Verlust der Türken war bedeutend.
Fussnoten
1 Abteilungen. 2 Hundssohn!
Auf und unter der Erde.
Auf einem Rohr-Divan mit schlechten Polstern lag Doctor Welland, ausruhend von den Strapazen und Mühen der Nacht, die er – es war mehrere Tage nach dem blutigen Ausfall – an der Seite der Kranken und Verwundeten zugebracht.
Nursah, der schwarze Knabe, schaute durch den gehobenen Vorhang herein, ob sein Gebieter wach sei, und als er sich davon überzeugt, kam er näher und legte demütig einen klein zusammengefalteten und schwarz gesiegelten Brief vor ihm nieder, der statt der Adresse den blossen Namen des Arztes trug.
"Woher der Brief?"
"Jussuf fand ihn am Morgen auf der Schwelle der Tür."
Der Doctor betrachtete das Blatt, das offenbar keine dienstliche Mitteilung entielt, von allen Seiten, wie wir wohl zu tun pflegen bei Briefen, von denen wir nicht wissen, woher? obschon das Oeffnen uns jedes Nachdenken leicht ersparen würde, und sagte:
"Ich sah Deinen Bruder gestern in Gesellschaft eines Menschen, der jetzt der Diener des Engländers zu sein scheint, welcher mich neulich mit seinem Landsmann besuchte. Ich müsste mich sehr irren, oder wir haben Beide den Mann schon in Widdin gesehen bei Handlungen, die keineswegs für seinen Charakter sprechen. Warne Deinen Bruder." "Er hat dem Italiener bei dem Sturm auf ArabTabia das Leben gerettet und Signor Lucia beweist ihm seitdem grosse Dankbarkeit." "In dem Auge des Mannes liegt Tücke und Verbrechen – ich wiederhole es: warne Deinen Bruder." Ein leichtes kaum merkliches Lächeln flog über das dunkle Gesicht des jungen Dieners, als er sich verbeugte und zurückzog, während Doctor Welland den Brief erbrach. Der Brief war vom kapitän Meiendorf geschrieben und lautete:
"Bei unserer Begegnung im Sturm der Schlacht erst erfuhr ich mit Gewissheit, dass mein Befreier aus der türkischen Gefangenschaft zu Widdin in Silistria weilt. Nur wenige Augenblicke bleiben mir heute, da ich wieder im Stabe des Fürsten bin und die Folgen des Ausfalls noch alle Kräfte in Anspruch nehmen, um Ihnen zu sagen, wie sehr ich Ihr Schuldner bin. Erhöhen Sie diese Verpflichtung, indem Sie mir Weiteres mitteilen und jede Nachricht über den Gegenstand geben, der uns Beide verbündet, – es ist für mich von Wert, das Geringste zu erfahren. Wie schwierig auch der Verkehr sein mag, ich werde Mittel finden, ihn zu unterhalten, und wenn Ihnen eine person den Namen nennt, der unsere Loosung ist, können Sie ihr sicher jede Botschaft auftragen. Leben Sie wohl und möge der Himmel Sie schützen. Ihr
Alexander von Meiendorf."
Der Arzt las den Brief, mit einer tiefen Rührung des traurigen Schicksals jenes wackern edlen Kriegers gedenkend, der auf der Seite der Feinde stand und für den er doch so viel Teilnahme empfunden. Er steckte das Blatt zu sich und beschloss, noch genauere Nachforschungen anzustellen, wie es in seine wohnung gekommen, da es offenbar bewies, dass die Russen ihre Spione in der belagerten Festung hielten.
Der Eintritt der Capitaine Grach und Morton, wiederum begleitet von Sir Maubridge, machte seinem Nachdenken ein Ende.
"Wir haben uns nur wenige Augenblicke seit der Nacht des Ausfalls und dem grossen Sturm gesehen, den die Russen am Tage darauf unternahmen. Indem wir dem Feind die zerstörten Vorwerke am Babadagh-Tor überlassen haben, können wir unsere Mittel concentriren, und auch ich habe dadurch mehr Zeit gewonnen. Wie geht's mit Ihren Verwundeten und Kranken, Doctor?"
"Es ist mir lieb, Sie zu sehen," entgegnete der Arzt, "und ich bitte um Ihre Unterstützung beim Pascha. Ich bin mit meinen Collegen darüber einig, dass für die Rettung unser Aller ein Waffenstillstand von einigen Stünden unbedingt notwendig ist, wenn nicht der Typhus, ja noch Schlimmeres, Alles verschlingen soll."
"Wie meinen Sie das?" fragte der kapitän.
"Sie selbst müssen bereits die Verpestung der Luft durch die zahllosen Leichen von Tieren und Menschen empfunden haben, die um die Forts aus den zwei letzten Stürmen und den täglichen kleinen Gefechten liegen geblieben sind. Ich habe alles Mögliche getan, um im inneren der Stadt die sofortige Beerdigung aller unserer Leichen durchzusetzen, aber Sie kennen zur Genüge die Fahrlässigkeit und den Schmuz der Moslems, und die Cadaver der Tiere bleiben unbeachtet auf den Strassen. Hier haben wir nicht die Hilfe der Hunde, wie in Constantinopel. Ueberdies geschieht auch das Begraben der menschlichen Leichen äusserst sorglos, und die grossen Gruben, die zu ihrer Aufnahme dienen, werden nur mit einer dünnen Schicht von Erde bedeckt. Die Hitze ist im Steigen und es entwickeln sich auch in der Festung Miasma's, die mit dem Pestauch von aussen vereint zehnfach tödtlicher wirken müssen, als alle feindlichen Batterieen. Die Cholera ist bereits stark im Zunehmen!"
"Goddam!" meinte der englische Offizier, "es ist eine verteufelte Aussicht, wie ein Hund zu sterben."
"Aber die Russen," warf der Baronet ein, "haben denselben Nachteil wie wir."
"Darauf eben gründe ich meinen Vorschlag. Unsere Kanonen verhindern sie, ihre zurückgelassenen Leichen zu begraben. Ein vorgeschlagener Waffenstillstand zu diesem Zweck wird als eine Noblesse unsererseits angesehen werden und ihnen sehr willkommen sein. Wir aber ziehen den besten Vorteil davon."
Der kapitän hatte aufmerksam und nachdenkend zugehört.
"Sie haben Recht, Doctor, und wir werden Ihren Vorschlag ernstlich bei dem Pascha unterstützen. Es wird am