im Kampf gegen unsere Feinde und auf den siegreich behaupteten Wällen sterben, nicht auf dem Krankenlager an der scheusslichen Pest."
Der Ruf des Muezzims vom Minaret: "La Illa illa Allah, we Muhammed Resul Allah2!" unterbrach seine Worte. Der streng seine religiösen Pflichten ausübende Pascha wandte sich sofort gegen die Moschee.
"Der Azam ruft uns zum Assar," (das dritte oder Nachmittags-Gebet,) "lasst uns das Heiligtum betreten und Allah und dem Propheten danken, dass sie uns bisher den Sieg gegeben. Möge Azraël, der Engel des Todes, uns ..."
Der Tapfere sprach die Worte nicht aus; durch die Luft über ihnen knisterte und zischte es, und es krachte nieder mit gewaltigem Schlag tief in den Erdboden.
"Eine Bombe! Nieder mit Allen!"
kapitän Grach rief's, indem er sich zu Boden warf und Alle – bis auf den ziemlich starken und etwas unbeholfenen Pascha – seinem Beispiel folgten oder wenigstens zur Seite sprangen. Fast im selben Augenblick, als die Bombe den Boden berührte, platzte sie auch schon und die Eisenstücken sprühten rings umher. Doctor Welland war der Erste wieder empor, und sein Auge fiel sogleich auf den unglücklichen Kommandanten. Der Brave stand aufrecht, aber wankte wie ein Mann, der einen harten Stoss erhalten, und seine beiden hände pressten sich auf die linke Seite und den Leib, während zwischen den Fingern durch ein Strom dunklen Blutes hervorquoll. Der Arzt sprang auf ihn zu und umfasste ihn, im Augenblick waren auch kapitän Grach und die andern Offiziere ihm zur Seite.
"Um Gottes willen, Hoheit – bist Du schwer getroffen?"
Der Pascha machte einige Versuche zu sprechen – Blut quoll mit jedem Atemzug über seine Lippen.
"Es ist mein Kismet! – Der Tag des Todes ist gekommen – mögen Munkir und Nekir3) gnädig mit mir verfahren! – Freunde, gebt mir die Kiblah4!"
Mehrere der türkischen Offiziere hoben ihn empor und trugen ihn in die Vorhalle der Moschee, wo sie ihn an einen Pfeiler lehnten, mit dem Antlitz gegen Mekka. Der Arzt war eifrig um ihn beschäftigt und untersuchte die schreckliche Wunde.
"Ist Hoffnung vorhanden?"
Der kapitän fragte es auf Deutsch – Doctor Welland antwortete in derselben dem Sterbenden unverständlichen Sprache.
"Keine," sagte er hastig, "in wenigen Augenblikken steht er vor dem allmächtigen Richter. Das Eisenstück hat die Lebensarterien getroffen und steckt noch in seiner Seite. Jeder Versuch würde ihm nur unnützen Schmerz machen."
Alle standen um den sterbenden Kommandanten bestürzt und stumm und das mit Blitzesschnelle sich verbreitende Gerücht füllte schnell die Halle der Moschee und den Platz vor derselben mit Menschen an. Der Verwundete