besten sein, wenn Sie ihn sofort und in unserer Gesellschaft anbringen. Mussa hat mir ausserdem einen Auftrag an Sie gegeben. Ich glaube, der Knabe, der uns am Sonntag die letzten Nachrichten und Depeschen aus Schumla in die Festung schmuggelte, befindet sich bei Ihnen."
"So ist es."
"Master Welland," sagte spöttisch der Baronet, "scheint eine ganze orientalische Familie in seiner Begleitung zu haben."
"Ich besitze einen einzigen Diener, Sir," entgegnete der Arzt ruhig, "der hier seinen Bruder gefunden hat. über Beide bin ich meinen Vorgesetzten jede Auskunft zu geben bereit. Was den Knaben betrifft, so ist er das Vermächtniss eines treuen, aber missleiteten Mannes an einen teuern Freund. Daher kenne ich ihn."
"etwa des Räubers Jan Katarchi für Herrn Caraiskakis?" fragte spitzig der Engländer.
kapitän Grach unterbrach ihn unwillig.
"Was geht das uns an, Sir! Wollen Sie hier im Orient den Stammbaum eines Jeden prüfen, ehe Sie mit ihm verkehren, so möchten Sie seltsame Geschichten zu hören bekommen. Hier ist die Frage, ob Sie den Burschen für geschickt genug zur Ausführung eines Auftrags halten und ob er ihn übernehmen will?"
"Das Erstere beantwortet sein Hiersein, dass Zweite ist leicht zu entscheiden, indem wir ihn rufen."
"Nehmen Sie ihn mit, Doctor, und begleiten Sie uns zum Pascha. Es handelt sich darum, Briefe nach Schumla zu bringen und Nachricht von dort zu holen über die beabsichtigten Bewegungen zu unserm Entsatz, damit wir vielleicht eine unterstützende Diversion aus der Festung machen können."
Mauro wurde gerufen und der Arzt begleitete mit ihm die Offiziere, um den Kommandanten aufzusuchen.
Sie fanden ihn auf der nämlichen, zu einer Art Paradeplatz der Truppen dienenden Stelle, auf der wir ihm zuerst begegnet sind. Das Bombardement der Stadt hatte den ganzen Vormittag gedauert und Mussa-Pascha denselben auf den Wällen zugebracht, mit Anordnungen und Ermunterungen beschäftigt. Hussein-Aga und die beiden französischen Offiziere waren wieder in seiner Begleitung. Der Knabe wurde sogleich dem Pascha vorgestellt.
"Bismillah," sagte Mussa, "der Bursche sieht aus, als trüge er die ganze Welt in dem Winkel seines Auges. Getraust Du Dich, sicher nach Schumla zu kommen, ohne den Moskows in die hände zu, fallen, wenn ich Dir zwanzig goldene Ghazi's verspreche und eben so viel bei der Rückkehr?"
"Ich bin ein Kind, Hoheit – die Moskows achten nicht auf mich."
"Ai dschänum! das ist eben der Grund, weshalb wir Dich wählen. Wie heissest Du, Knabe?"
"Mauro."
"Du bist im Glauben an den heiligen Koran erzogen? Wer sind Deine Eltern?"
"Möge Dein Schatten lang sein, Hoheit, und der Ruhm Deiner Tapferkeit über dem des Sirdars. Ich bin ein Grieche von Geburt, aber habe seit meiner Jugend keine Eltern mehr und diene den Müssilmännern."
Der Pascha fühlte sich durch das Compliment zu geschmeichelt, um Misstrauen zu zeigen.
"Sprich zu einem Griechen von Gold und er verkauft seine Seele! Dieser Knabe wird zuverlässig sein, er hat bereits seine probe abgelegt und es ist gefährlich, einen andern Boten zu schicken. Geh' mit Selim, meinem Divan-Effendi, er wird Dir die Briefe einhändigen und die Hälfte des Geldes, denn es ist notwendig, dass Du zur Stelle und ohne weiter mit Jemand in der Stadt zu verkehren, die Wälle verlassest. Es fehlt den Moskows leider nicht an Spionen in Silistria, und unsere besten Unternehmungen werden oft vereitelt. Selim wird Dich dem Offizier des südlichen Turmes Yania übergeben und Allah möge Deine Augen, Deine Ohren und Deine Füsse stärken, damit Du den Feinden glücklich entkommst. Geh', denn wir haben noch mehr zu tun."
Der Knabe ward auf seinen Wink fortgeführt, nachdem er demütig den Rock des Pascha's berührt und die Hand des Arztes geküsst hatte. kapitän Grach machte hierauf den Commandanten mit den schweren Besorgnissen der europäischen ärzte und dem Vorschlag des Doctor Welland bekannt. Alle in der Umgebung des Pascha's befindlichen europäischen Offiziere stimmten sofort den erhobenen Bedenken bei und erkannten die notwendigkeit und Dringlichkeit der Abhilfe an. Nur Hussein-Aga machte einige Einwendungen.
"Bei meiner Seele," sagte er, "diese Dschaurs werden sich einbilden, wenn sie die weisse Fahne auf unsern Wällen sehen, wir dächten an Uebergabe."
"Desto bitterer werden sie sich getäuscht fühlen," widerlegte ihn der kapitän. "Ich dächte, die Russen hätten die Kraft Deines Armes und die Unbezwingbarkeit Deines Mutes bei dem letzten Ausfall genug kennen gelernt, tapferer Aga, um zur Genüge zu wissen, was sie zu hoffen haben."
"Du hast Recht, Jüs-Baschi1 Grach," entschied der Pascha, "und Dein Rat ist immer weise gewesen, wie Dein Mut gross. Ich habe noch heute Gutes von Dir geschrieben an den Sirdar. Wir wollen die Fahne des Waffenstillstandes aufstecken auf dem Turm der Citadelle und einen Unterhändler senden in das Lager der Moskows. Wen rätst Du, zu wählen?"
Der Pascha hatte – während die Zwischenreden unter den türkischen Militairs und die Instruction des kleinen Spions in türkischer Sprache geführt worden – bei der die europäischen Offiziere interessirenden Frage sich wieder des Französischen bedient und war daher Allen verständlich gewesen. Der Baronet, welcher der ganzen Verhandlung mit grosser Aufmerksamkeit gefolgt war, nahm